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05/17/2021

So unterscheidet sich die Netflix-Serie "Halston" von der Realität

Die Netflix-Serie basiert auf dem Leben des Modeschöpfers Roy Halston, ist jedoch teilweise von der Realität weit entfernt.

von Lana Schneider

Seit 14. Mai ist die Miniserie "Halston" über den Modedesigner Roy Halston Frowick (gespielt von Ewan McGregor) auf Netflix zu sehen. Die fünf Folgen erzählen den Aufstieg und Fall des extravaganten Modeschöpfers in den 70ern und 80ern. 

Doch wohlgemerkt handelt es sich hierbei nicht um ein Biopic, sondern um eine schillernde Geschichte, die von Roy Halston Frowick lediglich inspiriert wurde. Wir klären auf, wie das "Battle of Versailles" wirklich ablief, warum Victor Hugo von vielen für Halstons Niedergang verantwortlich gemacht wurde und inwiefern die Familie des Modedesigners in der Realität Teil seines Lebens war. 

Achtung, dieser Artikel enthält Spoiler zur Miniserie "Halston" auf Netflix. 

So war das "Battle of Versailles" wirklich

In der zweiten Episode wird der Modewettkampf zwischen Frankreich und Amerika in den Fokus gerückt. In der "Battle of Versailles Fashion Show" traten im November 1973 die französischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent, Pierre Cardin, Emanuel Ungaro, Marc Bohan von Christian Dior und Hubert de Givenchy gegen die AmerikanerInnen Halston, Oscar de la Renta, Stephen Burrows, Bill Blass und Anne Klein an.

Wie die "Washington Post" beschreibt, war vor allem die diverse Auswahl der Models bei den amerikanischen DesignerInnen auffallend und ausschlaggebend für die erfolgreiche Show – diesen Aspekt beleuchtet die Miniserie jedoch kaum. Laut "Bustle", arbeitete Halston zudem regelmäßig mit Schwarzen Models zusammen und galt als einer der ersten Unterstützer der Topmodels Pat Cleveland und Iman.

Wer schlussendlich den Wettkampf gewann, ist bis heute subjektiv zu entscheiden. 

Warum Halston seinen Namen verkaufte

Kurz nach dem "Battle of Versailles" musste Halston seinen Namen aus finanziellen Gründen an Norton Simon verkaufen. Zehn Jahre später kündigte er eine Kooperation mit dem Modeunternehmen JCPenney an. In der Serie scheint Halston darüber kaum begeistert zu sein – wie "Bustle" jedoch beschreibt, soll der Designer damals hellauf begeistert gewesen sein. Seine billigere Modelinie für die Kette hätte ihm seinen Traum ermöglicht, "alle Frauen in Amerika" einzukleiden. 

Während die Netflix-Produktion von Regisseur Ryan Murphy ("American Horror Story") den Fokus auf seine Drogensucht und sein turbulentes Privatleben setzt, hatte die JCPenney-Kooperation in der Realität einen negativen Einfluss auf Halstons Karriere. Damals waren derartige Kooperationen von angesehenen Luxuslabels nämlich eine absolute Neuheit und empörten die Mode-Szene.

Victor Hugo als der Buhmann

Manche geben den Drogen und der Opulenz die Schuld am Scheitern des Labels Halston, andere wiederum Victor Hugo aus Venezuela.

Halston und Victor Hugo lernten sich kennen, als der Designer einen Callboy rief. Wie "Bustle" berichtet, war Hugo seitdem stets an der Seite des Modeschöpfers, zuerst als Dekorateur seiner Schaufenster, kurz darauf als Liebhaber. Der "Telegraph" nannte die Beziehung 2001 aufgrund des Geldes von Halston und Hugos Liebe zu Exzessen als Grund für den Fall Halstons. Autor und Modeinsider André Leon Talley meinte gegenüber der "New York Times": "Dieser venezolanische Junge war sein Untergang."

"Bustle" zitiert zudem einige Personen aus dem engsten Umfeld Halstons, wie Model Pat Cleveland: Hugo war ein "Bad Boy, der in jeder Menge Schwierigkeiten steckte".

In der Serie wird außerdem gezeigt, wie sehr Hugo den Designer ausnutzte und bestahl. "Ich glaube, dass Victor am Anfang die Person war, die Halston die Wahrheit sagen konnte. Aber das wurde dann immer manipulativer", meinte "Halston"-Produzent Daniel Minahan gegenüber der "Vanity Fair". Die Serie fokussiert sich somit nicht nur auf die vermeintlichen schlechten Seiten Hugos, sondern erzählt auch eine wirre Liebesgeschichte.

"Zumindest in unserer Geschichte ist die Dynamik zwischen Victor und Halston, dass Halston sich nie sicher ist, ob er Victor vertrauen kann. Er weiß nicht, ob Victor ihn wirklich liebt oder ob er das Privileg des Geldes liebt. Und ich denke, dass Victor nie sicher ist, ob Halston ihn wirklich liebt, weil er ihn als Sexarbeiter kennengelernt hat", fährt Minahan fort.

Halstons Familienleben

In der Netflix-Miniserie spielt die Familie des Designers kaum eine Rolle. Abgesehen von einigen fiktiven Flashbacks seiner Kindheit werden Familienmitglieder wie seine Geschwister oder Nichten und Neffen nicht thematisiert.

In Wirklichkeit verbrachte Halston jedoch seine letzten Monate umgeben von seiner Familie, während er mit den Folgen seiner AIDS-Erkrankung zu kämpfen hatte. Vor allem mit seiner Nichte Lesley Frowick hatte er ein enges Verhältnis – sie veröffentlichte 2014 das Buch "Halston: Inventing American Fashion" über seinen Werdegang. Wie sie "WWD" erzählte, hätte niemand der Netflix-Produktion mit ihr gesprochen, was eine teils fiktive Geschichte nahelegt. 

"Sie haben einige Leute aus seinem engsten Umfeld erreicht, ich weiß aber nicht, wer das sein soll. Sie haben uns nicht gefragt, es ist also eine unautorisierte Serie über das Leben meines Onkels und teils fiktiv, schätze ich", so Frowick.

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