News & Stars
10.10.2018

James Gunn wechselt zu DC und übernimmt "Suicide Squad 2"

DC und Warner Bros. sind die großen Gewinner, nachdem der "Guardians of the Galaxy"-Writer/Director von Disney gefeuert wurde.

James Gunn, Regisseur und Drehbuchautor der beiden "Guardians of the Galaxy"-Filme von Marvel, wechselt die Seiten: Gunn wird laut einem Bericht von Deadline Hollywood das Drehbuch für den zweiten Teil von "Suicide Squad" schreiben und dann bei dem DC-Film wahrscheinlich auch Regie führen. "Suicide Squad" von Regisseur David Ayer erhielt zwar sehr ambivalente Kritiken, war aber kommerziell recht erfolgreich. Die Fortsetzung ist Gunns erstes Filmprojekt, nachdem er im Juli von Disney als Regisseur des dritten "Guardians of the Galaxy"-Films gefeuert wurde. Etwas Besseres hätte DC gar nicht passieren können.

 

"Suicide Squad" ist das ideale DC-Projekt für James Gunn

Im Jahr 2014 hat James Gunn mit dem ersten "Guardians of the Galaxy"-Film einen fulminanten Erfolg für Marvel eingefahren. Die bis dahin kaum bekannten Marvel-Helden begeisterten Kritiker und Publikum gleichermaßen und spielten an den Kinokassen weltweit 773 Mio. Dollar ein. Im Mittelpunkt stand eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Außenseitern, die eigentlich eher widerwillig in die Heldenrolle gedrängt werden. Zwei Jahre später wurde "Suicide Squad" wesentlich kritischer aufgenommen, von Kritikern und Fans gleichermaßen. Weltweit spielte der Film mit Margot Robbie als Harley Quinn und Jared Leto als Joker aber satte 747 Mio. Dollar ein. Kommerziell liegen die beiden Filme also beinahe gleichauf. Der Grund für die unterschiedliche Rezeption der beiden Superhelden-Filme ist wohl wohl darin zu suchen, dass die Stärken von "Guardians" auch die Schwächen von "Suicide Squad" waren.

"Guardians of the Galaxy" lebt vom witzigen Zusammenspiel der Charaktere, dem hervorragenden Team-Building, dem coolen Anti-Helden-Image der Figuren und den nerdigen Popkultur-Referenzen. Und nicht zuletzt von einem geradlinigen Plot, der von Gunn konsistent geschrieben und umgesetzt wurde. "Suicide Squad" scheitert vor allem beim Team-Building und am recht holprigen Plot. Harley Quinn und der Joker stehen eigentlich im Mittelpunkt, während die Haupthandlung zahlreiche Unstimmigkeiten aufweist.

Doch vom Setting her ist "Suicide Squad" das ideale DC-Projekt für Gunn. Diese Helden sind keine Guten, sondern Schurken. Sie werden von Amanda Waller (Viola Davis) zu ihren Einsätzen gezwungen, weil sie ihnen sonst mittels implantierter Mini-Bombe den Kopf wegbläst. Waller ist damit auch die einzige notwendige Konstante des Teams. Im Comic ändert sich die Zusammensetzung des Teams laufend. Selbst der Team-Leader Rick Flag (Joel Kinnaman) ist nicht zwingend notwendig (und war im ersten Teil eine völlig unnötige Figur).

Gunn hätte also freie Hand. Er könnte ein völlig neues Team zusammenstellen, wieder unbekannte Fan-Favoriten aus den Comics in den Mittelpunkt stellen. Oder auch Harley Quinn und den Joker in eine packende Story einbauen. Auch beim Humor wäre die Bahn frei für seinen ironischen Anti-Helden-Schmäh, der hier sogar noch weitergehen könnte als bei den "Guardians". Denn diese Truppe muss keine Entwicklung zu Helden durchlaufen.

 

Dave Bautista ("Drax") will auch zu DC wechseln

Als erster Schauspieler aus der "Guardians"-Truppe hat sich Dave Bautista zu Wort gemeldet. Der Drax-Darsteller hat seine Meinung sehr eindeutig öffentlich kundegemacht, nachdem Gunn von Disney wegen fragwürdiger, aber alter Tweets gefeuert wurde. Er sagte sogar, er sei von der Arbeit mit Disney "angewidert". Nachdem der DC-Deal von Gunn bekannt wurde, dauerte es nicht lange bis Bautista auf Twitter fragte: "Wo soll ich unterschreiben?"

 

Gunn erhielt von vielen Kollegen Unterstützung, die den Schritt von Disney nicht verstehen konnten. Noch dazu ging die Initiative von rechtsextremen Alt-Right-Aktivisten aus, die geschmacklose Tweets des Trump-Kritikers Gunn ausgegraben hatten. Der Regisseur distanzierte und entschuldigte sich von diesen uralten Tweets, die er vor vielen Jahren auf Twitter veröffentlicht hatte. Doch das konnte Disney nicht von der (wohl vorschnell) gefassten Entscheidung abbringen. Disney habe sich von Alt-Right-Aktivisten instrumentalisieren lassen, so der Tenor der Kritik. Aber unabhängig von dieser politischen Dimension kam der Schritt auch bei den Marvel-Fans ganz schlecht an.

 

Gewinner: DC & Warner Bros. 

Die Gewinner sind nun eindeutig das Hollywood-Studio Warner Bros. und der Marvel-Konkurrent DC. Warner Bros. hat sich einen kreativen Kopf und erfolgreichen Writer/Director geangelt. Aber es ist auch ein mutiger Schritt, der signalisiert, dass Warner Bros. hinter seinen Künstlern steht und sich nicht durch politische Extremisten und fragwürdige Political Correctness instrumentalisieren lässt. Letztlich steht Disney wieder einmal als ziemlich uncool da.

DC gewinnt hingegen mit Gunn einen der wichtigsten Filmemacher, der in den vergangenen Jahren das Marvel Cinematic Universe (MCU) großgemacht hat. Im Vergleich zum MCU dümpelte das DC Extended Universe (DCEU) im Kino vor sich hin. Doch seit dem Erfolg von "Wonder Woman" und dem Abgang von Zack Snyder weht ein frischer Wind bei DC. Mit neuen DC-Superheldenfilmen wie "Aquaman" von James Wan, "Shazam" von David F. Sandberg, "Joker" von Todd Philips, "Birds of Prey" von Cathy Yan, "Wonder Woman 1984" von Patty Jenkins und nun "Suicide Squad 2" von James Gunn könnte das DCEU im Kino endlich Fahrt aufnehmen.