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Filmkritik
10/18/2020

"Mein Liebhaber, der Esel und ich": Mit einem störrischen Grautier dem Geliebten hinterher

Diese leichte französische Sommerkomödie schickt uns auf eine wandlungsreiche Wanderung im Bergland der Cevennen.

von Franco Schedl

Vielleicht sollte man zunächst gleich vorausschicken, dass der Liebhaber im Titel nicht etwa als Esel definiert wird, sondern hier tatsächlich ein Mensch und ein Tier gemeint sind.
 

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Eine verliebte Lehrerin

Der Liebhaber heißt übrigens Vladimir und ist Vater einer Tochter, die in der örtlichen Schule von Lehrerin Antoinette unterrichtet wird. Dadurch sind Vladimir und Antoinette auch miteinander bekannt geworden und haben eine streng geheim gehaltene Beziehung begonnen.  Wer Ohren hat zu hören, könnte allerdings etwas ahnen, denn bei einer öffentlichen Klassenveranstaltung lässt die Lehrerin ihre Kinder ein anspielungsreiches Chanson vortragen. Darin geht es um eine Beziehung zu einem verheirateten Mann; und es heißt zum Beispiel: „Kennt diese Liebe wohl ein Morgen, wenn ich fern von ihm bin“? 

 

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Bekanntschaft mit dem Esel

Damit wäre die Handlung dieser französischen Komödie gleich zu Beginn perfekt umrissen. Antoinette wird nämlich von Vladimir schwer enttäuscht: Er hat ihr einen gemeinsamen Ferienaufenthalt versprochen, doch stattdessen zieht er es vor, mit seiner Familie einen sechstägigen Wanderurlaub in den Bergen zu verbringen. Die Lehrerin gibt aber nicht so leicht klein bei, sondern nimmt die Verfolgung in die südfranzösische Bergregion der Cevennen auf – und zwar in Begleitung eines Lastesels. Das ist eine Entscheidung, die sie noch bitter bereuen wird, denn das störrische Grautier wird bevorzugt das genaue Gegenteil von dem tun, was sie gerade möchte. Noch dazu ist der Geliebte noch lange nicht in Sicht, aber die anderen Mitwanderer sind auch ganz schön lästig, seitdem sie Antoinette ihr Geheimnis um Valdimir entlockt haben. Die Lehrerin wird unfreiwillig zum amourösen Star der Fernwanderwege.

 

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Weinkrämpfe und Sympathie

Dieser leichte französische Sommerfilm von Drehbuchautorin und Regisseurin Caroline Vignal schickt ihre Protagonistin auf einen vergnüglichen Selbstfindungstrip in die Natur – und es kommt schon mal vor, dass Fuchs und Hase nicht etwas ‚Gute Nacht‘, sondern ‚Guten Morgen‘ sagen oder die beiden Liebenden wie Adam und Eva mit dem Esel an ihrer Seite nackt in einer Wiese liegen.  Laure Calamy kann uns in der Rolle von Antoinette übrigens auch ganz schön nerven, vor allem, wenn sie zu Heulkrämpfen neigt - und das Tier neben ihr lässt mit wahrer Eselsgeduld alles über sich ergehen. Doch sobald die Frau beginnt, dem Esel beim Wandern ihre Liebesgeschichte zu erzählen, wird sie plötzlich viel sympathischer.

 

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Literarisches Vorbild

Nebenbei erfahren wir noch kulturgeschichtlich bedeutsame Details: Demnach war der Schotte Robert Louis Stevenson, Autor von  „Die Schatzinsel“ oder „Dr Jekyll und Mr Hyde“, auch in den Cevennen unterwegs und zwar ebenfalls nicht aus Naturbegeisterung, sondern auf den Spuren einer wesentlich älteren verheirateten Frau, die nach ihrer Scheidung dann seine Gattin werden sollte. Der Wanderweg ist sogar nach Stevenson benannt und man bekommt wie Antoinette vermutlich Lust, seinen Bericht darüber nachzulesen.

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Mein Liebhaber, der Esel und ich“ ist eine Liebesgeschichte, die nicht im gewohnten Trott abläuft, und nachdem Antoinette als ungeübte Eselswanderin erstmal Neuland betreten hat, ergeben sich ein paar überraschende Wendungen. Bis sie zuletzt zur Begleitung eines Westernsongs in der untergehenden Sonne verschwinden wird, hat sich vor allem dank dem grauen Langohr einiges für sie geändert.

3 von 5 ohrenbetäubenden III-AHS

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Mein Liebhaber, der Esel und ich

— Antoinette Dans Les Cévennes

Eine Lehrerin folgt mit einem Esel ihrem verheirateten Liebhaber auf dessen Familienurlaub durch einen französischen Nationalpark.