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06/23/2022

Happy Pride Month! Die 6 besten deutschen Gay-Movies

Auch die Deutschen und wir ÖsterreicherInnen haben es drauf, queere Geschichten auf unterschiedlichste Art und Weise zu erzählen.

von Manuel Simbürger

Böse Zungen behaupten: Jene, die auf Deutsch singen oder deutsche Filme drehen, wollen ja gar keinen Erfolg haben. Das ist natürlich Quatsch, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt auch in diesem Zynismus: Denkt man an Filme, sogar an irgendwelche "besten Filme", fallen einem vordergründig US-amerikanische oder zumindest englischsprachige Werke ein. Filme auf Deutsch reihen sich da eher weiter hinten ein.

Das ist bei queeren Filmen nicht anders. Obwohl das hier eigentlich unfair ist, denn die Wurzeln des Queer Cinema liegen nicht in Hollywood, sondern in der Weimarer Republik: Der 1919 erschienene Kurzfilm "Anders als die anderen" von Regisseur Richard Oswald gilt als der erste explizite Gay-Film der Welt und ist als Protest gegen den Paragraphen 175 entstanden, der Homosexualität unter Strafe stellte. 1920 wurde ein Aufführverbot gegen ihn ausgesprochen. 

 

Seitdem hat sich natürlich viel getan in der Welt, in der Kino-Landschaft und in der queeren Community. Was gleich geblieben ist, ist der hohe gesellschaftliche Stellenwert der Sichtbarkeit, zu dem LGBTIQ-Filme beitragen. Queere Filme helfen, Vorurteile abzubauen, über den heteronormativen Tellerrand zu blicken und sich selbst zu finden. Begrüßenswert also, dass es auch deutschsprachige FilmemacherInnen gibt, die sich mit queeren Themen beschäftigen – auch wenn hier noch Luft nach oben ist!

Unsere 6 besten deutschen schwulen Filme: 

Freier Fall (2013)

Zwei ineinander verliebte Polizisten, die sowohl gegen äußere als auch innerliche Hürden in Form von toxischer Männlichkeit, Gutbürgertum und verlorener Selbstkontrolle ankämpfen müssen: "Freier Fall" ist ein unangestrengt intensives Drama, das von den beiden starken Hauptdarstellern Hanno Koffler und Max Riemelt lebt.

Die stärksten Szenen sind nicht jene, in denen Homophobie innerhalb der Polizei angeprangert wird oder sich Marc gegen die konservative Mutter wehren muss. Es sind die intimen Momente zwischen den beiden Männern, in denen der Film seinen intensiven Sog entwickelt, dem man sich als ZuseherIn nur schwer entziehen kann.

Und auch ansonsten ist das Private, das Innere von Marc das, was "Freier Fall" zu einem ergreifenden Film macht: Wenn sein Welt- und Selbstbild ins Wanken gerät, wenn er zwischen Verleugnung und Wahrheit hin-und hergerissen ist und wenn der seelische freie Fall nicht mehr aufzuhalten ist, dann stockt einem auch beim Zusehen der Atem. 

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Die Mitte der Welt (2016)

Die deutsch-österreichische Verfilmung des 1998er-Romans von Andreas Steinhöfel ist ein schwerelos, aber doch atmosphärisch dichter Abgesang auf die persönliche Suche nach der Mitte der Welt, aber auch über Selbstverwirklichung, aufblühende Sexualität, Freiheit und das Recht des Anders-Seins. Die sommerlichen Bilder tragen zur Leichtigkeit des Films bei, der dabei aber nie trivial wird, sondern vielmehr das Dramatische und Melancholische, das "Die Mitte der Welt" ebenso innewohnt, auf beinahe magische Weise einfängt.

Eine cineastisch-verspielte Poesie über Erotik und Liebe, mit tollen SchauspielerInnen und einer beflügelnden Bildersprache.

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Nevrland (2019)

Der einzig österreichische Beitrag in unserer Liste – und jener Film, der mit jeder einzelnen Einstellung klarmacht, dass ihm nichts daran liegt, gemocht zu werden. Vielmehr will Jung-Regisseur Gregor Schmidinger mit drastischen Bildern, emotionaler Kälte, kühn-kühler Sexualität und nüchtern-harter Körperlichkeit das Publikum wachrütteln und zum Nachdenken auffordern.

"Nevrland" ist ein radikaler Filmtrip, irgendwo zwischen Coming-of-Age-Drama und Psychothriller angesiedelt und handelt vom Prozess des sexuellen Erwachens und der persönlichen Selbstfindung als schockierende Reise, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie immer mehr verschwimmen.

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Mario (2018)

Die Schweizer Produktion unter der Regie von Marcel Gisler handelt von der Liebe zwischen zwei deutschen Fußballern. Daraus hätte ein großes politisches Statement werden können, das laut Gesellschaftskritik übt und mit Fahnen und Trompeten die immer noch existente Homophobie im Profi-Sport anprangert. All das ist "Mario" nicht geworden – und das ist gut so!

Im Fokus stehen keine Parolen, sondern die tiefen, nuancen-reichen Gefühle der Protagonisten. Angenehm unaufgeregt und wertfrei, dafür aber umso eindringlicher, authentischer und nachwirkender erzählt der Film von Mario und Leon, die in einer Welt, in der toxische Männlichkeit regiert, Mann-Sein für sich neu definieren. Die Wucht, die der Film entwickelt, kommt aus der Stille. 

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Sommersturm (2004)

In dieser einfühlsamen Coming-Out-Story aus Deutschland erkennt Tobi (Robert Stadlober), dass er für Achim (Kostja Ullmann), seinem besten Freund seit Kindheitstagen, romantische Gefühle hegt. Er weiß nicht, wie er damit umgehen soll, denn Achim steht ganz klar auf Mädchen. Wie soll es mit ihrer Freundschaft nun weitergehen?

Eine Geschichte nicht nur für Personen, die noch ihr Coming-Out vor sich haben, sondern auch eine Story, die wie geschaffen ist für Jugendliche, die gerade selbst mit den Höhen und Tiefen der Pubertät zu tun haben. "Sommersturm" ist offenherzig, aber nie banal, dafür umso herzergreifender und mit einer jugendlichen sowie sommerlichen Leichtigkeit inszeniert. So ehrlich und intensiv ging man seinerzeit mit dem Thema Homosexualität in keinem deutschen Film um. 

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Romeos (2011)

Welche Rolle spielt die Geschlechtsidentität, wenn man sich verliebt? Schließlich spielt das Herz nach seinen eigenen Regeln – oder? Diesen Fragen geht die deutsche Rom-Com "Romeos" nach, die feinfühlig-beschwinglichen Humor mit sensiblem Drama verbindet und ein facettenreiches Psychogramm eines jungen Mannes zeichnet, der schmerzlich wieder erfahren muss, dass Transgender-Sein bedeutet, immer und immer wieder in falsche Schubladen gesteckt zu werden.

Wie es natürlich so ist, verliebt sich dieser junge Mann in einen anderen jungen Mann, der genau das Gegenteil von ihm verkörpert: überproportionales Selbstvertrauen und Männlichkeit, wie sie im Buche steht. Kann so jemand mit einer Transidentität umgehen?

"Romeos" wirft einen sehr ungewöhnlichen Blick auf das Thema Identität, verknüpft diese mit den zeitlosen Themen der Freundschaft, Liebe und des Erwachsenwerdens und stellt wichtige Fragen, ohne dabei das Mainstream-Publikum zu vergraulen. Frech, herzerwärmend und sehr sexy.

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