© Benjamin Loeb / Netflix

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03/18/2021

5 Filme auf Netflix, die dich zum Weinen bringen

Bitte Taschentücher bereithalten: Diese Filme auf Netflix drücken ganz gehörig auf die Tränendrüse!

von Manuel Simbürger

Man kann Menschen in zwei Lager teilen: Jene, die, wenn sie traurig sind, bewusst heitere Musik hören, um der eigenen Gefühlswelt wieder einen Dopamin-Schub zu verleihen. Und jene, die bei Weltuntergangs-Stimmung zu Balladen oder ähnlichen herzzerreißenden Musik-Werken greifen. Genauso verhält es sich auch mit Filmen.

Wieso aber greifen viele von uns statt zu Komödien, in denen wir uns auf ein sicheres Happy End freuen dürfen, lieber zu todtraurigen Dramen, die auf die Tränendrüse drücken? Gerade deshalb: Weil sie uns helfen, zu weinen. Sie triggern und helfen uns, loszulassen, von der inneren Anspannung Abstand zu nehmen und den erdrückenden Gefühlen freien Lauf zu lassen. Das wirkt wahnsinnig befreiend und seelenreinigend – oder, auf g'scheit ausgedrückt: kathartisch. 

Eine US-amerikanische Studie der Ohio State University wollte der Frage, wieso traurige Filme bei trauriger Stimmung helfen, wissenschaftlich auf den Grund gehen und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Zumindest vorübergehend macht uns ein Non-Happy-End happier. Weil es uns dazu bringt, über die positiven Seiten unseres Lebens nachzudenken und diese mehr zu schätzen. Ein glückliches Film-Happy-End würde uns stattdessen schmerzlich bewusst machen, was in unserer Lebenswelt fehlt und worüber wir trauern.

5 traurige Netflix-Filme:

Pieces of a Woman (2020)

"Pieces of a Woman" beginnt mit den vielleicht emotional intensivsten und quälendsten 30 Minuten der Filmgeschichte: Ohne Schnitt und mit Mut zur drastischen Nähe zeigen Regisseur Kornél Mundruczó und die beiden Hauptdarsteller*innen Vanessa Kirby und Shia LaBeouf eine Hausgeburt, die mit einer schrecklichen Tragödie endet: das Baby stirbt. Wie eine Mutprobe wirkt diese halbe Stunde auch für die Zuseher*innen, denn man kämpft ständig gegen den sich selbst schützenden inneren Drang, abzudrehen oder zumindest wegzuschalten. Es klingt makaber, aber: Dranbleiben lohnt sich!

Denn was folgt, ist ein stilles Manifest der Trauer, das zwar an die drastische Intensität des Filmbeginns nicht mehr ganz herankommt, aber trotzdem in der Seele und im Herzen wehtut. Als Zuseher*in ist man wütend wie LaBeouf und fragil wie Kirby, die emotionale Zerrissenheit ist auch für uns vor dem Bildschirm ein beinahe unüberbrückbarer Kraftaufwand. "Pieces of a Woman" ist eine sehr persönliche, schmerzvolle und schließlich transzendente Geschichte einer Frau, die lernen muss, mit ihrem Verlust zu leben.

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Irreplaceable you (2018)

"Irreplaceable you" ist die herzerwärmende, romantische Geschichte von Abbie (Gugu Mbatha-Raw) und Sam (Michiel Huisman), beste Freunde seit ihrer Kindheit, die mittlerweile glücklich verlobt sind und voller Freude ihrer Traumhochzeit entgegenfiebern. Alles ist perfekt – bis es das eines Tages nicht mehr ist: denn bei Abbie wird vollkommen überraschend Krebs im Endstadium festgestellt. Das Paar versucht, sich mit einer Zukunft zu arrangieren, bei der nur eines sicher zu sein scheint: ihre Begrenztheit. Abbie beginnt, auf rührende, aber auch humorvolle Art, eine neue Liebe für Sam zu suchen, um ihn vor dem endlosen schwarzen Loch nach ihrem Tod zu bewahren. Denn dass dieser sicher eintritt, das erfahren wir bereits ganz zu Beginn des Films. Und immer steht die Frage im Raum: Wie verabschiedet man sich am besten?

