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Filmkritik
09/03/2019

"Hot Air": Trump-Fan im Scheinwerferlicht

"Waterboy" Regisseur Frank Coraci scheitert beim Versuch eine Tragikomödie mit politischer Relevanz auf die Leinwand zu bringen.

von Oezguer Anil

Lionel Macomb (Steve Coogan)  ist ein konservativer Radiosprecher, der täglich seine Hasstiraden ins ganze Land hinausposaunt. Er schafft es in seiner Show, die Balance zwischen politischen Inhalten und schwarzem Humor so zu halten, dass er seine menschenverachtende Weltanschauung als Unterhaltung verkaufen kann. Lionels Ex-Mitarbeiter Gareth (Skylar Astin) legt mit seiner neuen Sendung jedoch einen Erfolgsstart hin und bringt Lionels Status im Funkhaus gehörig ins Wanken. Als eines Tages die 15-jährige afroamerikanische Nichte Tess (Taylor Russell) vor der Tür des alten, reichen, weißen Mannes steht, sieht er sich mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert. Die hochbegabte Schülerin zieht bei ihm ein und hilft ihm beim Kampf gegen die sinkenden Quoten.

Großes Thema

Die US-amerikanische Independent-Produktion nimmt sich mit der Bearbeitung des aggressiven politischen Klimas in den USA ein großes Thema vor. Auf der einen Seite stehen die Angstmacher und profitgierigen Konservativen und auf der anderen die weltoffenen Liberalen, die für Gleichberechtigung kämpfen. Von Anfang werden die zwei unterschiedlichen Positionen allzu deutlich aufgezeigt, dennoch wird hier der Versuch unternommen, vermeintlich große moralische Fragen zu stellen, die weit über die Kinoleinwand hinausreichen sollen.

Billiger Abklatsch

Hot Air“ ist böse gesagt ein billiger Abklatsch des 1976 erschienen und mit einem Oscar für das beste Drehbuch ausgezeichneten Satire „Network“ von Sidney Lumet. Regisseur Frank Coraci scheint die thematische Ähnlichkeit kein bisschen gestört zu haben, sogar der Höhepunkt ist nahezu eins zu eins vom Filmklassiker kopiert. Eigentlich ist dieser Mangel an Kreativität kein Wunder, denn der Filmemacher sorgte in den letzten Jahren in seinen Komödien mit Adam Sandler und Kevin James für einen Misserfolg nach dem anderen.

Unglaubwüridg

Neben der schwachen Handlung bekleckern sich der Kameramann und die Szenenbildnerin auch nicht gerade mit Ruhm. Lionels Haus wirkt wie ein Schloss aus einem Kinderfilm und man fragt sich, wie die Schauspieler bei so einer absurden Kulisse eine ernste Miene beibehalten konnten. Die visuelle Gestaltung erinnert an Polizei-Serien der 90er Jahre und lässt das ohnehin schon unausgereifte Drehbuch noch lächerlicher wirken.

From Hero to Zero

Steve Coogan als gebrochener Held mit Schattenseiten wirkt stellenweise wie eine Karikatur seiner selbst. 2013 erhielt er noch dutzende Preise und sogar eine Oscar-Nominierung für „Philomena“, doch hier landet er einen absoluten Fehlgriff.

Ein konservativer Radiomoderator muss sich endlich damit auseinandersetzen, welche Macht seine Worte haben.