Tristana

 F/I/E 1970
Drama 100 min.
7.60
Tristana

Die Rache eines schönen, einbeinigen Mündels (Catherine Deneuve) an seinem Vormund (Fernando Rey).

Ein Werk von lapidarer Härte und asketischer Einfachheit. Allwaltende Vieldeutigkeit: in Gefühlen, Personen, Bedeutungen. Quer zur Ökonomie des Stils arbeitend: Träume und Widersprüche. Tristana, angesiedelt in der Ödnis einer Provinzstadt nach der Jahrhundertwende (die Zeit von Buñuels Jugend), erzählt von der Rache eines schönen, einbeinigen Mündels (Catherine Deneuve) an seinem Vormund (Fernando Rey), der es zu seiner Frau gemacht hat. Und dann der Umschlag der Rollen, die Umkehr der Macht. Doppelte Perversion, doppeltes Scheitern. Und jeder der erotischen Widersacher ist gleichsam Teil von Buñuels Alter Ego. Dennoch werden Moral und Sympathie, Sinn und Katharsis der Tragödie auf Distanz gehalten. Nichts, das Buñuel mehr verachtet als Verständlichkeit. Unüberbrückbare Kälte des Blicks, dessen Ziel es ist, das Rätsel der Welt und der Menschen als Rätsel offen zu halten. (H.T.)

(Text: Österreichisches Filmmuseum)

Details

Catherine Deneuve, Fernando Rey, Franco Nero, Lola Gaos, Jesús Fernández
Luis Buñuel
José F. Aguayo
Julio Alejandro, Luis Buñuel

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Späte Rache
    Luis Bunuel zeigt eine engstirnige, verlogene Gesellschaft, in der ein sündiges Verhältnis legalisiert wird. Der alte Lüstling Don Lope (Fernando Rey) ist für Tristana (Catherine Deneuve) Vater, Liebhaber und Vormund. Sie, die Traurige, fügt sich anscheinend in das Unvermeidliche, bis sie den jungen Maler Horacio (Franco Nero) trifft. Sie geht mit ihm fort, erkrankt (Beinamputation) kehrt zu Don Lope zurück (Hochzeit) und bringt ihn um.
    Die Deneuve kann hier ihren unnachahmlichen Blick einsetzen, der zwischen zarter Verstörtheit, unschuldiger Anmut und verträumter Depression liegt. Dabei weht ein leichter Trauerflor um ihre dunklen Wimpern. Ihr zunehmendes Selbstbewusstsein äußert sich in ihrer mürrischen Art, ihre Selbstständigkeit, indem sie dem Stummen – nicht dem Zuschauer - tiefe Einblicke in ihre Weiblichkeit gewährt. Doch die Albträume bleiben.
    Nur der Grusel-Rückblick am Ende in der Wiederholung unterstreicht Bunuels Sehweise für diesen ungewöhnlichen Film. Es ist nicht sein bester, aber Atmosphäre, wortlose Prägnanz sowie die Darsteller beeindrucken allemal.