Filmkritiken
16.11.2016

"Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind": Ein Koffer voller Wunder

J.K. Rowling entwickelte aus einem fiktiven Lehrbuch, in das sich einst ihr Harry Potter vertieft hat, eine eigenständige Filmreihe. Fantasievoll und herrlich skurril.

Jetzt ist also J.K. Rowling auch in Amerika angekommen – oder zumindest ihre neue Hauptfigur Newt Scamander. Alles wirkt zunächst ganz normal: Da reist 1926 ein etwas linkischer Brite mit leichtem Gepäck in New York ein. Doch der kleine braune Lederkoffer, den er bei sich trägt und in dem es manchmal verdächtig rappelt, hat es wahrlich in sich: er bietet nämlich unendlichen Platz und beherbergt einen regelrechten zoologischen Garten, bevölkert mit lauter Tierarten, von denen wir bisher keine Ahnung hatten.

Unbekannte Arten

Zum Beispiel einen beutegierigen Niffler, der zwar eher maulwurfsartig aussieht, aber zugleich diebisch wie eine Elster ist - oder ein liebestolles Erumpent-Weibchen, das mit nashornhafter Wucht alles niederwalzt, wenn es durch einen bestimmten Geruch angelockt wird. Sobald dann der Koffer durch eine Vertauschung in falsche Hände gerät, machen einige der seltsamen Wesen fortan New York unsicher. Die eigentliche Gefahr droht aber von einem Menschen, in dem ungeahnte und machtvolle Zerstörungskräfte schlummern.

Ein neues Team

Als schrulliger Zauberzoologe erhält Eddie Redmayne Unterstützung durch zwei Hexenschwestern (Katherine Waterston und Alison Sudol), sowie durch den gewichtigen Komiker Dan Fogler, der einen Muggle spielt - also einen jener Menschen wie du und ich, die keine Ahnung haben, dass sie inmitten einer Welt voller Magie leben (bloß heißen sie in Amerika No-Majs). Mit dieser Figur des Normalsterblichen können wir uns als Kinozuschauer bestens identifizieren, denn ebenso wie er werden wir staunend zur Kenntnis nehmen, was da auf der Leinwand alles passiert.Das besonders Schöne daran: man kann diese Welt ganz unvorbereitet betreten, weil es - im Gegensatz zur „Harry Potter“-Reihe - keine Romanvorlagen gibt, da Rowling gleich direkt das Drehbuch geschrieben und einmal mehr bewiesen hat, welch begnadete Geschichtenerzählerin sie ist, die stimmige Figuren zu erfinden versteht und jedes noch so kleine Detail liebevoll ausgestaltet oder mit einem witzigen Schnörkel versieht.

Ein altvertrauter Name

Der Böse heißt diesmal Grindelwald: das ist ein Name, den Potter-Leser ohnehin im Ohr haben, denn an ein paar Stellen der Romane wurde dieser Zauberer, der als eine Art magisches Hitler-Pendant in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sein Unwesen getrieben hat, schon erwähnt. Wenn ganz zuletzt der Schurke kurz ins Bild kommt, dürfen wir uns auf eine Überraschung gefasst machen: ein Schauspieler, der gerne in exzentrische Verkleidungen schlüpft, wird ihn verkörpern (und in den geplanten weiteren vier Teilen sicher eine größere Rolle spielen).

Bekannte Zerstörungswut

Seltsam: sobald die Straßenschluchten einer amerikanischen Großstadt als Schauplatz dienen, fühlen sich die Filmemacher (in diesem FallDavid Yates, der bereits die vier letzten Potter-Filme inszeniert hat) fast zwanghaft dazu herausgefordert, sie in Schutt und Asche zu legen. Das passiert auch hier und durch all die spezialeffektvolle Katastrophenstimmung fühlen wir uns manchmal fast in eine Marvel-Produktion versetzt. Es gibt aber einen positiven Unterschied, denn kaum ist der enorme Sachschaden entstanden, findet Rowling eine sympathische Lösung, die Zerstörungen wieder rückgängig zu machen.9 von 10 Wunderpunkten aus Koffertiefen.

franco schedl

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