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02/09/2022

12 ehrliche Liebesfilme, die Liebe realistisch zeigen

Liebe ist viel mehr als das permanente Hören von Glöckchen und das romantische Treffen bei Vollmond. Diese Titel beweisen es.

von Manuel Simbürger

Liebe auf den ersten Blick, perfekter Sex, das Treffen auf einer romantischen Brücke, der Spaziergang durch den herbstlichen Park, die sich schnell um das küssende Pärchen drehende Kamera, aufdringliche Schnulzen-Musik, Kinder, um die man sich nie kümmern muss, allseits perfektes Aussehen und das unumgängliche Happy End: Liebesfilme sind voll von Klischees und Bildern, wie Hollywood sich die traute Zweisamkeit vorstellt.

Mitunter aber gibt es auch cineastische Werke, die Wert darauf legen, die Sache, die wir Menschen Liebe nennen, betont realistisch und ehrlich zu zeigen. Die sich das Leben anstatt von Stereotypen als Vorbild nehmen, bei denen Wunschdenken der rauen Wirklichkeit weicht.

Dann wird Liebe so gezeigt, wie sie ist: Schön, kompliziert, witzig, traurig, seelenstreichelnd, grotesk, herausfordernd, beschützend, niederschmetternd oder ernüchternd. Aber immer ganz nah am echten Leben.

12 ehrliche Liebesfilme zum Valentinstag:

Silver Linings Playbook (2012)

Lehrer Pat (Bradley Cooper), der aufgrund eines körperlichen Angriffs auf den Lover seiner Frau acht Monate in einer geschlossenen Psychiatrie verbrachte und nun wieder bei seinen Eltern (Robert De Niro und Jacki Weaver) wohnt, steht vor den Scherben seiner Existenz. 

Nur seine Bipolare Störung ist immer noch da. Ähnlich, aber doch ganz anders ergeht's der Witwe Tiffany (Jennifer Lawrence), die seit dem Tod ihres Mannes ihre innerliche Leere hinter Sarkasmus und meterhohen emotionalen Wänden versteckt.

Realitäts-Check: Kaum ein Film zeigt auf so erdige, aber doch auch humorvolle Art und Weise, wie sehr Liebe von Hoffnung, Verzweiflung und Absurdität geprägt ist, wie diese brillant gespielte Tragikkomödie. Öfter, als man denkt, ist es das Gegenüber wert, es mit ihm oder ihr zu versuchen – und seien die Unterschiede auch noch so groß.

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Marriage Story (2019)

Eigentlich wollten sich Nicole (Scarlett Johansson) und Charlie (Adam Driver) friedlich voneinander trennen, Scheidungsmeditation inklusive. Als dann aber die jeweiligen ScheidungsanwältInnen ins Spiel kommen, ist dieses Vorhaben schwieriger durchzuführen, als zuvor gedacht. 

Realitäts-Check: Der Film ist genauso unberechenbar und vielschichtig wie eine Scheidung, die nur selten so verläuft, wie man sie plant. Regisseur Noah Baumbach zeichnet frei von jeglicher Sentimentalität ein authentisches Porträt einer Entfremdung – und er zeigt, dass Wahrheit immer subjektiv ist.

Ist auf Netflix zu sehenHier geht's direkt zum Film!

Walk the Line (2005)

Das Biopic über Johnny Cash (Joacquin Phoenix) erzählt auf beklemmende und eindringliche Weise von der Karriere des legendären Country-Sängers, allem voran aber über seine dysfunktionale Beziehung zu Country-Star und Ehefrau June (Reese Witherspoon). Von inneren Dämonen zerfressen und dem Alkohol verfallen, scheint June die einzige zu sein, die Johnny vor sich selbst retten kann.

Realitäts-Check: Das Showbiz-Setting und die nostalgischen 1950er-Jahre scheinen auf uns fremd zu wirken. Die Geschichte eines Paares, das bereits Höhen und Tiefen erlebt hat, das trotz aller Hürden aber zusammen den Weg weitergeht, weil das Gegenüber am Ende doch die bessere Hälfte des eigenen Selbst ist, ist dafür umso mehr aus dem Leben gegriffen.

