Der diskrete Charme der Bourgeoisie

 F 1972

Le Charme discret de la bourgeoisie

Komödie 102 min.
8.00
Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Eine mondäne Gruppe von diskret unehrenhaften Bürgern startet einen Versuch nach dem andern, ungestört zu dinieren.

Luis Buñuels Obsessionsthema Nummer 1. Verhinderte Begierde: etwas wollen und dabei ständig gestört werden. Eine Gruppe hinreichend mondäner und diskret unehrenhafter Bürger schickt sich an zu dinieren und wird dabei, im ansteigenden Verlauf der Vorlust, wieder und wieder, einen ganzen Film hindurch, unterbrochen. Die Qualen im Inferno der Verdammten, verwandelt in einen running gag der schönen, neuen Luxus- und Lügenwelt. Don Luis, zweiundsiebzigjährig, böse, frei wie der Wind, enigmatisch heiter und maliziös, kehrt über den Umweg der Screwball Comedy zu seinen surrealen Anfängen zurück und stellt sich die Frage, wie normal der Traum und wie traumhaft die Realität anmutet oder wie ein Stück von Beaumarchais aussehen würde, das unter den Drogen des Jahres 1972 nur mehr aus der zwanzigfach variierten 1. Szene des 1. Akts besteht.
(Harry Tomicek)

Details

Fernando Rey, Michel Piccoli, Delphine Seyrig, Bulle Ogier, Stéphane Audran
Luis Buñuel
Edmond Richard
Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Bissiger Witz
    Der Titel ist ein poetischer Euphemismus. Eigentlich führt uns der Altmeister Bunuel die gehobene Klasse der Gesellschaft vor mit all ihren Macken, ihren konventionellen Zwängen und oftmals auch sinnfreie Aktionen. Sie sind auch triebgesteuert, aber oberflächlich. Small Talk beherrscht die Zwischenräume. Das zeitlose an dieser Groteske ist die Fülle an unglaublichen Wendungen, die nichts von ihrem Biss und ihrem Witz verloren haben. Bunuel spielt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer nur um sie ein ums andere Mal zu enttäuschen, zu überraschen oder gar zu schockieren.
    Dabei würden manche Gags heute in den Abteilungen Comedy, Mystery oder Horror erscheinen. Da arbeitet z. B. ein Bischof als Gärtner, er nimmt einem Sterbenden die Beichte ab und erschießt ihn anschließend. Eine Frau wird vom eigenen Ehemann im Schlafzimmer eines Anderen entdeckt, nur weil der ihr seinen ’Eumel’ zeigen will, Offiziere kiffen und Diplomaten sind Drogenkuriere u.v.a.m. Wenn es zu blutrünstig wird, entpuppt sich die Szene allerdings als Traum. Wenn man dann an der makaber-skurrilen Schraube immer weiterdreht, muss es mit einem Massaker aller Beteiligten enden. Doch am Ende spazieren die Leinwandgrößen der 70er Jahre (Rey, Seyrig, Cassel, Audran u.a.) über eine Landstrasse zur nächsten Einladung. Einfach toll dieser aberwitzig, surreale Witz.