Filmkritiken
07/09/2018

"Die Farbe des Horizonts": Romanze mit Schiffbruch

Der Isländer Kormákur erzählt in einer Mischung aus Romanze und Drama vom Überlebenskampf eines Mädchens und seines Verlobten auf hoher See in den 1980er Jahren.

Der isländische Regisseur Baltasar ist offenbar ein Spezialist für Menschen, die sich Naturgewalten aussetzen und dabei in Bedrängnis geraten. Vor drei Jahren hat er mit „Everest“ ein Bergsteigerdrama inszeniert, das auf wahren Begebenheiten beruhte. Diesmal steigt er zwar auf Meeres-Höhe herab und wir bekommen höchstens Wellenberge zu Gesicht, aber auch die Vorfälle auf hoher See haben sich 1983 tatsächlich so (oder so ähnlich) zugetragen. 

 

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Ein Unglück und seine Vorgeschichte

Als der Film beginnt, ist das Unglück bereits geschehen und wir erleben in einer langen - scheinbar ungeschnittenen -  Einstellung mit, wie das Mädchen in der teilweise gefluteten Kajüte wieder zu sich kommt, in steigender Panik nach dem Verlobten sucht und ihren Kampf ums Überleben aufnimmt. Den restlichen Film hindurch erfahren wir dann, weshalb es eigentlich zu dieser Situation kommen konnte, denn Kormákur wechselt ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Während die Tage für das schiffbrüchige Mädchen und ihren schwer verletzten Freund ohne Aussicht auf Rettung vergehen, wird ihre romantische Vorgeschichte Stück für Stück erzählt, bis sich die beiden Zeitebenen einander zuletzt wieder angenähert haben. Daher wird es auch fast volle 90 Minuten dauern, bis wir endlich sehen können, wie der Hurrikane die Jacht schwer beschädigt.

 

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Südseeromanze bis der Sturm aufzieht

Fünf Monate zuvor ist die 23jährige Weltenbummlerin (eine sehr sympathische Shailene Woodley) dem 10 Jahre älteren Richard (Sam Claflin als Abenteurertyp und Frauenschwarm) auf Tahiti über den Weg gelaufen und es hat zwischen den beiden sofort gefunkt. Als der Segelprofi von Bekannten das Angebot erhält, deren Luxusjacht quer über den Pazifik nach San Diego zu überführen, willigt Tami rasch ein, ihn zu begleiten. Was daraufhin folgt, ist zunächst eitle Freude und recht süßlich: Viel Südseeromantik, Palmenstrände, Gitarrengesang, Wasserfreuden, die gemeinsame Betrachtung des rötlichen Sonnenuntergangs (wodurch der Film seinen Titel bezieht) und sogar ein Heiratsantrag auf offenem Meer. Diese relative Kitschigkeit lässt sich aber leichter ertragen, weil ja die Notsituation ständig präsent bleibt.

 

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Unvorbereiteter Kinobesuch

Man sollte der Versuchung widerstehen, sich vorab via Google oder andere Quellen über die näheren Hintergründe dieses Überlebenskampfs auf dem Pazifik zu informieren: Kormákurs Film wird desto besser funktionieren, je weniger man vom Schicksal der Segler Richard und Tami weiß. Das Ende ist dann nämlich ziemlich überraschend. So viel wird jedenfalls bald klar: Ihr Boot hat zwar Schiffbruch erlitten, ihre Liebe jedoch nicht – und die erhält sie in erster Linie am Leben.

7 von 10 knappen Essensrationen

franco schedl

Das Boot einer Abenteurerin wurde mitten auf dem Pazifik durch einen Hurrikan in ein Wrack verwandelt und für sie beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um sich und ihren verletzten Freund zu retten.