Das Schmuckstück

 F 2010

Potiche

Komödie 25.03.2011 104 min.
6.40
Das Schmuckstück

François Ozon benötigt nicht immer "8 Frauen", um erfolgreich zu sein: diesmal kommt er mit Catherine Deneuve alleine aus und erzählt die Geschichte einer Emanzipation, angesiedelt 1977 in der französischen Provinz.

Madame Suzanne, Gattin des Regenschirmfabrikanten Pujol, fühlt sich vernachlässigt. Sie vergleicht sich mit einer "Potiche", einer Porzellanvase, die keinerlei Funktion hat und nur hübsch anzuschauen ist. Auch Pujol sieht in Suzanne lediglich ein dekoratives Schmuckstück. Viel lieber vergnügt er sich mit seiner Geliebten oder im Nachtclub, beutet die Arbeiter in seiner Fabrik nach Kräften aus und fühlt sich ganz wie ein Grandseigneur. Doch das Spiel hat ein jähes Ende, als Pujol einen Herzanfall erleidet. Suzanne übernimmt kurzerhand die Leitung der Fabrik, verordnet Wohlstand für alle und verbündet sich mit dem örtlichen Abgeordneten der kommunistischen Partei, Monsieur Babin. Und schon bricht die künstlich errichtete, wunderschöne Fassade zusammen. Zwar entpuppt sich Suzanne als die bessere Chefin, doch was Suzanne und ihr Sohn aus der Firma machen, darf nicht sein.

Spätestens nach dem triumphalen Start in Frankreich und dem Publikumserfolg auf den Filmfestivals in Venedig und Toronto ist klar: Mit DAS SCHMUCKSTÜCK, seinem 13. Film, wird François Ozon an den internationalen Erfolg seiner "8 Frauen" anknüpfen. Bei ihrer Verwandlung vom dekorativen Heimchen in die politisch aktive Powerfrau läuft Catherine Deneuve zu komödiantischer Hochform auf. Als Gegenspieler sorgen Fabrice Luchini als cholerischer Kapitalist und Gérard Depardieu als sentimentaler kommunistischer Bürgermeister für überraschende Tiefschläge, Tanzeinlagen und Schicksalswendungen. Ozon belebt die patriarchalische Gesellschaft der Siebziger Jahre liebevoll ironisch mit Kostümen, Farben, Ausstattung und französischen Chansons. In den spritzigen Dialogen nimmt die Komödie auch den heutigen französischen Politzirkus und den Präsidenten aufs Korn und gibt der Farce von der Revanche einer Frau eine bissige Aktualität.

Details

Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini u.a.
François Ozon
Philippe Rombi
Yorick Le Saux
François Ozon
Filmladen

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken

  • Die Verwandlung
    Francois Ozon hat eine erfrischende Emanzipationskomödie gemacht und das zugrunde liegende Theaterstück ganz auf Catherine Deneuve als Madame Pujol zugeschnitten. Neben ihr sorgen zwei Superstars Gérard Depardieu als Bürgermeister Babin und Fabrice Luchini als Monsieur Pujol für genügend ernsthafte Komik, die bisweilen italienische Ausmaße annimmt. Sie werden vom darstellerischen Umfeld u.a. mit Karin Viard (Nadège) und Judith Godrèche (Tochter Joelle) voll unterstützt.
    Madame Pujol mausert sich von einem echten Schmuckstück (Originaltitel), das für Enkel, Garten und Gedichte lebt, zu einer erfolgreichen Managerin, die als Krönung sogar den Weg in die Politik schafft. Ihr Ehemann wird zum neuen Schmuckstück. Der schwungvolle Witz und besonders der Charme der Deneuve überdecken die Klischees und machen sie erträglich. Für Insider enthält die Rolle des reaktionären Monsieur Pujol Elemente, die auf Sarkozy hinweisen. (‘Wenn die Arbeiter mehr Geld wollen, sollen sie auch mehr arbeiten.‘)
    Die Verneigung vor der Deneuve enthält nicht nur durch ihre an sich seltene Gesangseinlage, sondern auch durch die Tatsache, dass ihre Fabrik ‘Regenschirme‘ produziert, liebevolle Hinweise an ihren Karrierebeginn in Cherbourg. Ihre deutsche Synchronstimme stammt von Senta Berger.
    Romantische Retros, als Madame noch etwas mit dem Bürgermeister hatte, sowie Vermutungen über ein gemeinsames Kind, verschönern die französische Note. Auch der Spagat zwischen Business und Familienstrategie, Aufsichtsratsmehrheit und Streik bleibt stets leicht und locker. Amüsante Unterhaltung.