Martha (1974)

 BRD 1974
Drama, Independent 116 min.
Martha (1974)

Die Ehe mit dem Traummann wird für ein junge Frau zum Goldenen Käfig.

Nach dem Tod ihres Vaters erscheint Martha in Rom der attraktive Helmut als der ideale Lebensgefährte. Die Ehe - gegen den Willen der Mutter . wird zum Desaster. Helmut hält Martha in einem goldenen Käfig gefangen und quält sie mit manischem Sadismus.

Der offenkundige Stilbruch, den Karlheinz Böhm mit seinen Arbeiten für Rainer Werner Fassbinder beging, bestand nicht darin, dass die Charaktere zwielichtig angelegt und vor allem ihre Abgründe beleuchtet wurden. Ein Teil seiner unheimlichen Wirkung in MARTHA beruht auf der Tatsache, dass Böhm die von ihm gespielte sadistische Figur mit denselben gentlemanartigen Attributen ausstattet, die bereits seinen Rollen aus den 1950er-Jahren anhafteten.

Details

Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Gisela Fackeldey, Adrian Hoven, Barbara Valentin, Ingrid Caven
Rainer Werner Fassbinder
Max Bruch, Gaetano Donizetti
Michael Ballhaus
Rainer Werner Fassbinder

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Obsession
    Ein bemerkenswerter Film aus der Blütezeit von R.W.F. und das aus mehreren Gründen: es ist der schmerzlichste Fassbinder–Film, den es gibt.
    Die Geschichte einer obsessiven Liebe mit einem gewalttätigen Ehemann, der es brutal ausnutzt, dass Martha schnatterhaft, etwas schlicht und hilflos ist. Man könnte allerdings auch die literarische Vorlage von Cornell Woolrich als Anleitung zur totalen Unterwerfung einer Frau auffassen. Dabei wird der Zuschauer quasi per optischer und menschenverachtender Gewalt gezwungen, die physischen und psychischen Qualen von Martha (Margit Carstensen) nachzuempfinden. Wenn man von der Vorgeschichte dieser Ehe einmal absieht, beginnt es mit der Vergewaltigung nach einem Sonnenbrand und endet in der Ermordung von Marthas Katze. Dazwischen liegen kleinere sadistische Mosaiksteinchen, die ihr Ehemann Helmut (Karlheinz Böhm) einbaut wie Rauchverbot, Musikgeschmack bestimmt, Bücher- und Speisenauswahl ändert, ihre Stellung sowie der Telefonanschluss werden gekündigt, gefolgt von einem Verbot, die Villa zu verlassen. Konsequent endet Marthas Leidensweg in der totalen körperlichen Abhängigkeit.
    Darüber hinaus ist es für Karlheinz Böhm ein schauspielerischer Meilenstein auf seinem Weg weg vom Image als Sissi-Ehemann. Und das macht er mit Bravour. Er spielt den Sadisten gekonnt freundlich schmeichelhaft, dann aber wieder brutal obsessiv.
    Und nicht zu vergessen Michael Ballhaus, den Erfinder der kreisenden Kamera. Gekonnt anspruchsvoll!