Das ganze Leben liegt vor dir

 I 2008

Tutta la vita davanti

Tragikomödie 28.05.2010 117 min.
6.90
Das ganze Leben liegt vor dir

Virzì zeigt das Italien Berlusconis und konterkariert es mit dem Italien, wie es wir und die Italiener gerne sehen: heraus kommt dabei ein Film, der wirkt, als hätte man Woody Allen mit Roberto Benigni kombiniert.

Marta (Isabella Ragonese) ist jung, schön und hat soeben sehr erfolgreich ihr Philosophiestudium abgeschlossen. Sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich. Doch Marta hat Probleme einen Job zu finden. Als eine Stelle im Callcenter frei wird, greift sie beherzt zu. Und diese seltsame Welt hat für Marta durchaus ihren Reiz, besonders weil sie Talent im Umgang mit Menschen hat. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse...

Details

Isabella Ragonese, Micaela Ramazzotti, Sabrina Ferilli, Valerio Mastandrea u.a.
Paolo Virzí
Franco Piersanti
Nicola Pecorini
Paolo Virzí, Francesco Bruni
Polyfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Heidegger und Gruppendynamik
    2. Version:
    Marta (charmant und sexy Newcomer Isabella Ragonese) ist examinierte Philosophin mit Summa Cum Laude und arbeitet in einem Call Center. Das ist weißgott Stoff für eine Komödie mit viel Klamauk oder für eine überdrehte Sozialsatire. Regisseur Paolo Virzi schafft beides, aber mit Niveau, weil immer wieder anrührende menschliche Aspekte mit hineinspielen. Manche Figuren, Martas Freunde zum Beispiel, sind ein echter Witz, im Grunde aber eigentlich arme Säue, denen man mit schmunzelndem Mitleid begegnen muss. In diesem kollektiven Psychodrama ist der Erfolgsdruck in der Firma MULTIPLE enorm. Es wird gemoppt und gefeuert, es geht auch lustig und lebhaft zu. Und immer wieder schimmert ein ernster Hintergrund durch. Vieles ist ja wirklich Realität: wie die gruppendynamischen Übungen vor Arbeitsbeginn. Ein Ausraster geht dann allerdings mit seiner Tragik unter die Haut und ein heißes Nümmerchen im Auto sorgt für Lacher. Und auch der zwischenmenschliche Bereich pendelt zwischen Klamotte mit Stutenbissigkeit und befreienden Tränen an der Schulter einer lieben alten Kundin. Manche Szenen sind grotesk, Mord und Verhaftung fallen da etwas aus dem Rahmen, werden aber nicht notwendigerweise vertieft und durch die Beach Boys bzw. Doris Day aufpoliert. Mutters Tod mit Auferstehung und einem Tänzchen unterstreicht die Leichtigkeit dieser Inszenierung. Und Marta schafft es! Das ist auch gut so, denn ihr ganzes Leben liegt noch vor ihr.
    Gute Unterhaltung, die den Ernst des Alltags nie ganz aus den Augen verliert.

  • Missratene Parodie
    Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist nicht leicht diesem Machwerk etwas Positives abzugewinnen. Vielleicht ist es das Bemühen des Regisseurs eine Parodie zu schaffen, die sich auf die jüngste wirtschaftliche Situation Italiens bezieht. Sollte es etwa eine Abrechnung werden? Hier die schikanösen Arbeitsbedingungen in einem Call Center, wo eine examinierte Philosophin (der einzige Lichtblick Isabella Ragonese) trotz Examen mit Summa cum laude arbeiten muss. Sie passt nicht zu ihrem Umfeld.
    Mir viel Tohuwabohu, sinnfreiem Geplapper und affigem Rumgebalge agieren die übrigen Figuren. Sie bleiben distanziert zum dargestellten Thema, sind eigentlich sie selbst. Unreif und kindisch. Sie verschmelzen mit der Realität und liefern so kein Abbild, das die Ironie erkennbar macht. Der Humor ist nur etwas für Unbedarfte, platter und von der Größe einer Briefmarke, strebt er gegen Null. Die Situation bleibt vorwiegend so spannend wie ein Wackelpudding, aufregend wie der Drehrhythmus einer Waschmaschine. Was ironisch karikiert werden soll, ist meist albern und dämlich. Viele Dialoge klingen wie tra-la-la und bla-bla-bla. Da passen dann auch keine Morde ins Bild!? Man kommt um den Vergleich mit dem Kaugummi nicht herum, wenn man es aus dem Mund nimmt, es aber mit den Zähnen noch festhält.
    Selbst die Musik verdeutlicht den geschmacklichen Abstieg: singen zu Beginn wenigstens noch die Beach Boys, ist es am Ende die keimfreie Doris Day. K.V.