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06/07/2021

Die 12 besten queeren Filme auf Netflix

Diese abwechslungsreichen und vielschichtigen Filme auf Netflix bewegen sich außerhalb der heteronormativen Matrix.

von Manuel Simbürger

Wir alle lieben Geschichten. Geschichten sind der Treibstoff unseres Lebens, sie bewahren uns vorm seelischen Verfall. Umso wichtiger ist es daher, dass es Geschichten gibt, die Menschen zeigen, die so sind wie ich. Und du. Die die Bevölkerung in all ihren Farben, Unterschieden und Nuancen abbilden. Geschichten, die für Sichtbarkeit von gesellschaftlichen Minderheiten sorgen.

Sichtbarkeit in Medien, besonders in Filmen und Serien, kann Leben retten. Weil die Person vorm Bildschirm oder vor der Leinwand plötzlich weiß: Ich bin nicht alleine. Es gibt andere Menschen, die sind so wie ich. Es ist okay, wie ich bin. Ich habe einen Platz in der Gesellschaft. In der Welt. Weil, das haben wir erst kürzlich von Meghan Markle gelernt: "Was du sehen kannst, kannst du auch sein."

Sogenannte queere Filme – also Filme, die sich mit LGBTIQ-Themen auf welche Art auch immer befassen – haben oftmals den Vorteil, nicht in der heteronormativen Welt des Mainstreams gefangen zu sein. Queere Filme wissen: Zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit gibt es ein großes Spektrum. Zwischen Homo- und Heterosexualität gibt es Abstufungen, Sexualität an sich ist nicht mehr als ein gesellschaftliches Konstrukt. Gender ist performativ und Diversität notwendig, wenn eine Gesellschaft nicht bloß überleben, sondern sich auch weiterentwickeln möchte.

Netflix hat die Macht von Queerness erkannt und bietet gar eine eigene "queere Kategorie" an – und zwar mit den schönen und treffenden Worten: "Liebe bleibt Liebe. Drama bleibt Drama. Comedy bleibt Comedy. Hier werden homo- und bisexuelle sowie Transgender- und Queer-Storys gefeiert." Oder auch: "Geschichten der Liebe, des Muts, des Liebeskummers und der Hoffnung: Diese Kollektion vielschichtiger Filme mit Fokus auf die LGBTIQ-Gemeinde bietet jedem etwas."

Das sind die Top 12 der LGBTIQ-Filme auf Netflix:

Mario (2018)

Die Schweizer Produktion unter der Regie von Marcel Gisler handelt von der Liebe zwischen zwei deutschen Fußballern. Daraus hätte ein großes politisches Statement werden können, das laut Gesellschaftskritik übt und mit Fahnen und Trompeten die immer noch existente Homophobie im Profi-Sport anprangert. All das ist "Mario" nicht geworden – und das ist gut so!

Im Fokus stehen keine Parolen, sondern die tiefen, nuancen-reichen Gefühle der Protagonisten. Angenehm unaufgeregt und wertfrei, dafür aber umso eindringlicher, authentischer und nachwirkender erzählt der Film von Mario (grandios: Max Hubacher) und Leon (stark: Aaron Alteras), die in einer Welt, in der toxische Männlichkeit regiert, Mann-Sein für sich neu definieren. Die Wucht, die der Film entwickelt, kommt aus der Stille. 

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King Cobra (2016)

"King Cobra" ist kein cineastisches Meisterwerk für die Ewigkeit. Will es auch nicht sein. Vielmehr geht es Regisseur Justin Kelly um einen Blick hinter die Pornokulissen, der ständig zwischen Lüsternheit, Satire, Melodram, Düsterheit, Lockerheit, Humor, Abscheu und Faszination oszilliert – und dabei den realen Gefühlen beim Pornokonsum sehr nahe kommt. Queere "guilty pleasure"-Unterhaltung sozusagen.

