© Twentieth Century Fox

Filmkritik
10/10/2017

"Captain Underpants": Ein unterbelichteter (und unangezogener) Superheld

Ein strenger Schulleiter verwandelt sich mittels Hypnose in einen dämlichen Superhelden.

George und Harold sehen ein wenig wie jüngere Versionen von Beavis und Butt-Head aus, sind aber keine solchen boshaften Gretzn, sondern beste Freunde, die nicht nur eine Klasse miteinander teilen, sondern auch in der Freizeit ständig zusammen stecken, weil sie in ihrem Baumhaus schräge Comics texten und zeichnen. Eine ihrer Schöpfungen ist die „Superman“-Parodie Captain Underpants, über dessen Abenteuer sie schon etliche Alben vorlegen können. (Der wirkliche Schöpfer heißt allerdings Dav Pilkey, auf dessen herrlich subversiven Kinderbuchreihe diese DreamWorks-Produktion basiert.)

Ein Superheld durch Hypnose

Als der gefürchtet strenge Schulleiter Krupp (Im Original von „Hangover“-Star Ed Helms gesprochen) damit droht, ihre Freundschaft zu zerstören, handeln sie reaktionsschnell und versetzen den Mann mittels eines billigen Plastikrings in Hypnose. Dadurch lösen sie eine folgenschwere Kettenreaktion aus, denn der konservative Spaßverderber nimmt durch ihre Suggestion die Existenz des selten dämlichen Superhelden an, reißt sich die Kleider vom Leib und rennt mit einem kräftigen „Trallalaaa“ in rotem Vorhang-Cape und großer Unterhose durch die Gegend, um seinen Mitmenschen in Notlagen beizustehen, stiftet aber meistens bloß Chaos. Dabei kann man noch froh sein, dass er überhaupt die sauberen Unterhosen anbehalten hat, sonst wäre das kein jugendfreier Film geworden.

Irrwitzige Ideen und gute Synchro

Durch Fingerschnippen und Wasserspritzer kann Mr. Krupp/Captain Underpants praktischerweise an- und abgeschaltet werden, und fortan nimmt das Leben in der Schule einen viel bunteren Verlauf. Wenn da nur nicht der neue Lehrer in Gestalt des wahnsinnigen Erfinders Professor Poopypants wäre, dessen erklärtes Ziel darin besteht, weltweit das Lachen auszurotten. Dafür müsste er zuallererst diesen Film verbieten, in dem eine irrwitzige Idee die andere jagt und es nur so von bissfreudigen Kloschüsseln, radioaktiven Küchenabfällen und verrückten Experimenten wimmelt. Ein großer Dank gebührt obendrein den Verantwortlichen für die deutsche Synchrofassung, denn gerade hier hätte man durch uninspirierte Übersetzungen vieles falsch machen und den Witz-Faktor stark vermindern können.

Neue Elemente

Man sollte es nicht glauben, aber an dieser Schule kann man tatsächlich noch etwas lernen: in einer Chemiestunde ist nämlich vom bisher gänzlich unbekannten Element Langweilium die Rede. Der Film selbst hat das Periodensystem jedoch durch einen Überschuss an Spaßhabium bereichert und sein Untertitel macht Hoffnung darauf, dass bald ein supertoller zweiter Teil folgen wird.

8 von 10 quietschvergnügten „Trallalaaa“s

franco schedl