Filmkritik: "21 Bridges" (2020)

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Filmkritik
01/31/2020

"21 Bridges": Der Panther auf Verbrecherjagd im urbanen Dschungel

Chadwick Boseman ("Black Panther") hat in diesem rasanten Actionfilm nur eine Nacht, um zwei Cop-Killer zu schnappen.

von Erwin Schotzger

Eigentlich hätte es ein schneller Coup werden sollen: Rein und mit 30 Kilo feinstem Kokain wieder raus. Doch bei dem Raubüberfall kurz vor Mitternacht läuft nichts, wie es laufen soll. Statt 30 sind 300 Kilogramm Koks im Tresor und plötzlich klopft auch noch die Polizei an die Tür. Die Lage eskaliert. Kurz danach sind sieben New Yorker Polizisten tot und die beiden Ex-Soldaten Ray (Taylor Kitsch) und Michael (Stephan James) mit 50 Kilo Kokain auf der Flucht durch die Stadt, die niemals schläft.

Mit Vollgas durch die Nacht 

"Das war entweder dämliches Glück oder ein abgekartetes Spiel", soviel ist dem NYPD-Detective Andre Davis (Chadwick Boseman, bekannt als Marvel's "Black Panther") sofort klar als er kurz nach Mitternacht am Tatort eintrifft. Bei der New Yorker Polizei (NYPD) ist er dafür bekannt, nicht lange zu fackeln. Sein Vater, ebenfalls Polizist, wurde im Dienst getötet. Seine Einsätze enden oft mit einem Gangster im Sarg, getötet im Zuge seiner Selbstverteidigung. Von Reue keine Spur. So ist der Job. Davis ist Polizist mit Leib und Seele und glaubt daran, das Richtige zu tun.

Bei diesem Fall stärkt ihm die gesamte New Yorker Polizei den Rücken. Es geht schließlich darum, zwei Cop-Killer zu fassen.

Der hochdekorierte Captain McKenna (J.K. Simmons) stellt Davis seine beste Ermittlerin Frankie Burns (Sienna Miller) zur Seite. Denn die toten Polizisten stammen alle aus seiner Einheit.

Als klar wird, dass die Flüchtigen in Manhattan sind, wird die Insel abgeriegelt: alle 21 Brücken, sämtliche Tunnels, Fähren und U-Bahnen. Davis bleibt die Nacht bis morgens um 5 Uhr, um die beiden Cop-Killer zu schnappen.

Temporeicher Actionthriller, der alles richtigmacht

"21 Bridges" erfindet das Rad nicht neu. Die beinahe klassische Crime-Story folgt gewissen Mustern, die Krimi-Fans wohl schnell durchschauen werden. Doch es geht nicht um die Aufklärung des Kriminalfalles oder eine überraschende Wendung (obwohl es sie gibt). Vielmehr setzt Regisseur Brian Kirk ("Game of Thrones", "Penny Dreadful") auf die imposante Inszenierung der nächtlichen Verbrecherjagd durch Manhattan. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich. Kaum geht Davis ein Licht auf, erhöht sich das Tempo. Um zwischendurch Luft zu holen, bleibt wenig Zeit.

Hinzu kommt die hervorragende Besetzung: Chadwick Boseman kann hier mehr von seinem Talent zeigen als in "Black Panther", wo eher Spezialeffekte, Ausstattung und Bühnenbild die Hauptrollen gespielt haben. Sienna Miller ("American Sniper") überzeugt als beigestellte Partnerin von Boseman ebenso wie Taylor Kitsch ("True Detective", "John Carter") und Stephan James ("Beale Street", Homecoming") als die Gangster auf der Flucht. Über die Performance von Oscar-Preisträger J.K. Simmons ("Whiplash") muss man ohnedies kein Wort verlieren.

"21 Bridges" ist eine erfrischend konventionelle Crime-Story, die als atemberaubende Verbrecherjagd durch das nächtliche New York in Szene gesetzt wird. Ähnlichkeiten mit "Heat" (1995), dem kultigen Crime-Thriller von Michael Mann, sind nicht von der Hand zu weisen.

 

Alle 21 Brücken nach Manhatten sind gesperrt. Auf der abgeriegelten Insel jagt ein Polizist, dessen Vater im Polizeidienst getötet wurde, zwei Cop-Killer. Er hat nur eine Nacht Zeit, sie zu schnappen.