© Jaroslaw Sosinski

Filmkritik
09/02/2020

„The Hater“ auf Netflix: Falsche Nachrichten, echte Gefahren

Der polnische Netflix-Film blickt in die Abgründe des Internets.

von Oezguer Anil

Tomek Giemza (Maciej Musilowski) will es schaffen. Der Sohn von armen polnischen Bauern hat den Sprung in die Großstadt gewagt, wo er auf der juristischen Fakultät studiert und versucht, sich ein eigenständiges Leben aufzubauen. Sein Studium wird ihm durch das wohlhabende Ehepaar Karcuka (Danuta Stenka und Jacek Koman) finanziert, die sich zwar weltoffen geben, aber den Bauernjungen stets belächeln. Tomek ist in ihre Tochter Gabi (Vanessa Aleksander) verliebt und tut alles Mögliche, um mit ihrem extravaganten Lebensstil mithalten zu können. Als er wegen eines Plagiatsvorwurfs aus der Uni geschmissen wird, sucht Tomek nach einem schnelleren Weg, um auf der sozialen Leiter aufzusteigen. Er bewirbt sich bei einer dubiosen PR-Agentur und beginnt seine ganze Wut in Hasskampagnen gegen einflussreiche Menschen zu stecken. Seine Annährungsversuche Gabi gegenüber werden immer aggressiver und seine ehemaligen Förderer beginnen sich gegen ihn zu richten.

Big Brother

"The Hater“ ist ein höchst politischer Thriller, der sich virtuos mit den technischen Möglichkeiten der Spionage auseinandersetzt. Im Zentrum steht das Gefühl einer Elite ausgesetzt zu sein, die einem jegliche sozioökonomische Aufstiegsmöglichkeit nimmt und wie ein Puppenmeister die Gesellschaft kontrolliert. Diese gesellschatliche Frustration ist nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie weltweit spürbar, aber tritt in Krisenzeiten natürlich deutlicher zum Vorschein. Der Film selber begleitet einen manischen jungen Mann, der bereit ist, über Leichen zu gehen, um seine Ziele zu erreichen.

Klischees

Die polnische Produktion entstand unter der Regie von Jan Komasa und basiert auf dem Drehbuch von Mateusz Pacewicz. Das Duo erhielt mit ihrem letzten Film "Corpus Christi“ zahlreiche Auszeichnungen und wurde sogar für einen Oscar als bester internationaler Film nominiert. "The Hater“ kann bei weitem nicht mit ihrem vorherigen Werk mithalten. Komasa behandelt in seinem Film die Gefahr von populistischer Politik, aber steht in seiner undurchsichtigen Erzählung seinen Protagonisten um nichts nach. Anstatt die verschiedenen politischen Ansichten seiner Figuren zu beleuchten und Berührungspunkte oder Unterschiede herauszuarbeiten, konstruiert er reine Abziehbilder, die er einem als Eliten, Attentäter und Arme verkaufen möchte. In einem Land, in dem Rechte von Frauen und Homosexuellen immer mehr beschnitten werden und hohe politische Würdenträger fremdenfeindliche Parolen von sich geben, wirkt eine derartige Zurückhaltung bei der Benennung von Problemen äußerst zynisch.

Möchtegern "Taxi Driver"

Kurz nachdem "The Hater“ als bester internationaler Film auf dem Tribeca Filmfestival ausgezeichnet wurde, sicherte sich Netflix die weltweiten Rechte an dem Film. Ein streitbarer Thriller, der leider seinem großen Thema nicht gerecht werden kann.

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