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filmkritik
02/21/2017

"Bailey - Ein Freund fürs Leben": Der Sinn des Lebens aus einer Hundeschnauze

Ein mehrfach wiedergeborener Hund denkt über den Sinn des Lebens nach. Klingt naiv und kitschig? Ist es auch! Aber die Vierbeiner sind halt einfach süß.

Der Titelheld erzählt uns sein Leben (beziehungsweise seine Leben) und macht treuherzige Hundeaugen dazu, was daran liegt, dass er tatsächlich ein Hund ist - und was für einer! Er könnte aus einem Werbespot für Buddhismus stammen oder das Haustier des Dalai Lamas gewesen sein, denn er behauptet, schon etliche Wiedergeburten hinter sich zu haben – zwar kehrt er immer als Hund zurück, aber die Rasse und das Geschlecht wechseln.

Klingt das nicht nach dem Stoff, aus dem etwas naive amerikanische Bestseller fabriziert werden? Tatsächlich hat der Amerikaner W. Bruce Cameron mit seinem gleichnamigen Roman ein Jahr lang die Bestseller-Liste der New York Times angeführt. Klar, dass man da auf eine Verfilmung nicht verzichten konnte. In Lasse Hallström wurde ein idealer Regisseur für das Projekt gefunden, denn der hat bereits vor ein paar Jahren Richard Gere mit dem Hund Hachiko zusammengebracht und „Eine wunderbare Freundschaft“ gestiftet.

Ein Blick aus der Hundenase

Hallström muss Hunde wirklich lieben, sonst hätte er sich nicht für eine solche klischeestrotzende Story hergegeben. Im Vergleich dazu wirkt jeder beliebige „Lassie“-Film geradezu oscar-verdächtig. Während die menschlichen Darsteller bei dieser Handlung oft auf verlorenen Posten stehen, sind die vielen Vierbeiner einfach entzückend anzusehen und trösten uns über so manche Schwäche hinweg. Immerhin hält sich der Regisseur mit ein paar exzentrischen Einstellungen schadlos: wir erleben die Vorgänge meist direkt aus der Hundeperspektive und einmal sehen wir doch tatsächlich aus dem Innern einer Hundenase auf die Welt.

Ungleich gewichtete Wiedergeburten

Der wandelbare Wuffwuff denkt über den Sinn des Lebens nach und redet - in verschiedenen Hundekörpern aber mit gleichbleibender Menschenstimme – 90 Minuten lang auf uns ein. Das wäre eigentlich ein ideales Konzept für eine Serie: pro Folge eine andere Hundeexistenz. Auf Spielfilmlänge übertragen, ergibt sich aber ein ziemliches Ungleichgewicht: die Hauptgeschichte mit Bailey und seinem jungen Herrchen nimmt über die Hälfte der Laufzeit in Anspruch; die restlichen drei Episoden werden dann ganz knapp in jeweils 10 Minuten abgehandelt. Als Spürhündin der Polizei ist unser tierischer Erzähler extrem pflichtbewusst und opfert sich im Dienst praktisch auf; während er im folgenden Hundeleben zum treuen Begleiter einer schwarzen Studentin wird. Da man sich als wiedergeborener Hund natürlich ganz genau an alle vorherigen Existenzen erinnern kann, gelingt es dem Vierbeiner dann in seiner nächsten Inkarnation, sein deutlich gealtertes Lieblingsherrchen (nun von Dennis Quaid gespielt) aufzuspüren, für dessen Liebesglück zu sorgen und ihn davon zu überzeugen, dass er DER alte Bailey ist.

Den Sinn des Lebens findet unser Wunderhund zuletzt selbstverständlich auch noch heraus und teilt ihn uns umgehend mit. Wer sich über diese Denkleistung wundert, sollte das wohl eher so sehen: statt die altbackenen Lebensweisheiten im eigenen Namen zu verkünden, ist es für einen Autor viel weniger peinlich, sie einem Hund in die Schnauze zu legen.

5 von 10 altbackenen Hundekuchen.

franco schedl

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