Höchst respektvolles und einfühlsames Drama, das trotz des traurigen Themas auch seine humorvollen Momente hat. Melancholie und Trauer sind aber trotzdem die vorherrschenden Gefühle, die sich auch auf den/die Zuseher*in übertragen. "Irreplaceable you" ist eine herzzerreißende Elegie des Lebens – und zu Recht von Netflix-User*innen im Rahmen einer Umfrage zum traurigsten Film des Streaming-Anbieters gewählt worden.

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Systemsprenger (2020)

Zu sagen, die neunjährige Benni (überragend: Helena Zengel) hat Schwierigkeiten, ihr Temperament zu zügeln, wäre wohl eine maßlose Untertreibung. Das Mädchen ist derart aggressiv und unberechenbar, dass sie schon mal mit einem Messer auf einen Erwachsenen losgeht. Auch ihr Gesicht darf keiner berühren – aufgrund früherer traumatischer Erlebnisse. Von der Förderschule wurde sie suspendiert, die Kinder- und Jugendhilfe spricht vom Kind als einem Prototypen sogenannter "Systemsprenger". Bennis eigene Mutter hat Angst vor ihr. Die letzte Hoffnung: Anti-Aggressions-Trainer Micha. Dieser greift bei Benni zu ungewöhnlichen Mitteln.

Das Regie-Erstlingswerk von Nora Fingerscheidt ist authentisch bis in den letzten Szenenwinkel und besticht vor allem durch das erschreckend intensive Spiel von Helena Zengel, die uns auch in ihren gewaltbereitesten Momenten immer zu verstehen gibt, dass Benni eigentlich nur auf der Suche nach Liebe und Verständnis ist. Wenn das kleine, zornige Mädchen sich Micha inmitten der Stille des Waldes anvertraut und davon überzeugt ist, dass ihre Mutter sie hasst, dann ist da plötzlich kein "schwieriges", sondern ein zutiefst einsames und unverstandenes Kind vor uns.

"Systemsprenger" ist ein lebendiges, viszerales und höchst emotionales Psychogramm einer fragilen Kinderseele, das ohne eine große Packung Taschentücher nicht bis zum Ende durchgestanden werden kann.

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Wie ein einziger Tag (2004)

Einer an Alzheimer erkrankten Frau, die in einem Pflegeheim lebt, wird von einem 84-jährigen Mann eine Geschichte aus einem alten Notizbuch vorgelesen. Diese spielt um 1940 und handelt von einem Paar, das trotz Klassenunterschieden zueinander findet und beschließt, das Leben miteinander zu verbringen – allen schwierigen Hindernissen zum Trotz.

Ruhig, angenehm unaufgeregt und deshalb höchst emotional und berührend, erzählt "Wie ein einziger Tag" von der Unsterblichkeit einer großen Liebe, die gegen das Vergessen ankämpft und in der Vergangenheit lebt, weil es keine Gegenwart und schon gar keine Zukunft gibt. Poetische und tief traurige Romantik, die einem das Herz aus dem Leibe reißt und einen emotional nackt zurücklässt. 

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My Girl – Meine erste Liebe (1991)

Vada (Anna Chlumsky) ist zwar erst elf Jahre alt, hat aber bereits reichlich Erfahrung mit dem Tod gemacht: Nicht nur, dass ihr Vater Harry (Dan Akroyd) Besitzer eines Bestattungsunternehmens ist, auch ihre Mutter ist bereits kurz nach ihrer Geburt gestorben. Als sich Harry in seine Angestellte Shelly (Jamie Lee Curtis) verliebt, ist Vada jedes Mittel recht, um diese Beziehung zu verhindern. Dabei steht ihr ihr bester Freund Thomas (Macaulay Culkin) zur Seite, der aufgrund zahlreicher Allergien das Leben nicht so genießen kann, wie er es gerne würde. Und auch in dieser zart-romantischen Beziehung kann Vada dem Tod nicht entrinnen.

"My Girl" ist eine sowohl humorvolle als auch tief traurige Coming-of-Age-Story, deren Ausgang als eines der berührendsten und auch überraschendsten Film-Enden in die Geschichte einging und noch heute als Synonym für eine unglückliche Liebe gilt, der bereits jede Chance genommen wurde, bevor sie überhaupt aufblühen konnte. Eine Parabel über das Erwachsenwerden, die eine gesamte Generation geprägt und uns auf ewig für Bienenstiche sensibilisiert hat.

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