Unsere Welt war eine schöne Lüge

 USA 1994

Imaginary Crimes

Drama 100 min.
6.60
film.at poster

Ein Mädchen, dessen verantwortungsloser Vater durch windige Geschäfte die Existenz der Familie gefährdet, muss sich gegen alle Widerstände ihren eigenen Weg in die Zukunft erkämpfen.

Ray Weiler (Harvey Keitel) ist ein unverbesserlicher Schwindler, dem trotz aller hochtrabenden Träume im Leben nichts so richtig gelingen will. Konsequenzen aus seinen Niederlagen vermag er jedoch nicht zu ziehen. Gerade wegen seiner extrem unterentwickelten Selbstzweifel gelingt es ihm, andere auch dann noch von seinen abstrusen Geschäftsideen zu überzeugen, wenn das Scheitern schon abzusehen ist. Seiner Familie bleibt das Lachen über seine abenteuerlichen Erfindungen im Hals stecken. Valery, Rays Frau, versucht alles zu verdrängen, indem sie sich ins Solitaire-Spiel versenkt. Sonya, die älteste Tochter (Fairuza Balk), leidet am meisten unter der Situation. Bei aller Liebe zu ihrem Vater erkennt sie nur zu klar, dass er sich in einer Welt des Selbstbetrugs bewegt und dass seine Haltung die Existenz der ganzen Familie aufs Spiel setzt. Schritt für Schritt löst sie sich in einem schmerzvollen Prozess von ihm, da er auch keinerlei Blick für ihre eigenen Bedürfnisse und Talente hat. Als Ray seine Tochter mit D.H. Lawrences "Lady Chatterley's Lovers" erwischt, fällt ihm nichts Besseres ein, als ihr das Buch zu verbieten. Nur ein Lehrer an der Highschool entdeckt die literarischen Qualitäten des Mädchens und gibt ihm die bestärkenden Impulse, die es benötigt. Als die Mutter stirbt und Ray sogar eine Gefängnisstrafe droht, muss Sonya nicht nur für sich, sondern auch für ihre jüngere Schwester Greta Verantwortung übernehmen.

Details

Harvey Keitel, Fairuza Balk, Elizabeth Moss, Kelly Lynch, u.a.
Anthony Drazan

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Papa der Lügner
    Im Mittelpunkt steht das schmerzhafte Erwachsenwerden von Tochter Sonya, (Fairuza-Valmont-Balk) die mit ihrem Vater (Harvey Keitel) und einer kleineren Schwester aufwächst. Der Witwer ist nicht nur ein Träumer und Loser, manche würden ihn einen Blender nennen, sondern auch ein Lügner und Krimineller. Das wird gefühlvoll in dunklen Bildern erzählt. Besonders die Entwicklung, in der Sonya das wahre Gesicht ihres Vaters erkennen muss, wird eindrucksvoll bis an die Tränengrenze geschildert. In ständigen Auseinandersetzungen wirft Sonya ihrem Vater Egoismus und Verlogenheit vor und zwingt ihn am Ende sogar zu einer gewissen Selbsterkenntnis. Der Vater wird sukzessive demontiert und auf seine Mittelmäßigkeit reduziert. Keitel schafft es, ihm seine Würde zu lassen und Balk schwankt gekonnt zwischen der Liebe zum Vater und der sich rasant ändernden Welt, in der er lebt, hin und her. Der Off-Kommentar lehnt sich eng an die autobiographische Vorlage von Sheila Ballantyne an und verleiht den überzeugenden Darstellern eine zusätzliche Qualität. Sonya ist inzwischen literarisch tätig. Von ihr wird die Frage gestellt, ob ein Schwindler zu echter Liebe fähig ist oder nicht? Und über ihren Vater meint sie ‘Er beobachtet seine Träume und sieht, wie sie sich auflösen‘.
    Ernst, ernsthaft und nachdenkenswert.