© Der schönste Platz auf Erden

Filmkritik
09/07/2020

"Der schönste Platz auf Erden" im Kino: Ibiza trifft Pinkafeld

Eine politische Doku jenseits von Wahlslogans und Hochrechnungen.

von Oezguer Anil

2016 begibt sich Regisseurin Elke Groen mit ihrem Filmteam nach Pinkafeld ins Burgendland. Die Kneipe, die Pizzeria und die Höfe unterscheiden sich hier nicht von denen anderer österreichischer Dörfer, doch ein berühmter Einwohner beschert diesem Ort dann doch für eine große Aufmerksamkeit. Pinkafeld ist die Heimat des FPÖ Parteivorsitzenden Norbert Hofer. Die Regisseurin porträtiert über drei Jahre hinweg das Leben in der Gemeinde und wie es die Dramaturgie des Schicksals so will, werden diese drei Jahre große politische Einschnitte für die gesamte Republik mit sich bringen.

Breites Spektrum

"Der schönste Platz auf Erden“ ist kein Film über Norbert Hofer, sondern ein politisches Gesellschaftsporträt, das sich mit kritischer Empathie den Problemen seiner Protagonisten annähert. In dem Mikrokosmos einer 5500 Einwohner Gemeinde werden die großen gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit konkret. Wie soll es  mit der Flüchtlingsfamilie im Dorf weitergehen? Warum bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Anerkennung? Hat der Staat die Probleme der Mittelschicht noch im Auge? Diese Fragen werden hier von Menschen gestellt, die man in der öffentlichen Debatte gerne ausklammert, aber genau der Fokus auf diese Unzufriedenheit von Menschen, die das Gefühl haben, keine Stimme mehr zu besitzen, macht diese Doku so spannend.

Auf Augenhöhe

Groen begegnet ihren Protagonistinnen auf Augenhöhe, nimmt ihre Probleme ernst aber scheut sich auch nicht davor, kritische Fragen zu stellen. Dieser Umgang mit anderen politischen Meinungen ist zutiefst berührend, weil sie die Geschichten hinter jenen Menschen offenbart, die man meist nur aus kurzen Ausschnitten in TV-Beiträgen sieht. In ruhigen Bildern wird das Leben in der Gemeinde festgehalten. Der gähnenden Leere im Alltag stehen die jährlichen Massen an Journalisten beim Urnengang von Norbert Hofer gegenüber. Die Kamera schafft es dabei gekonnt, die Absurdität des vermeintlichen Medienspektakels festzuhalten.

"Der schönste Platz auf Erden“ ist der erste Film, der den Ibiza-Skandal thematisiert ist aber mehr,als nur eine politische Bestandsaufnahme. Die Doku hätte die diesjährige Diagonale eröffnen sollen, die jedoch auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.

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