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Brokeback Mountain (2005)

Zwei Cowboys (Heath Ledger und Jake Gyllenhaal) entwickeln inmitten einer weitläufigen, aber kargen Landschaft intensive Gefühle füreinander, finden aber aufgrund äußerlicher und innerlicher Restriktionen niemals zueinander. Was mit einem einfachen Schafe-Hüten-Job beginnt, entwickelt sich zu einer jahrzehntelangen, genauso leidenschaftlichen wie tragischen Liebesgeschichte, die nur im Geheimen stattfinden darf – und auch nur dann, wenn man den Mut findet, auf das eigene Herz zu hören.

Realitäts-Check: Zwar kommt hier tatsächlich der Prinz am stattlichen Pferd daher, aber die Welt ist nun mal kein Märchen, sondern ein Ort, an dem nach wie vor Intoleranz, Gewalt, Vorurteile und Selbstverleugnung herrschen. Ein Ort, an dem Menschen verurteilt werden, weil sie sich lieben. Hier liegt die große Kraft in der Stille – wie in der Liebe oftmals auch.

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Celeste & Jesse (2013)

Celeste (Rashida Jones) und Jesse (Andy Samberg) sind zwar nicht geschieden, leben aber getrennt. Und beide sind nicht nur absolut glücklich damit, sie verstehen sich auch noch prächtig! Als Celeste dann aber wirklich die Scheidung möchte, wehrt sich Jesse. Denn er ist immer noch in sie verliebt. Und auch Celeste beginnt ihre Gefühlswelt zu überdenken ...

Realitäts-Check: Wer sagt, dass man nach einer Trennung nicht befreundet sein kann? Nicht immer muss es mit Rosenkrieg enden, wenn die Lebenswege auseinanderdriften. Nicht immer endet auch die Liebe mit dem gemeinsamen Alltag. Und manchmal merkt man erst, was man hat, wenn es nicht mehr da ist.

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(500) Days of Summer (2009)

Tom Hansons (Joseph Gordon-Levitt) Traumfrau Summer Finn (Zooey Deschanel)  glaubt nicht an die Liebe und vertritt die Meinung, dass Beziehungen nur unnötig kompliziert sind. 500 Tage sind die beiden zusammen – und am Ende ruft sich Tom die euphorischen Kicks und die quälenden Tiefpunkte ihrer gemeinsam Zeit ins Gedächtnis.

Realitäts-Check: Auf unkonventionelle (weil achronologische) Weise erzählt diese kluge Rom-Com vom Verfall einer Liebe und geht dabei auf einfühlsame Spurensuche: Was ist der Grund dafür, dass manche Menschen einfach nicht zusammen kommen? Bleiben? Gehören? Liegt es an den äußeren Umständen oder doch an einem selbst? Liebt man die Person wirklich – oder nur die Vorstellung von ihr? 

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Blau ist eine warme Farbe (2013)

Die bisexuelle und von der Liebe frustrierte 15-jährige Adéle (Adèle Exarchopoulos) trifft eines Tages auf die rebellische, blauhaarige Kunststudentin Emma (Léa Seydoux). Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander, besonders Adéle ist ihrer Freundin vollkommen verfallen, umgekehrt wird Adéle zu Emmas Muse. Kompliziert wird es, als Eifersucht und das Leben ins Spiel kommen ...

Realitäts-Check: Eifersucht und besitzergreifendes Verhalten sind einer der häufigsten Gründe, wieso Beziehungen in die Brüche gehen. Dann ist vom emotionalen Feuerwerk plötzlich nicht mehr viel da, das bis dahin so lichterloh und in allen Farben gebrannt hat. Und wenn der Alltag einkehrt, ist irgendwann nicht mal mehr eine Stichflamme übrig. Der Film zeigt aber auch, wie sinnlich und hoch erotisch Liebe ist.

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Liebe (2012)

Georg (Jean-Louis Trintignant) und Anna (Emmanuelle Riva) sind seit einer gefühlten Ewigkeit verheiratet. Beide lieben die Hochkultur und genießen ihren Ruhestand. Doch ihre Beziehung wird einer harten Probe unterstellt, als Anna einen Schlaganfall erleidet und zum Pflegefall wird.

