Serien-Review: The Boys, Staffel 2

© Amazon Prime Video

Serien-Review
09/04/2020

"The Boys 2" auf Amazon Prime: Billy Butcher is back!

Spoilerfreier Serien-Review: Die großartige Superhelden-Serie der Produzenten Seth Rogen und Evan Goldberg hält auch in der zweiten Staffel das hohe Niveau.

von Erwin Schotzger

"The Boys", die Superhelden-Serie auf Basis des Kultcomics von Garth Ennis, geht heute in die mit Spannung erwartete zweite Staffel. Allerdings streamt Amazon Prime Video zunächst nur die ersten drei Episoden und liefert wöchentlich jeden Freitag eine der weiteren fünf Folgen nach. Das soll wohl die Spannung erhöhen und die erfolgreiche Serie für Erwachsene im Gespräch halten – ähnlich wie beim TV-Phänomen "Game of Thrones", das ja sowohl beim US-Sender HBO als auch hierzulande bei Sky immer wöchentlich zu sehen war. Zuletzt hat sich diese Strategie auch für Disney+ bei "The Mandalorian" ausgezahlt.

Tatsächlich ist Amazon Prime mit "The Boys" im Vorjahr ein Serien-Hit gelungen, der das Zeug zu einem "Game of Thrones" der Superhelden-Serien hat. Das liegt nicht nur daran, dass die Serie mit Gewalt, Sex und dreckiger Sprache nicht spart – und damit eindeutig auf ein erwachsenes Publikum zielt. Vielmehr ist "The Boys" wirklich gut geschrieben und auch großartig in Szene gesetzt.

Starke Charaktere mit Ecken und Kanten

Die Stärke der Superhelden-Serie sind auch in der zweiten Staffel die großartig besetzten Charaktere – allen voran Karl Urban als Billy Butcher und Antony Starr als Homelander. Sogar Nebenrollen bekommen genügend Raum und sorgen für ein faszinierendes und glaubwürdiges World-Building, aber auch für unerwartete Comedy-Einlagen. So erhellt etwa die Aquaman-Parodie "The Deep" (Chace Crawford) immer wieder die an sich eher dystopische Atmosphäre der Serie, wenn er zum Beispiel unter Drogen gesetzt an seinem Selbstwertgefühl arbeiten soll und dann mit seinen Kiemen den Song "You are so beautiful" singt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Serien sind die Figuren in "The Boys" allesamt vielschichtig und immer für eine Überraschung gut. Der knallharte, düstere Billy Butcher, von Karl Urban mit Kultpotenzial gespielt, zeigt immer wieder schwache und liebenswerte Seiten. Sogar der durch und durch verachtenswerte Bösewicht Homelander, ein perverser Wüstling mit bedenklich labiler Persönlichkeit und gefährlichen Allmachtsfantasien, darf immer wieder zutiefst menschliche Regungen zeigen. Mit (fast) jeder Figur kann man an irgendeiner Stelle mitfühlen, auch wenn sie eigentlich extrem nervt (wie der weinerliche Loser Hughie), enttäuscht (wie die rückgratlose Maeve) oder wirklich bösartig ist (wie Homlander und Stormfront, die Neue im Team). Die Schurken zeigen glaubhaft ihre menschlichen Seiten und auch bei den Helden kommen immer wieder dunkle Seiten zum Vorschein. Die großartig geschriebenen und besetzten Charaktere machen "The Boys" zu einem hochkarätigen Action-Drama, das in der Serien-Oberliga mitspielt.

Dystopisches Superhelden-Drama mit allem, was ein Serien-Hit braucht

Die Handlung setzt unmittelbar nach dem spektakulären Cliffhanger der ersten Staffel ein. Wer die erste Staffel noch nicht gesehen hat: Achtung Spoiler!

Billy Butcher musste mit Schrecken feststellen, dass seine totgeglaubte Frau Rebecca (Shantel VanSanten) noch lebt. Sie lebte bisher mit dem durch Vergewaltigung entstandenen Sohn von Homelander an einem geheimen Ort. Nun hat Homelander ihr Versteck entdeckt und sogar Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue) getötet – trotz seiner pervers-ödipalen Fixierung auf die Vought-Managerin.

Doch wer glaubt, dass das Drama nun nach der langsamen Aufbauarbeit der ersten Staffel endlich Fahrt aufnimmt, wird zunächst enttäuscht. Wieder nimmt sich "The Boys" ziemlich viel Zeit. Das ist auch die einzige Schwäche, die man der zweiten Staffel vorwerfen könnte. Ein langsamer Spannungsaufbau ist zu Beginn nachvollziehbar. Irgendwann wünscht man sich dann doch ein wenig mehr Tempo und auch mehr Action. Und zumindest in den ersten beiden Episoden ist man vor allem von der idiotischen Naivität von Hughie genervt und stellt sich schon die Frage, wann Butcher und sein Team endlich einmal zurückschlagen.

Doch Seth Rogen und Evan Goldberg, die Macher von "The Boys", und ihr Team haben es diesmal (anders als bei "Preacher") ganz gut geschafft, die richtige Balance zwischen gefühlvollem Drama und spannendem Thriller, zwischen langsamen Spannungsaufbau und spektakulären Actionszenen zu finden. Den spätestens in der Mitte der dritten Episode kommt Bewegung in die Superhelden-Geschichte.

An der Spitze des mächtigen Vought-Konzerns steht nun Stan Edgar (Giancarlo Esposito), der kein so inniges Verhältnis zu Homelander hat wie Madelyn Stillwell. Er bringt Stormfront, großartig besetzt mit Aya Cash ("You're the Worst"), als neue Superheldin ins Team der "Seven". Sie macht Homelander die Führungsrolle streitig, führt aber auch noch etwas anderes im Schilde.

Als öffentlich bekannt wird, dass Superhelden tatsächlich nicht als solche geboren, sondern vom Vought-Konzern durch die Substanz "Compound V" geschaffen werden, glaubt der naive Hughie schon an einen Sieg. Doch die Dinge entwickeln sich in eine andere Richtung.

Hier sei nur so viel verraten: "The Boys" steigert sich auch diesmal wieder zu einem fulminanten Finale und baut dabei eine überaus intelligente Metapher auf: Der korrupte Konzern Vought und seine Superhelden stehen für die Scheinheiligkeit der US-Waffenlobby und deren erfolgreiche Strategie, die eigenen Produkte in einer immer deutlicher zutage tretenden Krise als Lösung zu präsentieren, obwohl sie eigentlich die Ursache des Problems sind. Dabei werden Angst vor Terrorismus und Amokläufen, Massenhysterie und Korruption auf allen politischen Ebenen skrupellos für die eigenen wirtschaftlichen Ziele eingesetzt.

"The Boys" hält auch in der zweiten Staffel das hohe Niveau. Wir warten schon jetzt gespannt auf die dritte Staffel!

 

Die Superhelden-Serie "The Boys" ist bei Amazon Prime Video zu sehen.

 

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