Filmkritiken
02.11.2016

"Homo Sapiens": Unsere Welt nach der Zombie-Apokalypse

Nikolaus Geyrhalters neuer Film beschreibt gewissermaßen den Zustand nach der Zombie-Apokalypse:

Gezeigt werden Orte, die zwar vom Menschen geschaffen wurden, jedoch den Anschein erwecken, die menschliche Existenz überdauert zu haben. Ein Einkaufszentrum, ein Theater, ein Kino, ein Schwimmbad, ein Krankenhaus, ein Bürogebäude, eine Bowlingbahn – oftmals Knotenpunkte des menschlichen Zusammentreffens.

Die Vögel als Hauptakteure

Nikolaus Geyrhalter nennt sein neuestes Werk zwar „Homo Sapiens“, bildet jedoch keinen einzigen Menschen ab. Das Kernthema sind vom Menschen verlassene Orte, die nach und nach von der Natur zurückerobert werden. Geyrhalter besticht mit einem statischen Bilderreigen und lässt diesen völlig für sich sprechen. Es gibt keine Dialoge und die Anordnung der Bilder wirkt auch eher unwillkürlich – was sie allerdings laut Cutter Michael Palm nicht ist. „Wir haben alle möglichen Variationen der Bilder ausprobiert,“ sagt Palm. Auch die Tatsache, dass die Einstellungen des Films über einen Zeitraum von mehreren Jahren entstanden sind, hatte erheblichen Einfluss auf die Post-Produktion.

Die Aufnahmen sind zwar oft statisch, aber nicht bewegungslos. Wenn etwa der Raum eines Gebäudes gefilmt wird und in den einfallenden Sonnenstrahlen Tausende Staubpartikel im Licht tanzen, oder wenn die Spiegelung einer Wasseroberfläche gefilmt wird und ständig Tropfen aufprallen, die das reflektierte Bild modifizieren.

Die Tier- und Pflanzenwelt erobert Gebiete zurück, teilweise bis zu dem Punkt, an dem Relikte der Menschheit quasi bis zur Unkenntlichkeit durch die Natur verschlungen werden.

Fiction meets Documentary

Geyrhalter beschreibt den Film als Hybrid aus Fiktion und Dokumentation. Für die Aufnahmen wurden etwa Graffitis entfernt, weil sie im Kontext der Bildkomposition nicht funktionierten oder es kam ein Laubbläser zum Einsatz, der zusätzlichen Wind ins Bild bringen soll. Allen voran wurde jedoch der Ton „erfunden“. Das Filmteam arbeitete fast ausschließlich mit selbstentworfenen, beziehungsweise nachvertonten, Atmo-Geräuschen. Das hatte vor allem den Grund, dass viele dieser Film-Orte gar nicht allzu fernab der Zivilisation zu finden sind, weshalb man Straßenlärm und Flugzeuge hörte, die einfach nicht ins Konzept passten.

Insgesamt ist ein wunderschöner Film gelungen, dessen einziges Manko eigentlich die Länge ist. Da sich einige Bilder in ihrer Aussage wiederholen, hätte man durchaus noch etwas kürzen können.

Katrin P. Fröstl

Film-Tipp der Redaktion: Unser täglich Brot

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