"High Fidelity" als TV-Serie
04/06/2018

Gute Idee? "High Fidelity" als TV-Serie mit weiblicher Hauptrolle

Disney macht den Film zur Serie: Funktioniert die romantische Komödie als zahme Familienserie aus weiblicher Perspektive?

von Erwin Schotzger

Mit Top-5-Listen ordnet Rob Gordon (John Cusack) in der Bestseller-Verfilmung "High Fidelity" seine Gedanken zu fast allem: Frauen, Songs, Filme, Berufswunsch und so weiter. Die romantische Komödie plant Disney nun zu einer TV-Serie für den eigenen Streaming-Service zu machen. Allerdings mit einigen Abweichungen vom Buch und auch vom Kinofilm: Cusacks Rolle als Plattenladenbesitzer und Musikliebhaber soll in der Serie eine Frau übernehmen. Außerdem soll die Serie ins familienfreundliche Disney-Programm passen und daher auch Sprache und Themen entsprechend brav bleiben. Ob das eine gute Idee ist?

 

Entschärfte Sprache

In der deutschsprachigen Version ist "High Fidelity" eine romantische Komödie für Erwachsene, die auch für Jugendliche ab 12 Jahren freigegeben ist. Aber die USA ticken anders: Dort war der Film im Jahr 2000 im Kino "Rated R for Language and Some Sexuality", also wegen zu freizügiger Sprache und sexuellen Inhalten erst freigegeben ab 17 Jahren. Die Hauptfigur lamentiert die ganze Zeit über vergangenen Beziehungen und das andere Geschlecht. Genau dieser zynisch-melancholische Beziehungskisten-Talk von Rob macht den Humor des Films aus. Diese Ich-Erzählung und direkte Anrede des Publikums soll auch in der Serie erhalten bleiben. Wenn aber sexuelle Themen und eine unanständige Sprache vermieden werden, wird aus "High Fidelity" bei Disney wohl ziemlich schnell eine zahme Teenie-Serie statt einer frechen Serie für adoleszente Erwachsene über Liebesbeziehungen und ihre Tücken.

Wohin die Reise geht, kann man erahnen: Denn die beiden Serien-Autorinnen Veronica West und Sarah Kucserka sind für ihre Zusammenarbeit bei der TV-Serie "Ugly Betty" für den Disney-Sender ABC bekannt. "Ugly Betty" (Bild oben) ist die US-Version einer kolumbianischen Telenovela, auf der auch die deutsche Serie "Verliebt in Berlin" basiert.

 

Weibliche Hauptfigur

Interessante neue Aspekte könnte hingegen das "Gender-Swapping" einbringen. Denn gerade die männliche Perspektive hat den Reiz des Films ausgemacht: Der Musik-Nerd, der selbstmitleidig über seine verflossenen Beziehungen lamentiert, ist eine typisch männliche Darstellung. Auch die Plattensammlung und der Plattenladen könnten als ein männliches Stereotyp interpretiert werden. Die beeindruckende Plattensammlung und der eigenwillige Musikgeschmack sind letztendlich nur ein Instrument männlicher Selbstdarstellung, um Frauen zu beeindrucken. Der Plattenladen ist ein adoleszentes Refugium, wo nach wie vor dieselben Regeln wie in vergangenen Tagen herrschen. Hier kann Rob mit seinem Musikgeschmack noch beeindrucken und ist nur für sich selbst verantwortlich.

Letztendlich dient Musik hier aber nur als kulturell hochstilisierte Tarnung. Getarnt wird damit das Festhalten an jugendlichen Wertvorstellungen und die adoleszente Verweigerung von Verantwortungsübernahme, vor allem in länger andauernden Liebesbeziehungen. Diese Aspekte des Films aus der weiblichen Perspektive zu betrachten, könnte durchaus spannend sein – aber wohl eher nicht unter den Rahmenbedingungen einer zahmen und familientauglichen Adaption des Filmklassikers. Denn dann sind plötzlich zu viele Themen tabu. Wie die beiden Serien-Autorinnen so den "romantischen Humor" und "authentischen Geist" des Originals in der Serien-Adaption einfangen wollen, bleibt abzuwarten.

 

Der Plattenladen-Besitzer Rob kommt in die Midlife-Krise. Gemeinsam mit seinen Angestellten sucht er nun den neuen Sinn seines Lebens.