Filmkritiken
09.10.2018

"The Happytime Murders": Das Sterben der versauten Puppen

Das derbe Puppenspektakel mit Melissa McCarthy kann sehr vergnüglich sein, wenn man Kraftausdrücke nicht scheut.

Wenn das so weitergeht, ist bald die ganze Puppenwelt entvölkert. Zunächst müssen wir erst mal eine überraschende Tatsache akzeptieren: Puppen sind Wesen wie du und ich. Allerdings werden sie deutlich benachteiligt, weil die meisten Menschen (in Puppensprache „Fleischis“) auf sie herabblicken – und daran ist nicht nur der Größenunterschied schuld. Ansonsten führen sie ein Leben, das sich von unserem nicht unterscheidet. Daher können sie auch umgebracht werden. Genau das tut ein mysteriöser Serienkiller, der es auf Mitglieder der sogenannten „Happytime Gang“ abgesehen hat und einen nach dem andern von ihnen, die einst in einer TV-Show für Kinder aufgetreten sind, sehr unschön ins Jenseits befördert.  Mal dient als Mordwaffe eine Schrotflinte, dann kommen Hunde zum Einsatz und beweisen, dass sie Puppen zum Fressen gerne haben; aber es kann auch eine Autobombe sein, und eine Flugzeugturbine ist ebenfalls nicht zu verachten. 

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  Ein blauer Ermittler

Der von Kopf bis Fuß blaue und flauschige Privatdetektiv Phil Philips nimmt die Ermittlungen in diesem Fall auf. Dafür muss er zwangsläufig mit seiner menschlichen Ex-Kollegin Detective Connie Edwards ( Melissa McCarthy) kooperieren, obwohl sich die zwei gar nicht mehr leiden können. Früher waren sie Partner bei der Polizei, bis ein tragischer Zwischenfall dazu geführt hat, dass Puppen nicht mehr als Cops akzeptiert wurden. Nun müssen sich die beiden wohl oder übel wieder zusammenraufen – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen.

Das alles klingt nach den idealen Voraussetzungen für eine gelungene Krimikomödie im Stil von „Roger Rabbit“. Melissa McCarthys Mitwirken sollte uns zunächst allerdings vorsichtig stimmen, denn diese Frau dreht seit ein paar Jahren keine guten Filme mehr: „The Boss“ und „How to Party with Mum“ waren einfach nur schlecht und das feminine „Ghostbusters“-Remake konnte ebenfalls nicht überzeugen. Diesmal findet sie zum Glück jedoch zu ihrer alten Comedy-Größe zurück: sie verbeißt sich regelrecht in ihre Rolle (und fallweise auch in ihren Puppenpartner).

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Miskreant Puppets

Die Puppen erinnern uns nicht ohne Grund an alte Bekannte, denn Brian Henson, Sohn des „Muppet“-Erfinders Jim Henson, hat sein OK gegeben, dass die bunte kinderfreundliche Stoff-Truppe endlich ihr wahres Gesicht zeigen darf – auch wenn alte Fans der „Muppets Show“ und „Sesamstraße“ ziemlich geschockt sein dürften. Natürlich treten hier nicht Kermit, Miss Piggy oder andere Berühmtheiten persönlich in Erscheinung, sondern Henson schöpft aus dem Fundus seiner „Miskreant Puppets“, einer Puppen-Truppe, die er bereits 2007 unter dem Markennamen „Henson Altenative!“ für nicht jugendfreie Auftritte ins Leben gerufen hat.  Insgesamt spielen im aktuellen Werk 125 Puppen mit, von denen 36 eigens für den Film kreiert wurden.

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Puppen ohne Hemmungen

Sobald man damit rechnen muss, in Kürze umgebracht zu werden, lässt man auch als Puppe erst recht die Sau raus.   Die bunten Wesen sind kleine Zucker-Junkies, liefern sich Schlägereien in schmierigen Hinterzimmern, fluchen, was das Zeug hält, leben mit Menschen in gleichgeschlechtlicher Ehe, und als der blaue Detektiv eine Puppen-Nymphomanin als Klientin erhält, führt das zu einem derart heftigen Sexerlebnis, dass nachher das gesamte Büro saubergemacht werden muss (aber seine von Maya Rudolph gespielte Sekretärin greift gerne zum Putzlappen, weil sie ihren Chef anhimmelt).

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Immer ein passender Kraftausdruck

Nur die Sache mit den Kraftausdrücken hätten sie nicht so übertreiben müssen. Natürlich ist das als Stilprinzip gedacht, wirkt aber in dieser Häufung bald nur noch kindisch. Wenn jemand bei den Dreharbeiten einen Satz ohne „Fuck“ und „Shit“ gesagt hat, gab es bestimmt Strafpunkte und der Übeltäter musste sich vor der gesamten Crew vielmals entschuldigen.

Wer Melissa McCarthy also schon immer mal mit schmutzigen Puppen spielen sehen wollte, ist hier genau richtig. Ein großer, derber Krimispaß, für dessen Bewertung man erst den richtigen Kraftausdruck erfinden muss: #§*/°$%

4 von 5 abgetrennten Puppenkörperteilen

franco schedl