Zeit der Unschuld

 USA 1993

The Age of Innocence

Drama, Romanze, Literaturverfilmung 139 min.
7.20
Zeit der Unschuld

Ein gutsituierter junger Mann im New York des Jahres 1870 verliebt sich in die unkonventionelle und leicht skandalöse Cousine seiner Braut.

Opulente und detailreiche Adaption des mit dem Pulizter-Preis ausgezeichneten Romans von Edith Wharton.

Im Zeitraffer entfaltende Rosen. Rotgoldbraunbeige Dekors mit Tupfen von Lindengrün. Gleiten in Girlanden und Kreisen, eine Endlos-Ondulation. Überblendungen in Rot. Überblendungen in Gelb und gelbe Rosen. Die Geschichte einer hoffnungslos ungelebten Liebe, die in New Yorks Upperclass von 1870 am Altar der ­Kon­vention geopfert wird. Da jegliches sich im Geheimen oder in der ­Sprache äußerster Andeutung abspielen muss, wird bereits die Berührung zweier Hände zum unerhörten Ereignis. Nichts vermag in solcher Intensität des Minimalen mit jenem glühenden Scheit zu wetteifern, das im Verlauf eines Gesprächs lautlos im Kamin in sich zusammenfällt. Schon eine Sekunde später erweist sich Scorseses zärtliche, verdichtete Filmsprache als unüberbietbar distanziert, kühl, sezierend. Kein Filmemacher der Kinoindustrie, der heute suggestiver und verstörender Geschichten von der Welt zu erzählen wüsste als Martin Scorsese. (H.T.) (filmmuseum)

Details

Daniel Day-Lewis, Michelle Pfeiffer, Winona Ryder, Geraldine Chaplin, Alexis Smith, Richard E. Grant, u.a.
Martin Scorsese
Elmer Bernstein
Michael Balhaus
Jay Cocks, Martin Scorsese, nach dem gleichnamigen Roman von Edith Wharton

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken

  • Perfektion in Vollendung
    Da hat sich Martin Scorsese selbst übertroffen. Ein Super-Edel-Klassiker der Filmgeschichte über den man nur in Superlativen reden kann, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Das Reizvolle daran ist wohl der Purismus der Liebe ohne Sex, eine Leidenschaft ohne Erfüllung.
    • Technisch eine Umsetzung von Michael Ballhaus in Bilder, die wie Gemälde wirken. Im Vorübergehen streift die Kamera schon mal an einem Turner vorbei. Es gibt Lupeneinstellungen, Vorhänge, Ausblenden in rot, gelb und weiß.
    • Inhaltlich bietet der Film eine Handlung, die sowohl ein Gesellschaftsbild des ausgehenden 20. Jahrhunderts enthält, als auch eine zeitlose Liebesgeschichte (Michelle Pfeiffer und Daniel Day-Lewis). Und ein ganz besonderes Happy End, das keins ist. Nur ein Funkeln im Fenster wie ein Stern. Schöner geht’s nicht.
    • Schauspielerisch ist eine hervorragende Crew bis in die kleinste Nebenrolle am Start. Besonders die drei Protagonisten sind unglaublich gut und hier wiederum tun sich Pfeiffer und Day-Lewis besonders hervor. Sie schaffen es, dass das Publikum den Schmerz seines Verzichtes nachvollziehen kann und den Vorrang der Konvention mit ihm durchleidet.
    • Drehbuch, geschliffene Dialoge und ein hochwertiger Off Kommentar ergänzen in subtiler Sensibilität die Arbeit der Kamera.
    • Ausstattung äußerst pompös ja opulent und trotz vieler Details nicht aufdringlich.
    Scorsese ist ein Film gelungen, der sentimentale Seiten hat ohne Schmalz, gefühlvolle ohne Kitsch. Da passt auch ein Enya-Song (‘Marble Halls‘). Wie in den Hitchcock-Filmen hat Scorsese einen herrlich fast unerkannten Auftritt als Fotograf. Einer der besten Filme aller Zeiten.