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Filmkritik
09/23/2020

„Faking Bullshit“: Wenn Polizisten die Seiten wechseln

Krimineller als die Polizei erlaubt: Mit der amüsant-schrägen Cop-Komödie ist Schauspieler Alexander Schubert ein solides Regiedebüt gelungen.

von Amina Beganovic

Der Titel lässt Schlimmes ahnen, aber keine Sorge: Der Film hält sich in Sachen Albernheit zurück. „Faking Bullshit“ ist ein Remake der schwedischen Erfolgskomödie "Kops" aus dem Jahr 2003 und bleibt erstaunlich bodenständig, auch wenn der Plot zunächst anderes vermuten lässt:

Die Geschichte beginnt in einer Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo von Nordrhein-Westfalen, wo eine sehr liebenswerte, aber beruflich unterforderte Polizeitruppe für Recht und Ordnung sorgt. Eher weniger als mehr, denn in dem verschlafenen Kaff hält sich das Verbrechen sehr zurück. Was eines Tages zu einem ernsthaften Problem führt:  Eine ambitionierte Kollegin aus Düsseldorf (Sina Tkotsch) wird entsandt, um die Notwendigkeit der Wache 23 zu evaluieren – und sie gegebenenfalls auflösen zu lassen.

Die fünf Provinz-Polizisten Deniz (Erkan Acar), Rocky (Adrian Topol), Netti (Sanne Schnapp) und Hagen (Alexander Hörbe) wollen ihre gemütliche Arbeitsstätte um jeden Preis vor dem möglichen Aus retten. So beschließen sie in ihrer Not, kurzerhand selbst für mehr Verbrechen in der Stadt zu sorgen, um die Ermittlungskompetenz ihrer Wache zu demonstrieren. Dass bei so viel „Fake“ natürlich eine Menge schiefgehen kann, liegt auf der Hand. Und obendrein sorgt noch ein echtes Verbrechen in Form eines groß angelegten Kunstraubes für Wirbel …

Regiedebüt von Alexander Schubert

Schauspieler Alexander Schubert ist einem weitem Publikum vor allem aus der deutschen "heute-show" am ZDF bekannt. Comedy ist also sein Metier, wie man auch in seinem Autoren- und  Regiedebüt merkt: „Faking Bullshit“ sorgt für zahlreiche Lacher, ohne dabei in die (für Feelgood-Komödien leider oft nicht unübliche) kopflose Albernheit zu driften. Die Pointen sind schlüssig, das Timing in den meisten Fällen gelungen und sogar die eine oder andere Prise Sarkasmus fällt positiv auf. Die Besetzung wartet durch Namen wie Alexander Hörbe oder Adrian Topol mit bekannten deutschen Publikumslieblingen auf. Erkan Acar wiederum gibt als Deniz einen überzeugenden Rädelsführer der Wache 23, der seine „Familie“ vor dem Auseinanderbrechen bewahren möchte.

Falsche Verbrechen und menschliche Nöte

Dieser familiäre Zusammenhalt ist der rote Faden, der die fünf doch sehr unterschiedlichen Charaktere miteinander verbindet.  Polizisten sind schließlich irgendwie auch nur Menschen, mit echten menschlichen Nöten – da wird die drohende Existenzangst schnell zum Motor für drastisches, nicht mehr rationales Verhalten. Dennoch zeigen die patscherten Beamten, dass sie nicht nur eine weiche Schale, sondern auch einen weichen Kern haben und Polizisten mit Leib und Seele sind.

Nebenbei nimmt sich Regisseur Schubert auch weitläufigeren Themen wie Verarmung und Obdachlosigkeit, Alltagsrassismus und beruflichen Sexismus an. Zugegeben, diese Problematiken werden nur grob angeschnitten und gehen im Verbrecherchaos der Wache 23 etwas unter. Auch das Happy End hätte etwas weniger vorhersehbar sein können. Aber in Summe will die Komödie vor allem unterhalten und die Zuseher am Schluss mit einer positiven Grundstimmung nachhause schicken. Und das schafft „Faking Bullshit“ allemal.

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