Rocco und seine Brüder

 I 1960

Rocco e i suoi fratelli

Drama, Krimi 177 min.
8.30
Rocco und seine Brüder

Visconti als filmischer Meister einer zutiefst pessimistischen Gegenwart-Geschichtsschreibung.

Zum einen eine präzise soziale Versuchsanordnung, zum anderen Kino großer Gefühle und aneinandergeratender, in Brüdern verkörperter Gegensätze, die zum Scheitern verurteilt sind. Viscontis Übergehen vom neorealismo der Frühzeit zu einem vielfigurigen, opernhaften Realismus, der das Schicksal eines Landes und einer Zeit an der Tragik Einzelner darzustellen weiß. (Harry Tomicek)

Details

Alain Delon, Renato Salvatori, Annie Girardot, Paolo Stoppa, Claudia Cardinale
Luchino Visconti
Nino Rota
Giuseppe Rotunno
Luchino Visconti, Suso Cecchi D'Amico u.a.

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Sehnsucht nach der Heimat
    Dieser Klassiker ist nur mit Abstrichen zu empfehlen. Die Thematik ist sicherlich zeitlos: Familienzusammenhalt, Bruderliebe, die Ehre der eigenen Familie steht über allem. Das Ganze ist in ein sozialkritisches Familiendrama gehüllt mit einem erstklassischen Promi-Ensemble. Nur die Machart nervt mitunter, wenn z.B. in den hochdramatischen Szenen allzu laut und lang anhaltend geschrienen wird oder wenn alle Personen gleichzeitig und nicht gerade auf Zimmerlautstärke mit einander reden – eher auf einander einschreien. Das dient nicht dem Verständnis, wirkt eher Komödiantisch. Manche Szenen sind mit übertriebenen Theatralik eher zum schmunzeln.
    Witwe Rosaria (Katina Paxinou) zieht mit ihren 5 erwachsenen Söhnen aus Süditalien nach Mailand. Simone (Renato Salvatori) wird Boxer, aber auch Mörder, das ‘Schwarze Schaf‘. Der titelgebende Rocco (Alain Delon), hier ganz sanft und voller brüderlicher Liebe versucht ausgleichend zu vermitteln. Das könnte gelingen wäre da nicht Nadia (Annie Girardot), die Hure mit Herz, die erst von Simone angetan, dann auf Rocco abfährt, der tränenreich auf sie verzichtet. Doch sie wird das Opfer brüderlicher Eifersucht
    Allein Vincenzo, der Älteste (Spiros Focas) schafft es mit Ginetta (Claudia Cardinale) eine eigene Familie zu gründen. Nur eine kleine Nebenrolle für die Cardinale, die sie aber durchaus mit Charakter ausstattet. Hier wird der Gegensatz zwischen den Norditalienern und denen aus dem Süden, den ‘Negern‘, wie sie sie nennen, deutlich. Der Familie geht es äußerlich immer besser, aber der Zusammenhalt bricht weg. Schuld ist die Großstadt. Es bleibt die Sehnsucht nach der alten Heimat, dem ‘Land der Oliven‘. Teils angestaubt aus den 60er Jahren. Pathetische Dramatik von Gestern.