Fantasy oder Sci-Fi: Was ist eigentlich der Unterschied?

Lucasfilm

Was ist der Unterschied zwischen Fantasy und Science-Fiction? Das ist ja sowas von offensichtlich, werden hier viele einwenden. Aber ist das wirklich so eindeutig? Ja, schon klar: "Herr der Ringe" und "Game of Thrones" sind Fantasy. "Blade Runner" und "Star Trek" sind Science-Fiction. Auch klar. Aber was ist dann "28 Days Later" und "The Walking Dead"? Sind Zombies Fantasy oder Sci-Fi. Oder wie schaut es mit "Mad Max" und "The Handmaid's Tail" aus: Endzeit-Fantasy oder dystopische Science-Fiction? Oder Zeitreise: Sind "Terminator" und "Doctor Who" Fantasy oder Sci-Fi? Und was, um die Verwirrung komplett zu machen, ist eigentlich "Star Wars"?

Wir starten an dieser Stelle einen Klärungsversuch in dieser Nerd-Debatte – und finden, dass diese Szene aus der (viel zu früh eingestellten) TV-Serie "Party Down" ein guter Ausgangspunkt ist:

Magie oder Wissenschaft

Fantasy überschreitet die Grenzen der Realität in einer Art und Weise, die mit Naturgesetzen und im Rahmen wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr erklärbar ist. Damit ist Fantasy wohl auch das älteste fiktionale Genre der Welt. Denn sämtliche mythologische Götter- und Heldensagen fallen in diese Kategorie: Götter, Dämonen, Engel, Vampire, mythologische Tier- und Fabelwesen, Monster und sonstige magische Figuren, Gegenstände und Fähigkeiten – auch die Superkräfte der allseits beliebten Superhelden. Alles eine Art von Magie.

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Steht hingegen die zukünftige Weiterentwicklung der Wissenschaft und vor allem menschlicher Technologie im Mittelpunkt, dann ist es Science-Fiction. Das geht ja schon aus der Genrebezeichnung hervor: "Wissenschaftsfiktion". Der deutsche Begriff "Zukunftsroman" deckt bereits viel mehr ab als nur Sci-Fi. Denn hier kommen auch Dystopien und alle Zukunftsszenarien ins Spiel, die auch ohne eine Weiterentwicklung gegenwärtiger Wissenschaften und Technologien möglich erscheinen.

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Endzeit-Szenarien und Dystopien sind nicht unbedingt Science-Fiction im engeren Sinne: Die Zombie-Apokalypse wird zwar heute meist auf einen Virus oder in"The Girl with All the Gifts"(2016) auf eine Pilzinfektion zurückgeführt, ist aber dennoch wissenschaftlich unmöglich. Auch bei"Planet der Affen"ist die wissenschaftliche Suppe dünn. Hingegen ist das Endzeit-Szenario bei"Mad Max"(Zivilisation nach einem Atomkrieg) und die dystopische Gesellschaft in der TV-Serie"The Handmaid's Tale"(zunehmend unfruchtbare Menschheit nach Umweltkatastrophen) durchaus im Sci-Fi-Rahmen, weil es hier um die zukünftigen Folgen von Technologien geht.

Alternative Realität oder mögliche Zukunft

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Die nahe oder ferne Zukunft ist der bevorzugte Schauplatz von Science-Fiction. Science-Fiction ist dann am eindrucksvollsten, wenn die dargestellte Zukunft in vielen Aspekten bereits eingetreten ist oder demnächst Realität werden könnte. Die Techno-Paranoia-Serie"Black Mirror"ist dafür ein wunderbares Beispiel. Fantasy fühlt sich hingegen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleich wohl. Fantasy wirkt umso stärker je bizarrer und bunter die dargestellte Fiktion in bestimmten Aspekten von der tatsächlichen Realität abweicht. Das heißt natürlich nicht, dass Fantasy sich an keinerlei Regeln halten muss. Beide Genres müssen irgendwie in der menschlichen Realität verankert sein. Doch Fantasy kann die Grenzen des Realen deutlich weiter dehnen.

Fazit: Drachen und fantastische Tierwesen sind Fantasy. Raumschiffe und Androiden sind Sci-Fi. Zauberstäbe, Schwerter und mystische Gegenstände: Fantasy. Laserpistolen, Kampfdrohnen und Virtual Reality: Sci-Fi. Zauberer und Dämonen sind eindeutig Fantasy. Verrückte Wissenschaftler und Aliens ganz klar Sci-Fi.

Und George Lucas ist das alles ziemlich schnurzpiepegal. Und deshalb ist " Star Wars" ganz klar Fantasy!

Erwin Schotzger

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