Fünf mal Zwei

 F 2004

5x2

Drama, Romanze, Kinderfilm 90 min.
6.70
film.at poster

François Ozon zeigt fünf starke Momente im Leben eines Paares - mit einem sensationellen Twist: rückwärts vom Ende zum Anfang.

Von der Gegenwart ausgehend rückwärts zu den Anfängen erzählt der Film die Geschichte des jungen Paares Gilles (Stéphane Freiss) und Marion (Valéria Bruni-Tedeschi) und ihrer wechselhaften Beziehung. Aber die Begebenheiten im Leben dieses durchschnittlichen Paares Mitte dreißig erfahren durch die gegenläufige Chronologie und ungewöhnliche Erzählweise eine ganz außerordentliche Spannung. In 5x2 arrangiert Ozon sein erzählerisches Puzzle zum gnadenlos liebevollen Doppelporträt einer ganzen Generation. Nach der exaltierten Hommage an die magischen 8 femmes und seinem raffinierten Krimi Swimming Pool demonstriert Ozon hier, welche Souveränität er nun gewonnen hat, welch elektrisierende Präzision er mit zwei grandiosen Darstellern wie Valeria Bruni-Tedeschi und Stéphane Freiss in Szene setzen kann. Fünf Kapitel aus der Geschichte eines Paars, vom Ende her erzählt, beginnend mit dem Scheidungsanwalt, endend mit der ersten Begegnung am Strand, inklusive Sonnenuntergang. Unendlich traurig, umwerfend schön und wahrhaftig. Traurig, weil Cocteaus maliziöse Definition der Liebe («Liebe heißt, dass einer leidet und der andere sich langweilt.») bewiesen wird, aber ohne Zynismus, ohne Ironie, mit einer gestischen Evidenz, wie sie nur das französische Kino hinkriegt: schwereloser Tanz und unerbittliche Wahrheit. Ozon kann uns Blicke vorführen, denen man jeden Funken der Leidenschaft uneingeschränkt glaubt, und Berührungen, die alle Schattierungen des Begehrens fühlbar machen. Um so grausamer, wenn dann dort, wo Zartheit und vertrautes Geflüster waren, das Szenario der Desillusionierungen in jeder Nuance durchgespielt wird: Eifersucht, Konkurrenz, Aversionen, Gleichgültigkeit. (Rainer Gansera)

(Text: Viennale 2004)

Details

Valeria Bruni-Tedeschi, Stéphane Freiss, Géraldine Pailhas, Françoise Fabian, Michael Lonsdale, u.a.
François Ozon
Philippe Rombi
Yorick Le Saux
François Ozon, Emmanuèle Bernheim
Polyfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Szenen einer Ehe
    Das Einmalige an diesem Film ist die Tatsache, dass die Liebes/Ehegeschichte in fünf Kapiteln rückwärts erzählt wird:
    • Scheidung mit letzter Vergewaltigung
    • Party mit zwei schwulen Freunden
    • Geburt des Sohnes
    • Hochzeit
    • Kennenlernen im Cluburlaub.
    Bereits im ersten Teil wird deutlich, dass die zwei nicht zusammen passen. Hier zeigt sich bereits die ganze Ambivalenz dieses gestörten Verhältnisses, das aus Zuneigung, Ablehnung, Missverständnissen und falschen Signalen besteht. Man fragt sich allerdings, warum geht Marion dann mit Ehemann Gilles überhaupt ins Bett nach der Scheidung? (Ein Abschiedsgeschenk?)
    Im zweiten Teil erzählt Gilles, dass ihm Marion beim Sex auf einer Swinger Party zugeschaut hat. (Rettet das die angeknackste Beziehung?)
    Bei der Geburt ist er nicht im Krankenhaus. (Hat er das Kind nicht gewollt?)
    In der Hochzeitsnacht schläft er ein, sie geht ins Gebüsch mit ‘nem Ami knutschen.
    Zufallsbekanntschaft im Urlaub war der Ausgangspunkt für diese 5 Kapitel Ehedrama. Bei der überlangen Schlusseinstellung fragt man sich allerdings ‘Haben sich die zwei überhaupt jemals geliebt?‘
    Weil man das Ende kennt, sieht man diese ganze Entwicklung distanziert. Die Länge gewisser Einstellungen lässt die Rückläufigkeit der Erzählung fast vergessen. Man ist gebannt von Valeria Bruni Tedeschis differenzierter Schauspielkunst, sowie dem Kurzauftritt der beiden Oldtimer Francoise Fabian und Michael Lonsdale, die Marions Eltern spielen mit Zank und Streit, aber auch Versöhnung. Ein echter Gegenpol. Ernüchternd realistisch.

  • Ideen einer Liebe
    Francois Ozon erzählt die Stationen einer Liebe rückwärts. Der Film beginnt bei der Scheidung und endet im Urlaub. Die Gründe für die Trennung können nur spekuliert werden, da Ozon so viele Auslassungen einsetzt, dass die Charaktere ungreifbar werden. Vielleicht ist das eine Methode, die den Mangel an Gefühl und Wahrheit verdecken soll, aber andrerseits ist in den Ehepartnern von beidem nicht viel vorhanden. Sie leben ständig die Idee einer Beziehung aus und nicht die Liebe selbst. Wenn man diesen Subtext im Auge behält, ergibt sich ein schönes Drama.