SHOOTOUT IN DEN ALPEN

Natürlich lässt ein Winter-Western-Klassiker wie „Leichen pflastern seinen Weg“ kräftig grüßen; dennoch hat man nie auch nur für einen Sekundenbruchteil den Eindruck, dass hier krampfhaft die Wild West-Welt nach Österreich verpflanzt werden soll. Dafür ist die überzeugende Geschichte in ihrer sowohl wuchtigen als auch einfachen und konsequenten Geradlinigkeit viel zu lokalgebunden. Doch auch die andere Gefahr wird vermieden: Prochaska tappt nicht in die Heimatfilmfalle und lässt keine knorrigen Charaktere vor einer verkitschten Alpenkulisse agieren. Stattdessen werden wir dank Thomas W. Kiennasts atemberaubender Kameraarbeit und ein paar Dutzend ausnahmslos großartiger Darsteller (teils Profis, teils Laien), durch höchste Authentizität belohnt - da wurde selbst noch auf das Schwarze unterm Fingernagel geachtet.

Gesprochen wird nicht viel, aber zumindest in einem interessanten Akzent- + Dialektgemenge. Der Brite Sam Riley spielt den Besucher aus Amerika: dieser Schweigsamste von allen spricht Deutsch mit entsprechendem Zungenschlag; während die Berlinerin Paula Beer mühelos eine Art gezähmtes Tirolerisch meistert.

Ein Film wie dieser lebt jedoch in erster Linie von den Gesichtern und deshalb lässt uns Prochaska in liebevoll langen Großaufnahmen an den Emotionen der Figuren teilhaben. Eine besondere Überraschung hat er sich noch für den Nachspann aufgespart: dort erscheint jeder der zahlreichen vor Ort in Südtirol gefundenen Komparsen für ein paar Sekunden - von der Kamera sozusagen abfotografiert - in Form eines lebendigen Schwarz-Weiß-Porträts. Ich bin sicher nicht der Einzige, dem sich dabei der Eindruck aufdrängt: Jedes dieser Gesichter hätte einen eigenen Film verdient. „Das finstere Tal“ verdient sich jedenfalls 9 von 10 blutigen Schneeflecken.

Das finstere Tal

Das finstere Tal

A/D 2014
Drama, Western
14.02.2014
Andreas Prochaska
Ende des 19. Jahrhunderts taucht plötzlich ein Fremder auf einem Pferd und mit einem Maultier in einem abgeschiedenen Alpen-Hochtal auf.
7.10

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