Es geht um die Geschichte des realen schwulen Porno-Stars Brent Corrigan, der bereits mit 17 seinen ersten Film drehte und der wenig später in einen Mord verwickelt wird. Trotz großer Namen (James Franco, Christian Slater, Alicia Silverstone und Garrett Clayton) verströmt der Film Underground-Flair, was zur Thematik durchaus passt. Unterhaltend und gerade so viel dreckig, dass man beim nächsten Schäferstündchen mit sich alleine zwar zum Reflektieren, aber nicht zu einem (allzu großen) schlechten Gewissen angeregt wird. 

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Holding The Man (2015)

Basierend auf der Autobiographie von Timothy Conigrave erzählt dieses australische Drama von zwei Jungs, die sich Mitte der 1970er-Jahre ineinander verlieben. Trotz zahlreicher Hürden finden sie zusammen. Nach 15 Jahren aber wird deren Beziehung auf eine sehr harte und ultimative Probe gestellt.

Trotz deutlich inszenatorischer Mängel weiß "Holding the Man" zu berühren und eine Bindung zwischen Zuseher*in und den beiden Protagonisten herzustellen. Vor allem aber lebt der Film von der überzeugenden gefühlvollen Darstellung der Hauptdarsteller.

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Elisa und Marcela (2019)

Auch dieser Film basiert auf wahren Begebenheiten: In eleganten Schwarz-Weiß-Bildern erzählt die spanische Regisseurin Isabel Coixet die große Liebe zwischen Elisa Sánchez Loriga und Marcela Gracia Ibeas Ende des 19. Jahrhunderts. Elisa gibt sich als Mann aus, um Marcela heiraten zu können. Die Hochzeit findet tatsächlich am 8. Juni 1901 statt und ist streng genommen die erste gleichgeschlechtliche Eheschließung in Spanien. Der "Betrug" der beiden Frauen fliegt zwar später auf, die Kirche löst die Ehe aber nicht auf. Trotzdem befanden sich Elisa und Marcela daraufhin viele Jahre auf der Flucht, was ihre Liebe aber nur noch mehr stärkte.

Die Netflix-Eigenproduktion hätte zwar durchaus mehr Tiefe und zuweilen auch Ehrgeiz vertragen, geht aber trotzdem ans Herz und rückt vor allem eine Liebesgeschichte in den Fokus, die bisher nur den Wenigsten bekannt war – die aber viel mehr Aufmerksamkeit verdienen würde.

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Disclosure: Hollywoods Bild von Transgender (2020)

Und gleich noch eine Netflix-Produktion: In dieser genauso lehrreichen wie auch unterhaltsamen Dokumentation kommen berühmte Transgender-Personen aus Hollywood (zum Beispiel Laverne Cox und Lilly Wachovski) zu Wort und sprechen über Darstellung und Wahrnehmung von Transgender-Personen in Filmen und TV-Serien. Dabei wird die Filmgeschichte einer queeren Analyse unterzogen und verschiedene (historische) Beispiele gezeigt, von Stummfilmen wie "A Florida Enchantment" bis hin zu Serien wie "Pose" oder "The L-Word". Natürlich wird auch von persönlichen Erfahrungen in der angeblichen Traumfabrik erzählt, wobei auch bei der immer noch tabuisierten Rassismus-Thematik kein Blatt vor den Mund genommen wird.

Eine wichtige Dokumentation, die auf den Spuren des queeren Doku-Klassikers "The Celluloid Closet" wandelt und es schafft, souverän, nachvollziehbar und liebevoll-authentisch schwierige Thematiken einem Mainstream-Publikum näher zu bringen.

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Beach Rats (2017)

Eine düster-realistische und stille Abhandlung von toxischer Männlichkeit, unkonventionell verführerisch mit der verletzlichen Seele eines Poeten, dabei aber stets mit dem authentischen Finger auf die pulsierende Wunde pressend: Das ist "Beach Rats" von Regisseurin Eliza Hittman. Die Geschichte über den 19-jährigen Frankie, hin- und hergerissen zwischen seiner stets kräftemessenden Macho-Clique, der Sehnsucht nach echter Bindung und Anerkennung sowie seinen wahren Gefühlen, ist als dokumentarisch-anmutender Somnambulismus inszeniert, dabei aber stets auf schmerzhafte Brutalität achtend.

