Fight Club (1999)

© 20th Century Fox

Film-Tipps
02/14/2020

12 spektakuläre Flops im Kino, die später zu Kultfilmen wurden

Der kommerzielle Misserfolg an den Kinokassen hat diese Filme nicht davon abgehalten, zu Kultfilmen und (teilweise) DVD-Bestsellern zu werden.

von Erwin Schotzger

Kino-Blockbuster sind planbar, Kultfilme hingegen nicht. Im Gegenteil: So mancher Kultfilm hat als "Box Office Bomb", wie ein Kino-Flop im Englischen genannt wird, begonnen. Im Kino sind sie oft mehr oder weniger spektakulär gefloppt, nur um später zu populären Kultfilmen mit einer treuen Fangemeinde zu werden. Der Misserfolg im Kino verwandelt sich dann über Jahre hinweg dank DVD, Blu-ray und neuerdings auch Streaming-Angeboten doch noch in einen kommerziellen Erfolg.

Diese Filme kamen beim Kino-Publikum nicht gut an. Für ihre Produzenten waren sie zunächst ein Verlustgeschäft, jedenfalls aber eine kommerzielle Enttäuschung – nur um später (manchmal schon nach Monaten, oft aber auch erst über Jahre) zu begehrten Genrefilmen oder Kultklassikern zu werden. Manche Filme sind sogar als DVD-Bestseller zur Goldgrube für ihre Produzenten geworden.

 

Heathers (1988)

Die düstere Highschool-Komödie floppte 1989 in den US-Kinos spektakulär: nur 1,1 Mio. Dollar spielte der Film insgesamt ein, bei einem kolportierten Produktionsbudget von drei Mio. Dollar. International kam der Film nur in Großbritannien auf die Leinwand. Doch zu Beginn der 90er-Jahre entwickelte der zynische Highschool-Film mit seinem düsteren Finale eine überraschende Popularität. Trotz dem Flop im Kino war "Heathers" ein Karriere-Kick für die damals noch eher unbekannten Hauptdarsteller Christian Slater ("True Romance") und Winona Ryder ("Reality Bites"), aber auch für Shannen Doherty ("Beverly Hills, 90210").

 

Dazed and Confused (1993)

Der Film floppte im Kino fulminant, wurde aber dennoch zum nostalgischen Highschool-Kultfilm und zur cineastischen Slacker-Bibel der 90er-Jahre. Auf der Besetzungsliste standen damals noch unbekannte Stars wie Ben Affleck, Matthew McConaughey und Milla Jovovich. Quentin Tarantino nennt "Dazed and Confused" als einen seiner Lieblingsfilme und als Paradebeispiel für ein Hangout-Movie. Regisseur Richard Linklater hat mit seinem Highschool-Drama das Lebensgefühl der Generation X authentisch eingefangen, obwohl die Handlung von "Confusion – Sommer der Ausgeflippten" (so der deutsche Titel) in den 70er-Jahren spielt.

 

Fight Club (1999)

Rule #1: You do not talk about the fight club! Der spektakuläre Thriller von Regisseur David Fincher auf Basis des gleichnamigen Romans von Chuck Palahniuk ist das Paradebeispiel eines Kultfilms. Kaum zu glauben, dass der Film in den USA nur 37 Mio. Dollar eingespielt hat – bei einem Produktionsbudget von 63 Mio. Dollar. Zwar wurden die Verluste an den internationalen Märkten einigermaßen ausgebügelt (weltweit kamen Einnahmen von 101 Mio. Dollar zusammen), aber gewinnbringend war der Film für das Hollywood-Studio 20th Century Fox abzüglich der Marketingkosten wohl nicht. Das änderte sich als die DVD herauskam: "Fight Club" spielt mit der DVD-Edition noch einmal 100 Mio. Dollar ein und wurde binnen kurzer Zeit zum Kultfilm.

