Mademoiselle (1965)

 F/GB 1965
Drama 99 min.
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Nur weil sie kalt und einsam, unbefriedigt und liebesgierig ist, müssen Häuser
und Scheunen in Flammen aufgehen,werden Ställe und Wege unter flutendes
Wasser gesetzt: Immer während die anderen schlafen, ihrer Arbeit
auf dem Felde nachgehen oder in einer Prozession zur Kirche schreiten,
schleicht Mademoiselle, die nicht mehr ganz so junge Lehrerin, durchs Dorf
und steckt Heuhaufen in Brand, läßt strohgefüllte Scheunen in Flammen
aufgehen - durch Unachtsamkeit zunächst, mit böser Absicht sodann. Ihr
Interesse aber gilt nicht allein den lodernden Flammen und dem strömenden
Wasser des heimlich geöffneten Wehres, sondern weit eher einem kräftigen
Manne, der sich allen anderen voran beim Löschen und Bergen
bewährt. Auf ihn allein, den Liebhaber nahezu aller Frauen des Dorfes, hat
sie es in ihrer schon nahezu altjüngferlichen Einsamkeit abgesehen: Das
Böse dient ihr zur Befriedigung, dient ihr vor allem auch als Mittel zum
Zweck.

Da jener Mann aber, auf den die Lehrerin es abgesehen hat, ein Fremder ist,
ein italienischer Holzfäller, der nur in der Saison als Gastarbeiter in dem ärmlichen
provencalischen Dorf arbeitet, richtet sich aller Argwohn sofort auf
ihn.

Als eines Morgens die Lehrerin in ziemlich abgerissenem Zustande
ins Dorf zurückkehrt, als sie in einer schwülstigen Gewitternacht endlich ihr
Ziel bei dem vitalen Italiener erreicht hat, da denunziert sie ihn als brutalen
Sexualverbrecher, woraufhin ihn die erbosten Männer des Dorfes mitleidlos
zu Tode prügeln. Keiner kennt Erbarmen, jeder lebt nur für sich und seine
primitiven Vorstellungen - auch die Lehrerin, die wenige Tage später das
Dorf strahlend und glücklich verläßt.

Jeanne Moreau agiert spitz und eckig, von scheuer Boshaftigkeit und verklemmter
Lüsternheit erfüllt als die Lehrerin; faszinierend ihr fast wortloses
Spiel, das zum Gleichnis, zum Alptraum menschlichen Wesens wird.

Volker Baer: Der Schöne und die Bestie, Der Tagesspiegel, Berlin, 1. Februar 1967

Details

Jeanne Moreau, Ettore Manni, Keith Skinner, Umberto Orsini, Jane Beretta, Mony Rey, Georges Douking, Rosine Luget, Gabriel Gobin, Pierre Collet, Jean Gras, Georges Aubert, Antoine Marin, Gérard Darrieu
Tony Richardson
Philippe Brun, David Watkin
Marguerite Duras, Jean Genet

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