Händler der vier Jahreszeiten

 BRD 1971
Drama, Independent 88 min.
7.60
Händler der vier Jahreszeiten

Ein Obsthändler scheitert im Nachkriegs-Deutschland in seinen Bemühungen um das "Kleine Glück".

Eine Alltagsgeschichte unter Münchner Kleinbürgern, die aber nicht als "Faschisten" verfemt, sondern mit ihren Problemen ernstgenommern werden. Es geht um die Illusion bürgerlicher Sicherheit, um das kleinliche Glück, das man sich durch Fleiß und Opfer verdient. Fassbinder wählt einen fliegenden Händler als Helden, um das Drama einer Ehe nicht nur im privatbereich einer Wohnung, sondern auch in der Öffentlichkeit der Straßen und Marktplätze abrollen zu lassen.

Fassbinders Film entwirft mit höchster Präzision eine Erzählung von Liebesentzug, Verdrängung und Deutschland nach dem Krieg. Das Dekor, mit malerischer Grausamkeit arrangiert, vermengt die Epochen, von der Adenauer-Ära bis zur Entstehungszeit: Was während des Wirtschaftswunders verleugnet wurde, ist auch 1972 noch nicht verarbeitet. Ein Meister­werk. (filmmuseum)

Details

Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ingrid Caven
Rainer Werner Fassbinder
Rocco Granata
Dietrich Lohmann
Rainer Werner Fassbinder

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Hans im Pech
    Es ist der lyrischste Titel eines Fassbinder-Filmes und passt so gar nicht zu dem menschlichen und familiären Drama. Ein Euphemismus für einen Obsthändler der mit seinem Karren durch die Strassen zieht und die Früchte der Saison ausruft. Das Leben des Hans Epp (Hans Hirschmüller) vollzieht sich in einer Abwärtsspirale, obwohl es geschäftlich eigentlich gut läuft (Zeit des Wirtschaftswunders), der er konsequent nach Depression und Impotenz durch Suizid ein Ende macht. Er wird von seiner Frau Irm (Irm Hermann) geschickt beherrscht. Sie hintergeht ihn, betrügt ihn und überlebt mit seinem Nachfolger im ehelichen Bett. Hans ist der ‘kleine Mann mit der großen Frau‘. Er ist der dämliche Hans im Pech, der sich überflüssig fühlt und seiner Jugendliebe nachtrauert. Die Einrichtung der 70er Jahre erscheint heute geschmacklos, vergrößert aber das Grauen vor Ort. Die Verwandtschaft ist bis auf seine Schwester (Hannah Schygulla) herzlos und spießig. Alle schauen seinem Treiben wortlos zu.
    Ein ernster Stoff, den Fassbinder in der inzwischen für ihn typischen Art und Weise darstellt: statische Szenen mit wenigen Schnitten, emotionslose Dialoge und unerwartete Gesten, die heute etwas pathetisch wirken. Dazu für die 70er Jahre recht freizügige Sexszenen. All das zusammen macht seine Filme heute zum Kultobjekt, weil sie anders sind als alle damaligen Streifen, und heute immer noch einfach genial erscheinen.