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Filmverleih-Angebot
03/23/2020

Filmgarten: Arthausperlen jetzt auch zum Streamen

Filmgarten bietet mit seinem kleinen aber feinen Angebot eine Alternative zu Netflix und Co.

von Oezguer Anil

Der österreichische Filmverleih Filmgarten bringt seit Jahren erlesene Filme in unsere Kinos. Ihr Katalog setzt sich vor allem aus Arthausfilmen zusammen, die auf den großen Filmfestivals dieser Welt präsentiert wurden und auf innovative Erzählstrukturen setzen. Es sind Filme, die nicht die Säle der großen Megaplexe füllen, aber die aus den gängigen Mustern des Erzählkinos ausbrechen und einzigartige Erlebnisse schaffen. Mal verstörend, mal heiter, zeigen sie einem die Bandbreite an Möglichkeiten die filmisches Erzählen bietet und lassen Tendenzen erkennen, die in kürzester Zeit den Mainstream prägen. Zur Zeit sind sowohl österreichische als auch internationale Dokumentar- und Spielfilme verfügbar.

Österreichsicher Film

In ihrer Doku „Was uns bindet“ gibt uns Ivette Löcker einen intimen Einblick in ihr Familienleben und erreicht dabei einen Grad an Authentizität, der im gängigen Kino selten zu finden ist. Keine Schauspieler der Welt könnten das Auseinanderleben zweier Menschen so berührend darstellen und kein Drehbuchautor solche Nuancen in den Dialogen kreieren, wie es Löckers Eltern tun. Als Tochter dieser unglücklichen Ehe ist Löcker die einzige Regisseurin, die diesen Film machen konnte. Mit kritischer Empathie sucht sie nach den Gemeinsamkeiten ihrer Eltern und scheut dabei keine unangenehmen Fragen. Ohne falsches Pathos blickt sie auf die einsame Zweisamkeit zweier beeindruckender Persönlichkeiten. 

Die Liebhaberin

Mit seinem Debütfilm "Parabellum" machte Lukas Valenta Rinner das erste Mal auf sich aufmerksam. Sein neuer Film "Die Liebhaberin" ist erzählerisch eines der spannendsten und mutigsten österreichischen Filme der letzten Jahre und konnte Kritiker weltweit auf Festivals überzeugen. Die Geschichte einer argentinischen Putzfrau ist formal anspruchsvoll und visuell raffiniert umgesetzt.

Epos

Für die ganz Mutigen unter euch, gibt es auch Filme mit Überlänge. Lav Diaz erzählt mit „The Woman Who Left“ in knapp vier Stunden die Geschichte einer zu unrecht inhaftierten Philippinin, die sich nach dreißig Jahren Gefangenschaft wieder zurück ins Leben kämpfen muss. Lav Diaz ist einer der spannendsten Filmemacher unserer Zeit und wurde für seinen Film mit dem Goldenen Löwen auf den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet. Wem das Schwarzweiß-Epos noch immer zu kurz ist, kann sich die Isolation mit dem 14 stündigen Genre-Episodenfilm „La Flor“ versüßen.

Festivalhits

 

Zahlreiche Filme sind bereits jetzt verfügbar, weitere Werke wie "Zama", "Bewegungen eines nahen Bergs", "Sie ist der andere Blick" und "Der Schatz" kommen in den nächsten Tagen. Ein Film kostet € 3,- und ist 48 Stunden lang sichtbar. Der 14-stündige "La Flor" kostet €9.- und ist 30 Tage lang sichtbar.

Den gesamten Katalog findet ihr hier.

Ivette Löcker zeichnet ein fein gewobenes Portät ihrer eigenen Familie, das – ohne eine nötige Distanz aus den Augen zu verlieren – Melancholie, aber auch humorvolle Momente zulässt.