Viel gesprochen wird hier höchstens zwischen den Zeilen. Das zurückgenommene, subtile und nuancierte Spiel von Hauptdarsteller Harris Dickinson ist jederzeit on point und lässt tief in die Seele eines desorientierten jungen Mannes blicken, der sich von gesellschaftlichen Männlichkeitsbildern befreien, gleichzeitig ihnen aber auch angehören möchte.

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Duck Butter (2018)

Naima (Alia Shawkat aus "Arrested Development") und Sergio (Laia Costa) sind zwei junge Frauen, die sich eines Abends in einem Club kennenlernen. Sie verbringen die Nacht gemeinsam und beschließen daraufhin, ein sexuelles Experiment – oder besser: ein Intimitäts-Experiment – einzugehen: Im Laufe der folgenden 24 Stunden wollen sie stündlich miteinander Sex haben. Das Experiment allerdings verläuft anders als erwartet, die gegenseitige Anziehung schwindet mehr und mehr.

Bitte nicht vom schrägen Titel abschrecken lassen: "Duck Butter" nähert sich den Themen Intimität, sexuelle Anziehung und emotionale Unehrlichkeiten auf außergewöhnliche Weise an. Die Sexszenen sind mäßig explizit, die Intimität entsteht vielmehr durch die Dialoge der beiden Protagonistinnen sowie die innere emotionale Reise von Naima und Sergio. Das Erfrischendste an "Duck Butter" ist aber (leider), dass Sexualität endlich ausschließlich aus einer weiblichen Perspektive erzählt wird. Nicht perfekte, aber feine Indie-Perle.

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Alex Strangelove (2018)

Es gibt bessere Filme als "Alex Strangelove". Filme, die lustiger sind, in denen bessere Schauspieler*innen mitspielen und deren Drehbücher überzeugender sind. Trotzdem sticht "Alex Strangelove" unter den Netflix-Originalen heraus: Sie ist nämlich die einzige hauseigene Teen-Rom-Com mit LGBTIQ-Fokus und hat so ein großes Herz, dass man manchmal Sorge hat, es könnte explodieren.

Die Geschichte von Alex Truelove (Daniel Doheny), der vor dem Highschool-Abschluss unbedingt noch seine Jungfräulichkeit verlieren möchte, lässt uns natürlich unwillkürlich an den Teen-Schmonzetten-Klassiker "American Pie" denken. So frech ist "Alex Strangelove" zwar in keiner Sekunde, der Humor ist ungefährlich. Dafür erzählt der Film die bekannten Irrungen aus einem queeren Blickwinkel.

Komplizierter als ohnehin schon wird die Sache nämlich, als Elliot (Antonio Marziale) auftaucht, der sympathisch, süß und noch dazu gutaussehend ist (so könnte man übrigens auch den Film selbst bezeichnen!). Unerwartet erlebt Alex eine wilde Achterbahnfahrt der sexuellen Identität und geht zugleich auf humorvolle und bewegende Entdeckungsreise in Sachen Liebe und Freundschaft.  Produziert unter anderem von Ben Stiller.

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The Danish Girl (2015)

Die Oscar-prämierte Hollywood-Produktion setzt der intersexuellen Malerin Lili Elbe ein würdiges, wenn auch etwas glattpoliertes Film-Denkmal. Elbe war eine der ersten intersexuellen Menschen, die sich in Deutschland Anfang der 1930er-Jahre einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen. Eddie Redmayne bemüht sich sichtlich, seinem realen Vorbild mit größtem Respekt zu begegnen, was ihm auch durch die Bank gelingt: Er lässt uns Zuseher*innen an der äußerlichen, aber auch innerlichen Veränderung von Einar (so Lilis Geburtsname) aus nächster Nähe teilhaben und geht vollkommen in seiner Rolle auf.

Auch wenn sich "The Danish Girl" mitunter große dramaturgische Freiheiten nimmt (zum Beispiel das Hollywood-typische Happy End betreffend), schmälert das nicht seine wichtige Message über Toleranz, Selbstbestimmtheit und die große Liebe, die nicht immer mit sexuellem Begehren einhergehen muss. 

