Trügerische Stille

 USA 2001

The Deep End

Thriller, Krimi 101 min.
6.70
film.at poster

Margaret Hall (Tilda Swinton) lebt in Lake Tahoe, Kalifornien. Sie zieht ihre drei Kinder groß und pflegt ihren alten Schwiegervater, während ihr Mann, ein Marineoffizier, beruflich unterwegs ist.

Margaret Hall (Tilda Swinton) lebt in Lake Tahoe, Kalifornien. Sie zieht ihre drei Kinder groß und pflegt ihren alten Schwiegervater, während ihr Mann, ein Marineoffizier, beruflich unterwegs ist. Ihre Kinder sind ihr Ein und Alles. Als ihr sensibler 17jähriger Sohn Beau (Jonathan Tucker) sich mit Darby Reese (Josh Lucas), einem höchst fragwürdigen Nachtclubbesitzer, einlässt, schreitet sie ein und versucht zu verhindern, dass die beiden einander sehen. Aber ihr Sohn muss seine eigenen Kämpfe führen, und das tut er auch. Darby ertrinkt im See nahe dem Grundstück der Halls. Als Margaret Darbys Leiche entdeckt, reagiert sie instinktiv, um eine mögliche Beteiligung ihres Sohnes zu vertuschen. Sie erledigt die schrecklichsten Dinge, als wären es normale mütterliche Pflichten. Sie ist ganz allein in einem alptraumhaften Geschehen und hat niemanden, dem sie sich anvertrauen kann. Als wäre das alles noch nicht genug, taucht auch noch Alek (Goran Visnjic) auf, ein mysteriöser Fremder, der sie mit einem Videoband, auf dem Beau und Darby zu sehen sind, erpresst. The Deep End, gedreht mit einem beeindruckenden Sinn für Stil, zeigt die wunderbaren Dinge, die passieren können, wenn traditionelles Material sowohl sorgfältig behandelt als auch resolut modernisiert wird. McGehee und Siegel wissen nicht nur, wie bedrohlich die Noir-Elemente Mord und Erpressung werden können, wenn man sie ins helle Sonnenlicht des Mittelklasse-Amerika transferiert, sie wissen auch, wie man die Katastrophe, die sie auslösen, überzeugend darstellt. Der Film basiert auf dem Roman The Blank Wall (1947) von Elisabeth Sanxay Holding. Sie gehörte zu den wenigen Thrillerautoren, die auch Raymond Chandler gelten liess. (Kenneth Turan)Tilda Swintons Intensität wirkt niemals übertrieben. Wir sind uns jederzeit bewusst, wie tief ihre Gefühle sind. Ihre Arbeit ist faszinierend: eine Schauspielerin, die tief in sich selbst gräbt, um eine Frau zu spielen, die die schrecklichsten Dinge tut, damit wieder Ordnung in ihr Leben einkehrt. Ihre Traurigkeit wird verstärkt durch die in ihren Augen ablesbare Erkenntnis, dass gerade das nicht passieren wird. Es bleibt nur die Liebe zu ihrer Familie. In dieser Rolle gibt Swinton ihre beste und nachdrücklichste Darstellung bisher. (Elvis Mitchell)

Details

Tilda Swinton, Goran Visnjic, Jonathan Tucker, Peter Donat, Josh Lucas, Raymond J. Barry, u.a.
Scott McGehee, David Siegel
Peter Nashel
Giles Nuttgens
Scott McGehee, David Siegel nach dem Roman The Blank Wall von Elisabeth Sanxay Holding
Twentieth Century Fox

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • faszinierend *G*
    Das ist einer der Filme bei dem man, wenn man aus dem Kino kommt, nicht weiß was man sagen soll.
    Eine Mutter die alles tut um ihren Sohn zu beschützen und dadurch eine Lawine auslöst,
    an der sie beinahe zerbricht.

