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03/28/2022

Oscars 2022: Die 8 größten Skandale in der Geschichte der Oscars

Gestohlene Oscars, falsche Verkündigungen und unerbetene Küsse – die Oscar-Geschichte ist voll von Hoppalas und Skandalen!

von Manuel Simbürger

Es ist die Nacht der Nächte in Hollywood und für alle Film-LiebhaberInnen da draußen: Die Oscar-Verleihung findet jährlich im altehrwürdigen Dolby Theatre in Los Angeles statt, dieses Jahr ist es am 27. März so weit. Neben all der Selbstbeweihräucherung der Traumfabrik (etwas, das Hollywood am besten kann!) sind die Oscars auch immer wieder für modische Highlights, Überraschungen aller Art, skurrile Momente und handfeste Skandale gut.

Besonders von Letztgenannten gibt es in der Geschichte der  Academy of Motion Picture Arts and Sciences so einige – und die sind so unglaublich und mitunter aberwitzig, dass sie durchaus auch Teil der nominierten Filme selbst sein könnten ...

Die 8 größten Skandale und Hoppalas in der Geschichte der Oscars:

1938: Oscar wird gestohlen

Das gab es seitdem nie wieder: Der Goldmann für die beste Nebendarstellerin wurde vor den Augen des Publikums direkt von der Bühne gestohlen! Die Preisträgerin Alice Brady gewann für ihre Rolle in "In Old Chigaco", konnte aber nicht bei der Gala teilnehmen, weil sie sich den Fuß gebrochen hatte. 

Die Auszeichnung wurde von einem Betrüger entgegengenommen, der daraufhin unerkannt verschwinden konnte. Trotz zahlreicher Versuche konnte er nicht mehr aufgefunden werden. Brady wurde als Trost immerhin eine Kopie der Statuette überreicht.

1973: Marlon Brando lehnt Oscar für "Der Pate" ab

"Der Pate" von Francis Ford Coppola gilt gemeinhin als bester Film aller Zeiten, schon bei seinem Erscheinen wurde er von KritikerInnen und Publikum frenetisch bejubelt. Dass Marlon Brando für seine Rolle des Don Vito Corleone den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen würde, war von vornherein klar.

Eine viel größere Überraschung war aber, dass der damals 49-Jährige den Academy Award nicht annahm, ja nicht mal persönlich bei der Preisverleihung erschien. Dies tat er aus Protest gegen die Behandlung von Native Americans in Hollywood. In Vertretung von Brando ging die indigene Schauspielerin und Aktivistin Sacheen Littlefeather auf die Bühne, um die Auszeichnung im Namen des Schauspielers abzulehnen und mit einer leidenschaftlichen Rede auf das Problem aufmerksam zu machen.

Der Zeitpunkt hätte besser nicht sein können: 1973 wurde die Oscar-Verleihung erstmals live ausgestrahlt, ganze 85 Millionen ZuseherInnen saßen vorm Fernseher.

1974: Ein Flitzer sorgt live für nackte Tatsachen

Bereits ein Jahr später kam es zum nächsten Eklat während der auf Etikette sehr bedachten Preisverleihung (vielleicht lag es ja an den wilden 70ern!): Robert Opel, ein Englischlehrer und Künstler, flitzte während der Rede von David Niven im Adamskostüm über die Bühne. Das Publikum nahm's mit Humor und auch Opel bekam sich vor Lachen nicht mehr ein.

"Aber ist es nicht faszinierend, sich vorzustellen, dass wahrscheinlich das einzige Lachen, das ein Mann jemals in seinem Leben bekommen wird, darin besteht, sich auszuziehen und seine Mängel zu zeigen?", witzelte der damalige Oscar-Host.

Opel gab an, er wollte mit seinem Stunt auf die konformistische Gesellschaft Amerikas aufmerksam machen. Verhaftet wurde er nicht. 

2003: Adrien Brody küsst eine verdatterte Halle Berry

Dass sich die KünstlerInnen über ihre – überraschende – Auszeichnungen freuen und ihre überbordenden Gefühle für kurze Zeit nicht im Griff haben, kommt bei den Oscars öfter mal vor. Adrien Brody, der 2003 in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" für seine Leistung in "Der Pianist" geehrt wurde, schoss allerdings den Vogel ab. 