Realitäts-Check: Die Wenigsten können sich vorstellen, was es heißt, mit dem/der PartnerIn wirklich durch "dick und dünn", durch "gute und schlechte Zeiten" zu gehen. Und die Wenigsten denken daran, dass Liebe keine Konstante ist, sondern sich ständig verändert, vor allem im Alter zeichnet sich die Welt um einen herum oftmals völlig neu. Michael Hanekes herzzerreißender Film macht einmal mehr klar, dass es eben doch Sinn macht, den langen Weg durchs Leben gemeinsam zu gehen.

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Blue Valentine (2010)

Sechs Jahre lag waren Cindy (Michelle Williams) und Dean (Ryan Gosling) verheiratet. Romantik und Leidenschaft sind schleichender Ernüchterung gewichen. Der Alltag des Ehepaares wird von banalen Streits, Resignation und Abstoßung bestimmt, von der anfänglichen Leichtigkeit ist nichts übrig geblieben. Cindy und Dean geben ihrer Ehe aber noch eine letzte Chance und mieten sich für eine Nacht in einem Motel ein ...

Realitäts-Check: Manchmal hat Beenden nichts mit Resignation zu tun: "Blue Valentine" ist ein leiser, aber intensiver Schwanengesang einer zerbrochenen Liebe, ohne Pathos, dafür mit sehr viel Realität. Williams und Gosling spielen sich als Ehepaar, das sich von seinem ursprünglichen Ideal entfernt hat, die Seele aus dem Leib.

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Call me by your name (2017)

Der belesene 17-jährige Elio Perlman (Timothée Chalamet) genießt den norditalienischen Sommer des Jahres 1983 in der alten Villa der Familie in vollen Zügen.  Eines Tages trifft der 24-jährige amerikanische Doktorand Oliver (Armie Hammer) in der Villa ein. Die beiden entdecken die berauschende Schönheit aufblühenden Verlangens im Verlauf eines Sommers, der ihre Leben für immer verändern wird.

Realitäts-Check: Dass heiße Sommermonate unsere Hormone in Wallung bringen, kennt wohl jeder von uns. Dass aus der Ferienbekanntschaft die ganz große Liebe werden hätte können, wenn das Leben anders wäre, als es nun mal ist, auch. In "Call me by your name" ist selbst der schüchternste Blick mit größter Erotik aufgeladen. Hier wird Sinnlichkeit zur Kunstform erhoben.

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La La Land (2016)

Mia (Emma Stone) möchte unbedingt Schauspielerin werden. Als sie auf den aufstrebenden Jazz-Musiker Sebastian (Ryan Gosling) trifft, versuchen die beiden ihr sowohl berufliches als auch privates Glück gemeinsam in Hollywood. Doch auf dem Weg zum Erfolg muss das ambitionierte Paar Entscheidungen treffen, die ihre junge Liebe gefährden ...

Realitäts-Check: Trotz Musical-Genre finden wir uns in der Liebesgeschichte zwischen Mia und Sebastian wieder: Träume und Realität, Beziehung und Beruf lassen sich nicht immer vereinen, auch wenn die Liebe noch so groß ist. Und nicht immer ist man bereit, die eigene Karriere für den/die PartnerIn hintenanzustellen. Was dann bleibt, sind nur noch die Erinnerungen ...

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Zeiten des Aufruhrs (2008)

April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) haben mit der Prüderie der 1950er nicht viel am Hut – zumindest sind sie davon fest überzeugt. Doch dann holt die Wirklichkeit sie ein, April wird schwanger, die beiden ziehen aufs Land und bald schon führen sie jene Art von (Ehe-)Leben, das sie doch eigentlich immer so sehr verachteten. Ihre Hoffnung: Mit einem Umzug nach Europa wird alles besser ...

Realitäts-Check: Eine beklemmende Geschichte über den tristen Alltag, Kompromisse, Selbsttäuschungen, Träume, Eitelkeiten und Hoffnungen. Über den ungehörten Schrei nach Leben und die Diskrepanz zwischen Gestern, Heute und Morgen. Manchmal ist Liebe einfach nicht genug.

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