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God's Own Country (2017)

Regisseur und Drehbuchautor Francis Lee liefert mit "God's Own Country" die britische Antwort auf "Brokeback Mountain": Umgeben von einer scheinbar endlosen und überaus kargen Landschaft entdecken der junge Schafzüchter Johnny (Josh O’Connor, der aktuell mit "The Crown" große Erfolge feiert) und der rumänische Wanderarbeiter Gheorghe (Alec Secăreanu) ihre innigen, tiefgreifenden Gefühle füreinander.

Statt wilder Romantik fängt Regisseur Francis Lee die raue Sexualität zwischen den noch raueren Männern mit kühlem, fast distanziertem Kamera-Blick ein, die ganz großen Gefühle werden eher durch die wunderschönen Landschaftsaufnahmen transportiert. Das unterstreicht alles Unausgesprochene in den Seelen von Johnny und Gheorghe noch zusätzlich. Wir sehen reale Menschen in realem Setting. Das tut manchmal weh, bringt uns aber unserer eigenen Menschlichkeit wieder ein Stück näher.

Die Liebe zwischen den zwei Männern wird überraschend und wohltuend als völlig selbstverständlich inszeniert, mehr noch: die Verbindung hilft ihnen zu überleben. "God's Own Country" ist still, verletzlich und zerbrechlich, aber genau deshalb so stark. Zurecht mehrfach ausgezeichnet! 

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A Secret Love (2020)

Dieser Dokumentarfilm erzählt die Lebens- und Liebesgeschichte der ehemaligen Profi-Baseballspielerin Terry Donahue und ihrer Partnerin Pat Henschel, die beinahe 70 Jahre zusammenlebten, bevor sie sich zu einem Coming-Out innerhalb ihrer Familien entschlossen. 

Ein Leben im Geheimen, ein Leben des Versteckens: "A Secret Love" berührt und hält sich in seiner Erzählung und Darstellung angenehm zurück. Manche Fragen bleiben zwar unbeantwortet, aber man baut sehr schnell eine emotionale Verbindung zu Terry und Pat auf, die am Ende im Altersheim sogar heiraten dürfen. Gemeinsam, wie mit der geliebten Oma, blättern wir mit ihnen in Fotoalben und reisen in eine Zeit, in der nicht geliebt werden durfte, wer geliebt wurde.

"A Secret Love" ist deshalb nicht nur eine bewegende Liebesgeschichte, sondern auch ein wichtiges Zeitdokument, das einmal mehr belegt, dass mitunter Regeln dafür da sind, gebrochen zu werden. Als Produzent fungiert (auch) Ryan Murphy.

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Der Staat gegen Fritz Bauer (2015)

Fritz Bauer war deutscher Generalstaatsanwalt in den 1950er-Jahren. Sein Hauptanliegen: die deutsche Justiz von Nazis zu befreien. So gelang es Bauer unter großen Risiken, Adolf Eichmann, früherer SS-Obersturmbannführer und einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher weltweit, aufzuspüren, festzunehmen und anzuklagen. Bauer selbst war jüdischer Herkunft, vertrat eine politisch linke Weltanschauung – und war heimlich schwul. Letzteres ist zwar bis heute nicht bewiesen, aber ein großer Teil des mehrfach preisgekörnten Films von Regisseur Lars Kraume konzentriert sich genau darauf. 

Burghart Klaußner gibt Bauer mit einer solch erschreckenden und intensiven Authentizität, dass Realität und Fiktion in "Der Staat gegen Fritz Bauer" immer wieder zu verschwimmen drohen. Selbiges gilt für die Handlung, denn diese beruht weitgehend auf historischen Fakten: Authentizität und Glaubwürdigkeit sind neben Klaußner die Hauptdarstellerinnen im Film. Dass Bauers Homosexualität als fix belegt behandelt wird, stört nicht, im Gegenteil: Es verleiht dem ohnehin kraftvollem Gerichts-Drama zusätzliche Tiefe und Spannung. 

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