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Filmkritiken
10/22/2020

Mrs. Taylor's Singing Club: Mit Musik gegen die Angst

Die britische Tragikomödie mit Kristin Scott Thomas und Sharon Horgan geht nicht nur musikalisch ins Ohr, sondern setzt sich auch mit Themen wie Verlust und dessen Bewältigung auseinander.

von Amina Beganovic

Kate Taylor (Kristin Scott Thomas) ist eine scheinbar perfekte britische Offiziersgattin. Die Ungewissheit, die sie während des Auslandseinsatzes ihres Mannes empfindet, überspielt sie in der Öffentlichkeit mit einem strahlenden Lächeln. Freizeitaktivitäten soll sie und die anderen Ehefrauen der Militärbasis auf andere Gedanken bringen. Kurzerhand wird ein Chor ins Leben gerufen. Die charismatische Lisa (Sharon Horgan), bisher tonangebend in der Frauengruppe, kann mit Kates strengem Zugang zur Musik zunächst nicht viel anfangen. Mit der Zeit lässt sich aber auch Lisa von der Freude an der Musik anstecken – und so rauft sich das ungleiche Frauenduo zusammen und leitet den Chor gemeinsam. Und schon bald soll die Gesangstruppe ihr Können vor großem Publikum unter Beweis stellen.

Die Qual des Wartens

Entgegen ersten Vermutungen ist "Mrs. Taylos Singing Club" (Originaltitel: "Military Wives") alles andere als eine heitere Feelgood-Komödie. Natürlich ist der Unterhaltungsfaktor gegeben – nicht zuletzt dank einer großartigen Kristin Scott Thomas, die als zugeknüpfte Mrs. Taylor den Taktstock schwingt und den zunächst unmusikalischen Frauen die Grundlagen des Singens eintrichtern will. Auch der Ohrwurm-Faktor kommt natürlich nicht zu kurz - obwohl sich das Repertoire gerne mal außerhalb der 80er hätte bewegen können.

Aber die Erfolge und Hoppalas des Chors sind nicht die essentielle Handlung. Vielmehr geht es um das ungewisse Warten der Frauen. Der Chor dient den Bewohnerinnen der Militärbasis als Mittel zum Zweck – nämlich, um auf andere Gedanken zu kommen, die Angst um ihre Männer für kurze Zeit vergessen zu können. Bis das Telefon das nächste Mal läutet.

Chormusik gegen die Verzweiflung

Regisseur Peter Cattaneo („Ganz oder gar nicht“) bringt mit "Mrs. Taylor's Singing Club" eine wahre Geschichte auf die Leinwand. Tatsächlich starteten britische Soldatenehefrauen 2010 einen "Military Wives"-Chor, der durch eine BBC-Dokumentation bekannt wurde und Frauen weltweit dazu inspirierte, ebenfalls Chöre auf ihren Militärstützpunkten zu gründen.

Mit Kritik am Militär bzw. dessen Einsätzen hält sich Cattaneo in diesem Film zurück. Es geht nicht um die Gräuel des Krieges, sondern darum, wie das Leben jener Frauen und Familien aussieht, die zurückbleiben. Dadurch wird die Handlung stellenweise zwar vorhersehbar, bleibt aber menschlich. Die Arbeit im Chor bringt die Protagonistinnen durch schwere Zeiten und Verluste, die heilende Wirkung von Musik rückt in den Fokus, ohne sich in Pathos zu verlieren.

Konservatives Frauenbild

Emanzipatorisch ist das Ganze nur leider nicht. Das transportierte Bild der Frauen, die daheim warten und bangen, ist und bleibt leider sehr konservativ – ebenso deren unterstützende Grundhaltung zur Tätigkeit ihrer Männer: Die Soldaten gehen ihrer heldenhaften Tätigkeit an der Front nach, die Frauen müssen daheim schauen, wie sie sich die Zeit (und die Angst) vertreiben. Eine Strickgruppe? Backen? Einen Stripper engagieren? Das erste Brainstorming der Damen, bevor schließlich der rettende Einfall des Chors daherkommt, sorgt bestenfalls für Augenverdrehen. Echtes Female Empowerment sollte man sich also nicht von diesem Film erwarten, auch wenn Regisseur Cattaneo anderes behauptet: „Frauen, von denen erwartet wird, dass sie sich still verhalten und weitermachen wie bisher, finden ihre Stimme." Nun ja, die gefundenen Stimmen singen dann eben Songs von Cyndi Lauper oder The Human League.

Der Film berührt mehr durch seine zwischenmenschlichen Töne, insbesondere das Thema Verlust spielt eine zentrale Rolle – und die Frage, wie es danach weitergeht. Hinzu kommt die grandiose schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerinnen, die das Ganze allemal sehenswert macht.

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