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Filmkritik
07/31/2019

"Benjamin Blümchen": Mit einem langen Rüssel gegen Frau Zack

Der erste Kinoauftritt des berühmten Elefanten wirkt eher verstaubt und schreckt durch Overacting der menschlichen Darsteller ab.

von Franco Schedl

Ein modebewusster Elefant, der den aufrechten Gang gelernt hat und die menschliche Sprache sowieso perfekt beherrscht -  vielleicht ist er auch noch der Erfinder des Blümchenkaffees: so kennen wir alle Benjamin Blümchen. Nun ist es dem Helden von langjährigen Hörspiel- + Zeichentrickserien endlich gelungen, auf seinen großen Füßen den Weg ins Kino zu finden und auch dort bleibt er seinem Wesen treu.

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Zora Zack tritt auf

Möglicherweise stehen aber große Veränderungen bevor, denn seine Heimat, der Zoo von Neustadt, ist zwar barrierefrei und kommt ohne Gitterstäbe aus, zugleich präsentiert sich die Anlage jedoch auch ziemlich veraltet und sanierungsbedürftig. Also holt der unfähige Bürgermeister (Uwe Ochsenknecht) eine unsympathische Fachfrau namens Zora Zack (Heike Makatsch), die dem Zoo unter dem sehr zeitgemäßen Motto „Zack, zack!“ eine Generalüberholung verpassen will. Dabei stehen ihr zwei schusselige Assistenten zur Seite, die einen auf Cool-Sprech machen und wie eine Doppelausgabe von Thomas Brezina wirken. Der junge Otto (Manuel Santos Gelke), Zoodirektor Tierlieb (Friedrich von Thun) und der singende Wärter Karl (Tim Oliver Schultz) sind da eher skeptisch, doch Benjamin Blümchen (mit der Stimme von Jürgen Kluckert) erweist sich als viel zu naiv und kann leicht von Frau Zack am Rüssel herumgeführt werden – vor allem, wenn sie ihm ein Zuckerstückchen davorhält.

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Unfrieden im Zoo

Die gerissene Unternehmerin manipuliert den Elefanten nach Herzenslust und schafft es sogar, das gute Verhältnis zwischen Benjamin und seinem besten Freund Otto zu trüben.  Der Junge versucht verzweifelt, die dunklen Machenschaften der zackigen Frau aufzudecken. Unterstützung erhält er in seinen Nachforschungen von Dieter Hallervorden, der einen ehemaligen Geheimagenten spielt und sich bevorzugt mit seinem Tonbandgerät in Gebüschen herumtreibt.

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Übertrieben und nicht ultracool

Uns ist natürlich klar, dass diese Mischung aus Realfilm und Animation für ein junges Publikum gedacht ist. „Aber damit das die Kinder selbst auch mitbekommen“, wird sich Regisseur Tim Trachte gedacht haben, „gehe ich lieber auf Nummer sicher, verlange von allen Darstellern und Darstellerinnen – vor allem von den „Bösen“ - so übertrieben wie möglich zu agieren und verwandle sie in Kasperltheaterfiguren“. Dieses hoffnungslose Overacting lässt das Werk – zumindest für ein erwachsenes Publikum – über weite Strecken recht unerträglich erscheinen. Dabei will man den liebenswert unbeholfenen Elefanten und seinen Film ja wirklich mögen, aber seine menschlichen Kollegen machen es uns nicht leicht. Außerdem ist die Botschaft dieses Werks auch eher bedenklich, denn im Grunde wird den Kindern die ganze Zeit über eingeschärft, wie schön es doch ist, an den alten Werten festzuhalten und wie gefährlich Neuerungen sind. Dadurch wirkt der Film selber verstaubt, unzeitgemäß und so deplatziert wie Frau Zacks zwei Handlanger, die glauben, ultracool zu sein.

2 von 5 Zuckerstücken und 1 fröhliches „Töröö“ aus Elefantenrüssel

Der Neustädter Zoo soll modernisiert werden, die die damit beauftragte Frau hat ganz andere Pläne. Otto und sein Freund Benjamin wollen ihr auf die Schliche kommen.