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Filmkritik
08/24/2020

"Das Spiel" (Netflix): Eine fesselnde Stephen King-Verfilmung

Eine Frau in Handschellen allein zuhaus: Mehr braucht Mike Flanagan nicht, um in dieser Netflix-Produktion eine gelungene Romanverfilmung nach Stepehen King abzuliefern.

von Franco Schedl

Regisseur Mike Flanagan bietet hier eine meisterhafte Romanadaption, die absolut nahe am Original von Stephen King bleibt.  Fast scheint dieses Netflix-Kammerspiel eine Art Talentprobe gewesen zu sein, um Kings Vertrauen für ein weiteres Projekt zu gewinnen, denn zwei Jahre später bewies Flanagan dann mit seiner gelungenen Verfilmung der „Shining“-Fortsetzung „Doctor Sleeps Erwachen“, dass er auch einer größeren Produktion vollkommen gewachsen ist (und hat gleich zwei Darsteller aus dem früheren Film übernommen).

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Handschellen und ein toter Mann

Der Titel dieser Filmkritik ist übrigens absolut wörtlich zu verstehen, denn hier kommt eine Handfessel ins Spiel. Schauplatz ist ein abgelegenes Wochenendhaus, wo sich der ältere Ehemann Gerald (Bruce Greenwood) etwas ausgedacht hat, damit seine eingerostete Männlichkeit durch ein Rollenspiel wieder neue Kräfte schöpft. Die jüngere Ehefrau Jessie (Carla Gugino) lässt sich zunächst bereitwillig mit Handschellen an die Bettpfosten ketten, doch bald hat sie Bedenken und bittet darum, wieder befreit zu werden. Zu spät: Gleich darauf erleidet Gerald nämlich einen Herzinfarkt, kippt tot vom Bett - und der Horror kann beginnen.  Die Handschellenschlüssel liegen zwar in Sichtweite, aber trotzdem viel zu weit entfernt; keine Chance für Jessie, sie mit den Füßen zu erreichen.  Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen jemand auch nur in die Nähe des isolierten Strandhauses kommt. Wie lange kann die Frau wohl ohne Hilfe überleben?

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Carla Guginos One Woman-Leidensshow

Die Grundvoraussetzung zu dieser Geschichte ist ebenso simpel wie genial und garantiert ein Maximum an Spannung. Eigentlich wirkt „Gerald’s Game“ wie das Gegenstück zu Kings anderem Roman „Das Mädchen“: Dort ist es ein verirrtes Kind allein im Wald, hier eine gefesselte Frau allein im Haus (einmal abgesehen von der Anwesenheit eines Toten und eines hungrigen Hundes mit Cujo-Manieren). Carla Gugino (die Silk Spectre aus „Watchmen“) liefert eine geradezu unglaublich intensive One Woman-Leidensshow – sie muss ständig zwischen Panik, Apathie, Verzweiflung und kühler Überlegung hin und her wechseln.

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Erzwungene Psychoanalyse

Dennoch dürfen wir uns auf kein strenges Einpersonen-Stück einstellen. Man sieht hier nicht etwa 90 Minuten ausschließlich einer Frau dabei zu, wie sie sich als Entfesselungskünstlerin versucht, sondern Flanagan findet geschickt arrangierte Gelegenheiten, Jessie immer wieder in Gespräche zu verwickeln: Sei es durch Halluzinationen, in denen der Ehemann wieder lebt oder durch Erinnerungen an eine lange zurückliegende Sonnenfinsternis. In ihrer Zwangslage wird das Bett nämlich zu einer regelrechten Analyse-Couch für Jessie und sie durchlebt ein schlimmes Ereignis aus ihrer Kindheit wieder neu. Während sie das alte Trauma aufarbeitet, bietet es ihr zugleich eine Anregung für den aktuellen Überlebenskampf.

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Gruselige Figur

King wäre jedoch nicht der ausgebuffte Horror-Profi, als der er in die Literaturgeschichte eingehen wird, wenn er seinem Werk nicht auch noch eine wirklich unheimliche Figur hinzugefügt hätte. So tritt in der Nacht ein riesiger deformierter Mann aus dem Schatten ans Bett und öffnet für Jessie eine Tasche, in der neben kleinen Souvenirs vor allem Knochen enthalten sind. Das Geheimnis dieses Mondschein-Mannes wird erst in den letzten Filmminuten gelöst und fügt diesem perfekten Schlafzimmerdrama noch einen weiteren wichtigen Thrill hinzu.

4 von 5 bruchsicheren Bettpfosten

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In dieser Stephen King-Verfilmung von Netflix bleibt eine Frau (Carla Gugino) nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes mit Handschallen ans Bett gefesselt zurück und versucht verzweifelt, sich zu befreien.