 

Blade Runner (1982)

Der Kultfilm von Meisterregisseur Ridley Scott wird heute als einer der einflussreichsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten betrachtet. Doch im Jahr 1982 kam der Film weder beim Publikum, noch bei der Mehrheit der Kritiker gut an. Nur eine Nische von Filmliebhabern liebte den futuristischen "Film Noir"-Stil des Films. Erst mit dem "Director's Cut" von 1992 und dem "Final Cut" (2007) wurde "Blade Runner" über die Jahre zum Sci-Fi-Kultfilm und Liebling der Kritiker.

Ähnliches gilt übrigens auch für die Fortsetzung "Blade Runner 2049" von Denis Villeneuve: Die Kritiker waren gespalten und an den Kinokassen lief es eher mäßig. Zwar spielte der Film schließlich die Produktionskosten von 150 Mio. Dollar ein, war aber mit weltweiten Einnahmen von nur 259 Mio. Dollar dennoch für das Hollywood-Studio Warner Bros. im Kino eher eine kommerzielle Enttäuschung. "Blade Runner"-Fans sehen den Film hingegen als perfekte Fortsetzung des großartigen Originals.

Donnie Darko (2001)

Ist es ein Highschool-Film? Ein Coming-of-Age-Psychothriller? Oder doch ein Mix aus Science-Fiction und Horror? Worum es in "Donnie Darko" eigentlich geht, darüber gibt es ganze Abhandlungen. Der Film mit Jake Gyllenhaal in der titelgebenden Hauptrolle ist – gelinde gesagt – verwirrend. Dass der Film im Kino fulminant floppte, ist nicht wirklich verwunderlich. In den USA wurden nicht einmal 1,5 der 6 Mio. Dollar Produktionskosten eingespielt. Hierzulande kam der Film nie regulär ins Kino. Doch bei vielen Kritikern galt der Film bald als cineastisches Juwel und als die DVD erschien wurde das psychedelische Verwirrspiel bald zum Kultfilm. Vermutlich, weil Fans sich den Film immer und immer wieder angeschaut haben, um hinter die Symbolik der wirren Handlung zu kommen.

 

Mulholland Drive (2001)

Bleiben wir bei undurchschaubaren Filmen: Von David Lynch ist man ja einiges gewöhnt. Aber wer der Handlung von "Mulholland Drive" ohne einen vorherigen Grundkurs in Kryptoanalyse folgen kann, ist ein kleines Genie. Im Kino war "Mullholland Drive" daher alles andere als erfolgreich. Als die DVD erschien, gab Lynch darauf sogar 10 Tipps, um den Film besser zu verstehen. Diese Hinweise waren aber nicht weniger kryptisch als der Film selbst. Doch über die Jahre entwickelte sich "Mullholland Drive" zu einem Kultfilm bei Filmkritikern und Cineasten, Lynch-Fans und Mystery-Liebhabern – und natürlich Kryptoanalytikern!

 

Die Verurteilten (1994)

"The Shawshank Redemption", so der Originaltitel, nimmt in vielen Bestenlisten den ersten Rang ein. Auf der International Movie Database (IMDb) hat das Drama von Regisseur Frank Darabont auf Basis eines Romans von Stephen King mit 9,3 von 10 das besten Rating aller Filme. Die Kritiker liebten den Film von Anfang an, aber im Kino ging "Die Verurteilten" im Vergleich mit einem anderen Kultfilm unter: Während Tarantinos "Pulp Fiction" alleine in den USA über 100 Mio. Dollar in die Kinokassen spülte, spielte "Die Verurteilten" gerade einmal die Produktionskosten von 25 Mio. Dollar ein. Doch im Laufe der Zeit fand der Film sein Publikum.