Als Halle Berry ihm auf der Bühne den Preis übergab, überrumpelte er die sichtlich peinlich berührte Schauspielerin mit einem leidenschaftlichen Kuss. Abgesprochen war hier nichts. Jahre später betonte Berry in Interviews, sie hätte auf diesen Moment gerne verzichtet. In Zeiten von #MeToo wäre solch eine Aktion undenkbar – gut so!

2014: John Travolta nennt Idina Menzel "Adele Dazeem"

John Travoltas Versprecher ist wohl eher liebenswürdig peinlich als wirklich skandalös, ging aber trotzdem in die Annalen der Oscar-Historie ein. Der Schauspieler hätte die "Let it go"-Sängerin, dank "Die Eiskönigin" damals am Höhepunkt ihrer Karriere, ehrwürdig ankündigen sollen. Am Ende wurde "Adele Dazeem" daraus und kurz fragte man sich, wer nun wirklich auf die Bühne kommen sollte... 

Travolta rechtfertigte sich später damit, dass die ProduzentInnen Menzels Namen auf dem Teleprompter in eine phonetische Version geändert hätten, was ihn mehr verwirrt als geholfen habe. 

2015: #OscarsSoWhite

Als in diesem Jahr keine einzige Schwarze Person unter den zahlreichen Nominierten war, sorgte dies nicht nur für eine große Empörung innerhalb und außerhalb Hollywoods (sowie auf der ganzen Welt), sondern rief auch die Twitter-Bewegung #OscarsSoWhite ins Leben, die auf den immer noch vorherrschenden Rassismus der Traumfabrik aufmerksam machte.

#OscarsSoWhite ist an der Academ-Award-Jury tatsächlich nicht spurlos vorüber gegangen und hatte weitreichende Folgen: Seitdem wird bei den Nominierten und den PreisträgerInnen mehr denn je auf Diversität geachtet, auch in der Jury selbst befinden sich nun alle Nuancen und VertreterInnen der Gesellschaft. Bravo!

Die andere Seite der Medaille: Seitdem haftet den Oscars ein fader "Political Correctness"-Beigeschmack an ...

2017: Der falsche "Best Picture"-Gewinner wird verkündet

Peinlicher geht es wohl nicht mehr! 2017 verkündigen die Hollywood-Urgesteine Faya Dunaway und Warren Beatty feierlich, das Retro-Musical "La La Land" habe in der begehrten Kategie "Best Picture" gewonnen. Die Freude bei den Beteiligten ist groß – bis schnell klar wurde, dass den beiden der falsche Umschlag ausgehändigt wurde.

In Wirklichkeit nämlich konnte das Queer-Drama "Moonlight" (zu Recht!) den Preis für sich entscheiden. Chaos auf der Bühne, alle sind verwirrt. Sogar die Dankesrede der "La La Land"-Macher war schon in vollem Gange. Cringe!

2022: Will Smith ohrfeigt Moderator Chris Rock auf offener Bühne

Nachdem der Komiker Chris Rock während der Verleihung einen Witz über Smiths Frau Jada Pinkett gemacht hatte, lief Smith auf die Bühne, gab Rock eine Ohrfeige und kehrte an seinen Platz zurück. Zweimal rief er anschließend in Rocks Richtung: "Lass den Namen meiner Frau aus Deinem verdammten Mund!" Abgesprochen oder spontan? Das blieb erstmal unklar.

Rock hatte sich zuvor an Jada Pinkett Smith gewandt und in Bezug auf ihre kurze Frisur gewitzelt: "G.I. Jane 2 - ich kann es nicht abwarten, das zu sehen." - eine Anspielung auf den Film "G.I. Jane", in dem sich Demi Moore als Soldatin den Kopf rasierte. Jada Pinkett Smith hatte in der Vergangenheit offen über ihren Haarausfall gesprochen.

 

Als Will Smith schließlich den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in "King Richard" gewann, schien er sich in seiner Dankesrede für die vorherige Situation zu rechtfertigen. "Richard Williams war ein erbitterter Verteidiger seiner Familie", sagte er unter Tränen. Er wolle sich bei der Filmakademie und den anderen Nominierten entschuldigen: "Kunst imitiert das Leben, und ich wirke wie der verrückte Vater (...) aber Liebe lässt einen verrückte Dinge machen." Er hoffe, dass die Filmakademie ihn wieder einlade.

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