"Aus dem Nichts": Diane Kruger will Rache

Warner Bros. Pictures Germany

Als Katja Sekerci ( Diane Kruger) vor das Geschäft ihres Ehemanns (Numan Acar) fährt, stehen bereits ein Dutzend Polizeiautos und ein Krankenwagen davor. Ihr Mann und ihr Sohn wurden bei einem Bombenanschlag getötet. Durch die Drogenvergangenheit ihres Mannes suchen die Behörden den Täter im kriminellen Migranten-Milieu. Katja behauptet, die Täterin vor dem Anschlag gesehen zu haben und vermutet die Drahtzieher in der rechtsradikalen Szene. Nach der Trauerphase kommt es zum Prozess, bei dem zwei deutsche Täter mit rechtsradikalem Hintergrund auf der Anklagebank sitzen. Ein Prozess, dessen Urteil weit über den Gerichtssaal hinausreicht.

Wahre Begebenheit

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Nach dem Historienfilm „The Cut“ und der Bestsellerverfilmung „Tschick“, widmet sich Fatih Akin wieder einem politischen Thema. Der Ausgangspunkt für „Aus dem Nichts“ sind die rassistischen NSU-Morde an Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland zwischen 2000 und 2006. Akin setzt sich nicht nur mit der Tat, sondern vor allem mit dem Umgang der Behörden mit den Tätern auseinander. In drei Akten versucht er, den Schmerz der Hinterbliebenen, das unter Druck geratene Rechtssystem und die Rachegelüste seiner Figuren zu zeigen. Dabei bleibt Akin gewohnt politisch und führt das Publikum mit einer großartigen Diane Kruger durch die Geschichte.

Emotional

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Fatih Akin schaffte es früh in seiner Karriere ganz nach Oben, mit seinem 2004 erschienenen Meisterwerk „Gegen die Wand“, gewann der damals 30 jährige Regisseur auf der Berlinale den Goldenen Bären. Sein Stil zeichnet sich vor allem durch seine Liebe zu Genrefilmen und großen Emotionen aus. Auch in „Aus dem Nichts“ bleibt er seinem Stil treu, doch im ersten Drittel des Filmes gleicht der Thriller mehr einem gut erzählten Tatort, als einem Anwärter für die Goldene Palme. Gerade wegen seiner politischen Brisanz kann er auch im zweiten Teil nicht wirklich überzeugen. Akin bleibt zu den Tätern stets auf Distanz und fokussiert sich hauptsächlich auf das Leid seiner Hauptfigur, weshalb er nie in einen ernsthaften politischen Diskurs tritt. Emotional funktioniert „Aus dem Nichts“ in allen Belangen, durch die Dreiteilung der Handlung wird immer wieder Spannung aufgebaut, die durch den Wechsel von Handkamera auf Stativ auch visuell spannend umgesetzt ist.

Diane Kruger erstmals auf deutsch

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Diane Kruger gehört inzwischen zu den größten europäischen Schauspielerinnen der Gegenwart und hat schon mit Regiegrößen wie Quentin Tarantino oder Jaco van Dormael zusammengearbeitet, doch „Aus dem Nichts“ ist ihr erster deutscher Film. In ihrer Rolle als drogensüchtige Mutter ist Diane Kruger kaum wieder zu erkennen. Akin schrieb die Rolle zunächst für Dennis Moschito, doch als er auf einer Feier mit Kruger ins Gespräch kam, sagt sie, dass sie gerne mit ihm zusammenarbeiten möchte. Gesagt, getan, Akin schrieb das Drehbuch um, besetzte Kruger für die Hauptrolle und gab Moschito eine Nebenrolle als ihr fürsorglicher Anwalt. Kruger überzeugt auch an Stellen, an denen das Drehbuch schwächelt, und erhielt verdientermaßen in Cannes die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin.

Aus dem Nichts“ ist ein brisanter politischer Thriller, der emotional Aufwühlt und einem lange nach dem Kinobesuch noch beschäftigt.

7 von 10 Samurai-Tattoos

Özgür Anil

Aus dem Nichts

Aus dem Nichts

D 2017
Drama
24.11.2017
Fatih Akin
Nachdem ihr Mann und Sohn bei einem Bombenanschlag getötet wurden, sucht eine Frau Rache in der Neonazi-Szene.
7.10

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