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Filmkritik
03/15/2019

"Iron Sky - The Coming Race": Die Trash-Nazis vom Mond sind zurück!

In der mehrmals verschobenen Fortsetzung frönen die Mond-Nazis und ihre Widersacher dem Trashfilm in allen Höhen und Tiefen.

von Erwin Schotzger

"Iron Sky – The Coming Race", die Fortsetzung der schon beinahe kultigen Nazi-Groteske aus dem Jahr 2012, ist endlich da.

Budgetnöte und notwendige Crowd-Funding-Maßnahmen haben den Kinostart mehrmals verzögert. Es wundert daher nicht, dass "Iron Sky 2" – wie schon der überraschend gute Vorgänger – eine Low-Budget-Produktion ist. Zumindest gemessen an ähnlichen Science-Fiction-Filmen ist das Produktionsbudget von rund 20 Mio. Dollar gering. Doch die Produzenten haben schon beim Original gezeigt, wie aus diesem Nachteil ein Vorteil gemacht werden kann. Schon immer war "Iron Sky" daher mehr Trashfilm als B-Movie. Denn Unterschied machen wir verkürzt daran fest, dass ein Trashfilm, um erfolgreich zu sein, sehr gezielt auf der Klaviatur bekannter Genremuster spielt und dabei bewusst über die Stränge schlägt. Trash wird daher meist als Genrefilm mit viel Satire, Parodie und Selbstironie serviert. Ein B-Movie hat ein relativ geringes Budget und durchaus auch skurrile Plots, nimmt sich aber selber ernst.

"Iron Sky – The Coming Race" ist damit eindeutig ein Trashfilm, der sicherlich seine Fans bei Genre-Liebhabern finden wird. Allerdings driftet der Film des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola immer wieder hart an der Grenze entlang, nämlich zwischen Trash im positiven Sinn des Wortes (als Genre- und Stilelement) und Trash im ganz wörtlichen Sinne.

 

Ungeniert dem Trashfilm frönen

Bei einem Trashfilm ist es müßig über die Sinnhaftigkeit der Handlung zu lamentieren. Schon klar. Aber im Vergleich zum zweiten Teil war der Plot beim ersten Angriff der Mond-Nazis schon fast komplex. Die Ausgangslage: "The Coming Race" spielt 20 Jahre nach dem Ende des ersten Teils. Auf der Erde herrscht nach dem Atomkrieg am Ende von "Iron Sky" nuklearer Winter. Die letzten Reste der Menschheit haben auf der ehemaligen Mondbasis der Nazis Zuflucht gefunden. Doch die Mondstation ist in einem maroden Zustand. Zusammengehalten wird sie nur durch das Reparaturtalent von Obi (Lara Rossi), der Tochter von Renate Richter (Julia Dietze) und dem inzwischen verstorbenen James Washington (die beiden Helden des ersten Teils).

Als der totgeglaubte Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) auftaucht, beginnt die recht triviale Jagd nach einer schier unerschöpflichen Energiequelle, dem "Heiligen Gral". Denn Kortzfleisch enthüllt, dass er einer uralten Alien-Rasse angehören, die schon zu Urzeiten auf der Erde gelandet ist. Anführer dieser Aliens ist natürlich sein (noch lebender) Bruder Adolf Hitler (ebenfalls von Udo Kier gespielt). Aliens sind auch die US-Präsidentin Sarah Pallin (aus dem ersten Teil) und sämtliche zwielichtigen Politiker und Diktatoren des Planeten. Sie leben tief unten, im Mittelpunkt der Erde. US-Präsident Donald Trump kommt im Film nicht vor. Aber offenbar war noch Geld für einen eigenen Trump-Trailer übrig:

Dieser Trailer ist ein gutes Beispiel für die Mängel und Stärken des Films. Denn natürlich sind weder die Trivialität noch die Absurdität der Handlung das Problem. Vielmehr werden auf der Klaviatur der Trashfilm-Reminiszenzen oft ziemlich schiefe Töne gespielt.

"The Coming Race" droht immer wieder an der teilweise sehr seichten Satire zu scheitern. So sind zum Beispiel die platten Dialoge der "Jobisten" einfach nur schlecht. Sie könnten auch aus der Feder eines besonders lustigen Technologie-Nerds stammen. Zudem wirkt die Parodie auf Apple-Follower, die Steve Jobs und das "closed ecosystem" von Apple zur Religion erhoben haben, wie aus einer anderen Zeit. Das gilt auch für so manch anderen parodistischen Seitenhieb. Auch sind manche Szenen, Putin oder Thatcher beispielsweise, für die Handlung (gelinde gesagt) von nachrangiger Bedeutung. Satire nur der Satire wegen.

Nicht total schlecht

An anderer Stelle werden die Töne aber dann auch immer wieder gut getroffen: Mit einem Alien-Hitler, der auf einem T-Rex reitet, kann man in diesem Genre nichts falsch machen. Auch die Spezialeffekte sind genau richtig: B-Movie-Flair, aber dennoch nicht total billig. Die abgesehen von Udo Kier wenig bekannten Schauspieler holen das Beste aus ihren Charakteren heraus. Lara Rossi ist als Obi eine sympathische Heldin. Durch den ganzen Film zieht sich ein durchaus witziger "In your Face"-Humor, der immer wieder für Lacher und Schmunzeln sorgt.

"Iron Sky – The Coming Race" kratzt immer wieder und ganz knapp die Kurve. Zwar kann die Fortsetzung nicht das gute Trash-Niveau des ersten Teils halten, aber wirklich schlecht ist der Film auch nicht. Immer wenn der Film ins Grottenschlechte abzudriften droht, wird doch noch ein unterhaltendes Ass aus dem Ärmel gezogen. Hohe Genre-Affinität vorausgesetzt, ist "The Coming Race" daher trotz zahlreicher Schwächen durchaus ein unterhaltender Film geworden.