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Filmkritik
10/21/2019

„After the Wedding“: Weltretterin um jeden Preis

Das Remake des dänischen Oscar-Hits thematisiert die soziale Verantwortung der amerikanischen Oberschicht.

von Oezguer Anil

Isabel (Michelle Williams) führt einen täglichen Kampf um das Fortbestehen ihres Waisenhauses in Kalkutta. Als ein großzügiges Spendenangebot einer amerikanischen Firma am Tisch liegt, fliegt sie nach New York, um die Einzelheiten zu klären. Die Firmenchefin Theresa (Julianne Moore) steckt mitten in den Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Tochter (Abby Quinn) und lädt Isabel zu den Feierlichkeiten ein, um sie und ihr Projekt besser kennenzulernen. In der Welt der Reichen und Schönen wird Isabel mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, vor der sie sich seit Jahren versteckt hat.

Importierte Qualität

Diese Art von intimen Charakterstudien werden in Hollywood durch den Sequel- und Prequel-Wahn immer mehr an den Rand gedrängt, weshalb Produzenten und DarstellerInnen sich immer mehr an erfolgreichen ausländischen Produktionen orientieren. „After the Wedding“ ist ein Remake des Oscar-nominierten dänischen Familiendramas aus dem Jahr 2006. Regisseurin Susanne Bier war zwar diesmal nicht am Projekt beteiligt, aber schaffte den Sprung über den Atlantik bereits mit ihrem Netflix-Erfolg „Bird Box“.

Oscar-Chancen

Die treibende Kraft der Geschichte sind die starken weiblichen Hauptfiguren. Julianne Moore und Michelle Williams müssen niemanden mehr von ihrem Talent überzeugen, aber zeigen auch hier nochmal ihr Können. Moore war neben ihrer Rolle als Hauptdarstellerin auch als Produzentin am Projekt beteiligt und auch wenn das Drama keine Nominierung als bester Film bei den Oscars bekommen dürfte, scheinen eine Nominierung für Moore und Williams durchaus realistisch.

Unvorhersehbar

Die Handlung ist komplex aufgebaut und überrascht den Zuseher in klassischer Myster-Manier durch die vielen unerwarteten Wendungen. Diese dramaturgischen Umbrüche sind zwar immer unerwartet aber niemals unglaubwürdig, da sie wohl überlegt sind und sich logisch in den Gesamtkontext der Erzählung einfügen. Der Versuch, die noblen New Yorker Partys in Kontrast mit dem Elend in Kalkutta zu setzen, scheitert jedoch. Die in Indien spielenden Szenen wirken leblos und überhastet, man bekommt weder ein Gefühl für den Ort noch für die Menschen, die dort leben, das Waisenhaus wird hier als reine Hintergrundinformation eingesetzt.

Für Alt und Jung

After the Wedding“ ist ein berührendes Drama, das generationenübergreifend funktioniert. Trotz der vielen Wendungen ist die Handlung leicht verständlich und dürfte auch bei einem nicht kinoaffinen Publikum für große Emotionen sorgen.

Das US-Remake des gleichnamigen Films der Dänin Susanne Bier von 2006, das die Regisseurin selber realisiert hat.