© viennale

Viennale-News
09/23/2019

Viennale-Trailer 2019: Ein verpixeltes Gesicht

Lucrecia Martel, eine große Regisseurin des Weltkinos, konnte diesmal für die Erstellung des traditionellen kurzen Festivaltrailers gewonnen werden.

von Franco Schedl

Auch 2019 ist es der Viennale gelungen, mit Lucrecia Martel eine große Regisseurin des Weltkinos für die Erstellung des traditionellen Festivaltrailers zu gewinnen. Mit gerade einmal vier Spielfilmen in sechzehn Jahren hat die im argentinischen Salta geborene Filmemacherin ein so schmales wie beeindruckendes Œuvre geschaffen, das ihren Status als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Gegenwartskinos begründet. Ihre Werke sind höchst eigenständige Beiträge zur Filmgeschichte, die vielfach lesbar und endlos reizvoll im scheinbar Banalen die Komplexität der menschlichen Existenz zu erfassen suchen.

Im von Lucrecia Martel auf Einladung der Viennale gestalteten, knapp zweiminütigen Film mit dem Titel „AI“ schaut aus grobschlächtigen Pixeln ein wenig verunsichert ein Auge heraus, und aus einem erahnbaren Mund spricht es: „I am not completely like other people.“ Erwacht da eine KI in eine ihr noch fremde Welt hinein, in der es kracht, kratzt und hallt? Und wie verändert sich der Blick auf dieses unheimliche Bild, wenn man weiß, dass die Pixel über einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1961 liegen, die die Anamnese eines katatonisch Schizophrenen dokumentiert? Was also ist ein Bewusstsein, zumal ein menschliches?