Der Rote Kakadu

 D 2005
Drama 04.08.2006 129 min.
6.80
Der Rote Kakadu

Eine Liebesgeschichte im Sommer 1961: authentisch und voller Leidenschaft wird vom Lebensgefühl der Jugend in der damaligen DDR erzählt.

Im Frühjahr des Jahres 1961 kommt Siggi nach Dresden. Hals über Kopf verliebt er sich in die junge Dichterin Luise. Über sie lernt er nicht nur das berüchtigte Tanzlokal "Roter Kakadu" kennen, sondern auch den lebenslustigen Wolle, ihren Ehemann.
Siggi schließt Freundschaft mit Wolle und taucht ein in eine neue, faszinierende Welt. Doch die unbeschwerten Abende im "Roten Kakadu" sind gezählt: Wolle wird verhaftet und plötzlich muss Siggi um Luise und seine Zukunft kämpfen ...

DER ROTE KAKADU von Dominik Graf erzählt eine Liebesgeschichte im Sommer 1961, dem Jahr des Berliner Mauerbaus. Lebenshunger, Liebe, Rock'n'Roll - und nicht zuletzt die legendäre Dresdner "Kakadu- Bar" stehen im Mittelpunkt des Films, der authentisch und voller Leidenschaft vom Lebensgefühl der Jugend in der damaligen DDR erzählt.

KRITIK

Nachdem die filmische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit eine wahre Ostalgie-Welle ausgelöst hatte, versucht sich nun auch Dominik Graf am Retro-Chic. Angesiedelt hat er seinen Film in Dresden 1961. Aufgehängt an einer zarten Liebesgeschichte lässt er den Alltag im Realsozialismus der DDR Revue passieren.

Sex, Drugs & Rock'n' Roll ist auch in Dresden das Leitmotiv der Jugend. Getanzt wird zu "Jailhouse Rock", ein Titel der die Lebensumstände der jungen Ostdeutschen nur zu gut widerspiegelt. Sicher, man kann auch im Überwachungsstaat Spaß haben, nur sollte man aufpassen mit wem man sich zeigt. Alkoholgetränkte Nächte im Hotel können gefährlich werden, wenn man dabei von der Parteilinie abweicht. Spitzel sind überall. Die Volkspolizei konfisziert Beatplatten.

Auch wenn der Regisseur den Alltag in seiner unbequemen Realität zeigt, dümpelt die Geschichte an der Oberfläche. Nie taucht man wirklich ein in die Tiefen des Humors, die Staatsgewalt wird durch billige Effekthascherei (prügelnde und schießende Volkspolizei) verdeutlicht.

Auch die aufkeimende Liebe zwischen Siggi und Luise wird zu zögerlich erzählt. Man vermisst einen Soundtrack der die Handlung vorantreibt und eine gewisse Lockerheit der Erzählung. Längen machen sich bemerkbar. Trotzdem zieht es einen immer wieder hinein in die Geschichte eines Sommers, den Versuch eine unbeschwerte Jugend zu leben und die Frau der Träume für sich zu gewinnen. Was so und so nicht immer leicht fällt, wird unter den Einschränkungen des DDR-Staats zur Mutprobe.

Grafs Film ist eine Abrechung mit dem Ministerium für Staatsicherheit, mit den DDR-Bonzen und der Politik des Ostens. Durch das Misstrauen, das die Stasi sät, zerbrechen Freundschaften, die Mauer steht zwischen Beziehungen. Wer es "rüber macht" in den Westen, ist oft allein. Mein Herz ist im Osten, die Freiheit im Westen - so ähnlich könnte man die Geschichte betiteln, wäre es ein Schlager. Doch dann würde er konfisziert. "Freundschaft!"

(Judith Gruber)

Details

Max Riemelt, Jessica Schwarz, Ronald Zehrfeld, Ingeborg Westphal, Devid Striesow, Kathrin Angerer u.a.
Dominik Graf
Karin Aström, Michael Klier
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