Meine Nacht bei Maud

 F 1969

Ma nuit chez Maud

Drama, Romanze, Independent 110 min.
8.10
Meine Nacht bei Maud

Ein verlobter gläubiger Katholik verbringt eine Nacht mit einer anderen Frau und führt mit ihr intensive Gespräche über Ehe, Liebe, Treue und Moral.

Winter in Clermont-Ferrand. Jean-Louis, gläubiger Katholik, erwählt sich während einer Messe die junge Françoise als seine künftige Frau. Sein Freund, ein marxistischer Professor, macht ihn darauf mit der charmanten geschiedenen Ärztin Maud bekannt. Ungeplant verbringen die beiden eine Nacht zusammen - und diskutieren über Liebe, Treue, Ehe und Moral, über Blaise Pascal und die Religion, wie es wohl nur Franzosen können, ohne uns auch nur eine Minute zu langweilen. Seine Françoise heiratet Jean-Louis dann natürlich trotzdem.

(Text: Viennale 2010)

Details

Jean-Louis Trintignant, Françoise Fabian, Marie-Christine Barrault, Antoine Vitez u.a.
Eric Rohmer
Néstor Almendros
Eric Rohmer

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Nix passiert
    Wieder ein Knaller von einem Titel. Aber weit gefehlt, es passiert gar nichts. Es wird nur diskutiert. Rohmer versucht hier zu zeigen, dass ein konservativ katholischer Mann (Jean-Louis Trintignant) im fortgeschrittenen Alter moralisch stark bleibt, indem er neben Maud (Francoise Fabian) sittsam einschläft, aber gleichzeitig einer anderen nachsteigt und sie später heiratet. Was etwas unverständlich bleibt, ist die Tatsache, dass er Kommunist ist. Francoise, die kühle Blonde (Marie-Christine Barrault, damals Newcomerin und Nichte des großen Barrault ‘Kinder des Olymp‘) ist auch streng gläubig. Mit der geschiedenen Maud diskutiert Jean-Louis auf hohem Niveau die halbe Nacht über Religion und Atheismus, über Ehe und Treue. Mit ihr gibt es für ihn anscheinend keine gemeinsame Zukunft und so bleibt er enthaltsam. Bevor sie einschläft, haucht sie noch zu ihm rüber ‘Idiot‘. Für ihn ist es anscheinend wichtiger, sich gegen den Jansenismus zu verteidigen. Man ahnt, welche intellektuellen Höhen hier erklommen werden. Die finale Überraschungswendung kommt nach Jahren am Strand bei einem zufälligen Treffen der drei. Hier offenbart Maud, dass Francoise die Geliebte ihres Mannes gewesen war. Also der Grund für ihre Scheidung. Jeder verzeiht jedem. Jean-Louis und Francoise gehen baden. FIN.
    Lange Passagen einer Messe mit Predigt betonen den Glauben der Akteure. Und der Mann liebt die eine und heiratet doch die andere. Sein Gedankenkonstrukt wägt ab Sünde gegen Hoffnung, Gnade und erlösende Befreiung. Anspruchsvolle Lektion in Sachen Liebe. Etwa angestaubt, aber hoch anständig.