 

Dredd (2012)

Das Cyberpunk-Actionspektakel mit Karl Urban als kompromissloser Cop im dystopischen Mega City One floppte vor allem in den USA: Nur magere 13,4 Mio. Dollar spielte der Film ein. Weltweit kam "Dredd" auf ein Ergebnis von 41 Mio. Dollar an den Kinokassen, bei Produktionskosten von rund 50 Mio. Dollar. Doch heute ist der Film von Alex Garland ("Ex Machina") für Sci-Fi- und Action-Fans ein Kultfilm. Fans hoffen ebenso wie "Judge Dredd"-Darsteller Urban seit Jahren auf eine Fortsetzung im Kino oder als TV-Serie. Bisher vergeblich.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2010)

Mit der Comic-Verfilmung wagte sich Universal Pictures an eine gewagte Action-Komödie im Superhelden-Style. Die romantischen Verwirrungen des von Michael Cera gespielten Helden wurden in einem eindrucksvollen Videogame-Stil auf die Leinwand gebracht. Die Kritiker waren mehrheitlich voll des Lobes. Einige prominente Filmemacher wie Kevin Smith, Quentin Tarantino und Jason Reitman zeigten sich im Vorfeld des Kinostarts begeistert. Dennoch spielte der Film mit einem beachtlichen Produktionsbudget von über 85 Mio. Dollar im Kino weltweit nur 47,6 Mio. Dollar ein. Warum? Das ist schwer nachzuvollziehen, könnte aber an einer misslungenen Marketing-Kampagne liegen. Als die DVD auf den Markt kam, wanderten innerhalb der ersten Woche rund 200.000 Kopien des Films über den Ladentisch. Heute gilt "Scott Pilgrim" als Kultfilm und als einer der innovativsten Filme des 21. Jahrhunderts.

 

Harold und Maude (1971)

Die schwarze Kultkomödie von Regisseur Hal Ashby kam 1971 weder bei den Kritikern, noch beim Publikum gut an. Vom Mainstream-Publikum wurde der schrullige Nischenfilm ebenso ignoriert wie von der Oscar-Jury. Heute reiht das American Film Institute "Harold und Maude" auf Platz neun der zehn besten US-amerikanischen Liebesfilme. Die Romanze zwischen der lebensfrohen, 79-jährigen Maude und dem morbiden, 20-jährigen Harold war ihrer Zeit einfach weit voraus.

 

Fear and Loathing in Las Vegas (1998)

Der Film von Star-Regisseur Terry Gilliam ("12 Monkeys", "König der Fischer", "Brazil") bekam im Jahr 1998 sehr durchwachsene Kritiken. Einige Kritiker liebten den Film, aber die meisten hassten ihn. Diese Polarisierung schlug sich jedoch nicht in einem erhöhten Interesse des Publikums an der Kinokasse nieder. Nicht einmal klingende Namen wie Johnny Depp und Benicio del Toro konnten den Film vor dem Flop retten. Weltweit spielte der Film laut Box Office Mojo nur 10,6 Mio. Dollar ein, bei einem Produktionsbudget von 18,5 Mio. Dollar. Als DVD erwies sich "Fear and Loathing in Las Vegas" allerdings als voller Erfolg. Auch die Bewertung des Films durch die Kritiker ist seitdem wesentlich positiver.

 

The Big Lebowski (1998)

Das Meisterwerk von Joel und Ethan Coen ist ein Kultfilm im wahrsten Sinne des Wortes: Im Jahr 2005 wurde auf Basis der von Jeff Bridges gespielten Hauptfigur "Dude" eine eigene Religion gegründet, die"Church of the Latter-Day Dude". "The Big Lebowski" ist damit wahrscheinlich der größte Kultfilm aller Zeiten und mit Sicherheit der populärste Film der Coen-Brüder. In den US-Kinos spielte der Film allerdings 1998 gerade einmal das Produktionsbudget ein, echte Gewinne spülten erst die internationalen Kinos in die Kassen. Verglichen mit dem gigantischen Kultstatus den "The Big Lebowski" später entwickelt hat, wirkt die Performance an den Kinokassen dennoch wie ein Flop.

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