Schlechte Erziehung

 E 2004

La Mala Educación

Drama, Mystery 01.10.2004 106 min.
7.50
Schlechte Erziehung

In einer Klosterschule zu Beginn der sechziger Jahre entdecken zwei kleine Jungen die Liebe, das Kino und die Angst. Ein sehr persönlicher Film des spanischen Regisseurs Almodóvar.

Der Schulleiter und Literaturlehrer Padre Manolo ist Zeuge einer emotionalen Entdeckungsreise seiner Zöglinge Ignacio und Enrique und wird mehr und mehr zu ihrem Teilnehmer. Unter seiner Führung überschreitet die ungleiche Dreiergruppe Grenzen und dringt in ein düsteres, verbotenes Gebiet vor...

Noch zweimal, Mitte der siebziger und in den achtziger Jahren, treffen die drei Personen aufeinander. Bei ihrem Wiedersehen brechen alte Wunden auf. Die schonungslose Konfrontation mit der Vergangenheit greift in dramatischer Weise erneut in ihr Leben ein - und bedeutet für einen von ihnen sogar den Tod.

Details

Gael García Bernal, Fele Martínez, Daniel Giménez-Cacho, Javier Cámara, Lluis Homar
Pedro Almodóvar
Alberto Iglesias
José Luis Alcaine
Pedro Almodóvar
Tobis / Constantin Film

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Glänzend und deprimierend
    Almodovar ist hier sehr weit entfernt von den Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Denn er schlägt hier einen ernsten, gelegentlich deprimierenden Ton an. Es geht um ein großes Thema: Missbrauch.
    Da wird ein Knabe in der Klosterschule von einem Pater missbraucht, da wird eine Filmidee von einem Regisseur, dem nichts einfällt, missbraucht, da wird ein Schauspieler, der die Hauptrolle spielen will, von eben diesem Regisseur missbraucht, da wird das Leben missbraucht, um einen Film daraus herstellen zu können.
    Almodovar erzählt auf mehreren, miteinander verknüpften Ebenen. Da verschwimmen rasch die Unterschiede zwischen Realität und Fiktion. Da verengt sich dann die Cinemascope-Leinwand (1:2,35) auf Breitbild (1:1,88), um zu zeigen: Das ist jetzt Film. Echtes Leben dagegen hat offenbar immer Breitwandformat.
    Wie glänzend Almodovar diesen Film konstruiert, beweist einmal mehr, dass er ein Meister des europäischen Kinos ist. Und wenn er in die Zeit der 1970er abtaucht, dann tut er dies - bei Kostümen und Autos - nicht bloß perfekt. Sondern er vermeidet auch jeglichen Seventies-Retro-Chic, den man jetzt schon mindestens hundert Mal im Kino zu bewundern bzw. ertragen hatte. Es ist das Spanien der noch jungen, ungefestigten Republik, mit seiner tiefen Verankerung im Klerikalen (die zu den Stützen Francos gezählt hatten).
    Und nicht zuletzt ist Almodovars neueste Arbeit auch ein wunderbarer Film über das Filmemachen.
    Strikte Empfehlung.

    purpur-gold-pailletten
    könnten nicht besser widerspiegeln, was Almodovar in diesem Film zum Ausdruck bringt. Wie sehr mensch doch in sich gefangen sein kann, sexuelle Revolution, Klosterschule, Missbrauch, die verschwimmende Grenze zwischen unbedarfter Kindheit und triebhaft erwachsenem Verlangen, die Gratwanderung zwischen moralisch erlaubter und gesellschaftlich akzeptierter oder zumindest tolerierter Grenzgängerei und nur noch katholisch totzuschweigender Sündhaftigkeit.
    Schuld und Schulidger. Wer mit wem und wie lange. Ab wann missbrauchen wir uns selbst? Wie weit heißt Liebe tolerieren und geben und ab wann darf sie so weit gehen zu töten.
    Karrieregeilheit und wie weit können Menschen dafür sinken.

    Am Ende ist der Anfang. Alles. Enrique hat alles und nichts und nur Ignacio hat es geschafft.
    Und das Leben plätschert munter weiter.
    Bilderteppiche, Assoziationsketten, Schnipselwerk und Handlungsstränge, viele.
    Ein untypisch typischer Almodovar. Diesmal mit leichtem Sitcomflair. Aber das sind nur die Farben.

    Almodovar mag man eben.