    Die Haupdarstellerin spielt ihre Rolle als Mutter ausgezeichnet, vor allem deshalb weil sie sehr gewöhnlich und natürlich wirkt.

    Der Film selbst hat zwar sehr viel tragik, gleichzeitig aber auch einen Schuß Ironie.
    Eine Interessante Mischung.
    Sollte man gesehen haben.

  • Denn sie wissen nicht was sie tun
    Ich muß gestehen, daß ich noch nie zuvor von diesem Film gehört hatte. Doch dieser Film schafftes, ohne viele Worte oder Effekte, eine Story zu erzählen die niemals unrealistisch wirkt. Man kann jede Aktion der Akteure verstehen und nochvollziehen. Dieser Film würde sicher zu größerem Ruhm kommen, wäre er mit bekannteren Schauspielern besetzt. Schade, daß es dieser Film wohl nie in unsere Kinos schaffen wird. PS: Chrishna. Ich weis was du gestern getan hast.

    Re: Denn sie wissen nicht was sie tun
    Also, Tilda Swanton ("Orlando") ist ja nicht gerade unbekannt, und ins Kino wird es der Film im Laufe des Jahres auch schaffen. Im Gegensatz zu vielen anderen VIENNALE-Filmen hat er nämlich bereits einen Verleih.

  • Die dunkle Tiefe der menschlichen Seele
    Eine Frau spaziert an einem See entlang. Es ist noch sehr früh am Morgen, leichte Nebelschwaden hängen über dem Wasser, die aufgehende Sonne hebt die Berge im Hintergrund atemberaubend hervor. Eine unbeschwerte Idylle, in der es sich zu leben lohnt, scheint man zu meinen. Doch dann findet diese Frau plötzlich den leblosen Körper eines Mannes, der ein "sexuelles" Verhältnis mit ihrem 17jährigen Sohn unterhielt. Sie weiß, um dieses Tatsache im Verborgenen zu halten und ihren Sohn zu beschützen, muß sie die Leiche beseitigen. Sie fährt auf den See hinaus und wirft den Toten ins Wasser. Alles scheint wieder seinen normalen Weg zu finden, bis ein paar Tage später ein ihr unbekannter Mann vor ihrem Haus steht und sie mit einem Video, welches ihren Sohn mit dem Toten beim "Liebes"spiel zeigt, um $ 50.000 Dollar erpreßt.
    Hier beginnt die Figur der liebenden Mutter sich zu entwickeln. Sie versucht alles ihr erdenklich Mögliche, um daß Geld aufzutreiben. Ein Unterfangen, welches ihr nicht gelingen wird. Doch vielmehr ist es die emotionale Bindung, die sie als "Opfer" zu dem Erpresser eingeht, die sie menschlicher, den Film wirklicher werden läßt. Ob der Täter nun aus Mitgefühl auf seinen Anteil des Lösegeldes verzichtet oder ihr bei der Reanimation ihres Vaters hilft (vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf Goran Visnjics Rolle in der amerikanischen Krankenhausserie E.R.). Je weiter der Film voranschreitet, desto weniger erscheint der Erpresser als Bösewicht, was er zweifellos auch nicht ist. Sie verwickelt ihn in Gespräche, läßt ihn seine Tat hinterfragen und in die dunklen Tiefen seiner Seele vorzudringen. Doch als er seine Gutherzigkeit entdecken mag, ist es fast schon zu spät. Wenn er am Ende in einem Auto eingeklemmt stirbt, der Frau das Geld zurückgibt und ihr rät, die Dinge der letzten Tage zu vergessen, dann ist es leidlich mitanzusehen, wie die zarten Bande zwischen den Beiden zerbrechen.
    Am Ende liegt sie weinend auf ihrem Bett, ihren 17jährigen Sohn im Arm, der von ihrer Vertuschungsaktion nichts ahnt und während das Bild langsam ins Schwarze übergeht, beginnt man sich zu fragen, ob und wie lange es dauern wird, bis diese Frau vergessen wird.