© Sony Pictures

Filmkritiken
08/14/2018

"The Equalizer 2": Gewaltsame Gerechtigkeit

Denzel Washington spielt erstmals in einem Sequel mit und sorgt auf seine ganz spezielle Art für Gerechtigkeit.

Denzel Washington sorgt mit viel Nachdruck und Gewalt wieder für ausgleichende Gerechtigkeit. Wie sehr ihm die Rolle des Ex-Agenten McCall wirklich ans Herz gewachsen sein muss, erkennt man unschwer an folgendem Umstand: erstmals in seiner langen Karriere macht er eine Ausnahme und wirkt an einem Sequel mit; bisher hat er nämlich noch nie dieselbe Figur ein zweites Mal verkörpert.

equalizer-2-1.jpg

McCall wird richtig wütend

Der Titelheld arbeitet inzwischen nicht mehr im Baumarkt, also stehen ihm keine Heimwerkerutensilien zur Verfügung, um neue Gegner fertig zu machen, aber das hat er auch gar nicht nötig, da in seinen Händen wirklich alles zur Waffe werden kann. Unser Wiedersehen mit McCall erfolgt zunächst in einer recht unverhofften Umgebung, denn er sitzt in einem Zug fern der Heimat und hat sich auch äußerlich ziemlich verändert. Wenig später ist er aber wieder in seinem vertrauten amerikanischen Umfeld und wir merken, dass er einen neuen Job ausübt, bei dem er in Kontakt mit vielen Menschen kommt – und so kann es nicht lange dauern, bis sein ausgeprägter Beschützerinstinkt erneut angesprochen wird. Außerdem erregt ein schwarzer Junge aus seiner Nachbarschaft das Interesse des Mannes und er hat etwas dagegen, dass der künstlerisch Begabte in die Kriminalität abgleitet. Doch auch dieser Handlungsstrang gehört nicht der Hauptgeschichte an: richtig wütend wird McCall nämlich erst, als ihn die Nachricht vom brutalen Mord an einer alten Bekannten erreicht.

equalizer-2-3.jpg

Eigenheiten des Equalizers

Die Hauptfigur ist nicht nur eine Waffe auf zwei Beinen, sondern verfügt auch über jede Menge schrullig Eigenheiten und Manierismen: sein Ordnungswahn lässt ihn Gegenstände genau nach der Tischkante ausrichten oder Obst symmetrisch aufreihen; und der Tick, die Stoppuhr anzuschalten, sobald eine Auseinandersetzung bevorsteht, wird auch hier wieder häufig angewendet (so wissen wir genau, dass er mit fünf Gegnern in nicht einmal 30 Sekunden fertig wird).

equalizer-2-6.jpg

Ungewöhnlicher Action-Held

Es ist klar, weshalb Washington von dieser Rolle dermaßen fasziniert ist, denn sie bietet für einen Charakterdarsteller vielfältige Möglichkeiten, sein Können zu entfalten. Wir gewinnen in „Equalizer 2“ noch tiefere Einblicke in das Innenleben dieser wohl ungewöhnlichsten Gestalt des gegenwärtigen Action-Kinos. Wobei die Genrebezeichung nur sehr ungenau bleibt, denn der Film lässt die üblichen Action-Kracher weit hinter sich: er ist zugleich Noir-Thriller, Rachedrama und Neowestern (man merkt genau, dass Regisseur Antoine inzwischen auch ein Remake von „Die glorreichen Sieben“ inszeniert hat). Übrigens bleibt der Film tatsächlich seinem Titel treu und scheint die Forderung „Gleiches Recht für alle“ zu vertreten, denn selbst Nebenfiguren, die vielleicht für fünf Sekunden im Bild sind und nur einen Satz sprechen, erhalten ein scharf umrissenes Profil verliehen, und wir werden uns noch lange an sie erinnern.

equalizer-2-5.jpg

Endkampf im Sturm

McCall wird diesmal geradezu von der Vergangenheit verfolgt: einerseits ist die tote Ehefrau allgegenwärtig, andererseits trifft er auf alte Kollegen, und das große Finale findet vor seinem ehemaligen Haus statt, das gerade von einem Orkan umbraust wird. Der Mann behält immer die Übersicht und lässt sich offenbar niemals überraschen. Wirklich erstaunlich ist höchstens, dass die schweren Jungs so leichtgläubig sind und ernsthaft davon ausgehen, es würde genügen, bis an die Zähne bewaffnen auszurücken, um ihren Gegner zur Strecke zu bringen. Das ist natürlich ein schwerer Irrtum und so hat McCall zuletzt etliche böse Typen abgeschlachtet, die das verdient haben, und die Welt ist dadurch womöglich wieder ein klein wenig besser geworden. Wobei die Brutalität hier niemals effekthascherisch wirkt, sondern uns nur drastisch vor Augen führt, wie unschön Gewaltanwendung nun einmal ist. Und außerdem sollte nicht vergessen werden: trotz allem Blut, das hier vergossen wird, hat Fuqua einen zutiefst menschenfreundlichen Film gedreht.

Zum Glück hat also Washington eine Ausnahme von seiner bisherigen Regel gemacht und der Fortsetzung zugestimmt, denn dieser Teil übertrifft den vorherigen noch an Spannung, Anspruch und Atmosphäre.

4 ½ von fünf durch McCall gebrochenen Fingern

franco schedl

Denzel Washington kehrt zurück in einer seiner bekanntesten Rollen und ist zum ersten Mal in seiner Karriere in einer Fortsetzung zu sehen.