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Filmkritiken
04/02/2019

"Shazam": Kindlicher Superhelden-Klamauk

Von einem Extrem ins andere: Die Teenie-Komödie bleibt flach und nützt die Möglichkeiten des DC Extended Universe (DCEU) kaum.

"Shazam" ist eine Interjektion aus dem Englischen. Ähnlich wie "Kaboom!", "Ta-Da!" oder das aus "The Big Bang Theorie" bekannte "Bazinga!". Der begeisterte Ausruf wird bei einem überraschenden Ereignis verwendet, insbesondere wenn es sensationell oder beinahe magisch ist. Früher wurde der Begriff oft von Zauberkünstlern verwendet. Heute bringen nur echte Superhelden-Nerds den Begriff nicht sofort mit der populären App in Verbindung, sondern mit dem DC-Superhelden Captain Marvel.

Ja, Captain Marvel! So hieß die mit Superkräften ausgestattete Erwachsenenversion von Billy Batson bis ins Jahr 2011 eigentlich. Es scheint das Schicksal dieses Helden zu sein, dass ihm sein Name geklaut wird – zuerst von der Comic-Konkurrenz, dann nochmal von einer banalen App. Aber wir schweifen ab. Mit Geschichte und Namen des DC-Superhelden haben wir uns schon beschäftigt. Jetzt geht's um den neuen Superheldenfilm "Shazam" aus dem Hause DC.

 

Das Kind im Manne

Billy Batson (Asher Angel) ist ein etwa 14-jähriger Waisenknabe in Philadelphia. Seine Mutter hat er vor Jahren in einem Vergnügungspark in der Menschenmenge verloren. Er will nicht wahrhaben, dass sie ihn zurückgelassen hat. Von seinen Pflegefamilien läuft er immer wieder weg, um nach ihr zu suchen. Billy hat gelernt auf sich selbst aufzupassen. Sein Lebensmotto: Familie braucht nur, wer sich nicht selbst helfen kann.

Diesmal kommt er zu Victor und Rosa Vasquez (Cooper Andrews und Marta Milans) und ihrer großen Pflegefamilie: Mary (Grace Fulton), Eugene (Ian Chen), Darla (Faithe Herman), Pedro (Jovan Armand) und Freddy (Jack Dylan Grazer). Mit Freddy teilt er sich ein Zimmer. Der Superhelden-Nerd wird schnell sein Kumpel. Er weiß alles über Helden im Comic und im echten Leben: Superman, Batman, Wonder Woman, Flash und Aquaman existieren wirklich. Auch wenn man es kaum glaubt: Wir befinden uns in der düsteren Welt des DC Extended Universe (DCEU), in dem auch die Filme "Justice League", "Suicide Squad", "Batman vs. Superman" und "Man of Steel" spielen. Schon eher finden sich Überschneidungen mit "Aquaman" und "Wonder Woman", denn "Shazam" will eine Fantasy-Komödie für die ganze Familie sein.

Billy ist die letzte Hoffnung des uralten Zauberers Shazam. Der Letzte seiner Art sucht schon seit längerem einen Nachfolger, um die Welt vor den Kräften des Bösen zu schützen. Doch die Suche nach einem perfekten Kind, das allen Versuchungen widersteht, blieb bisher erfolglos. Vielleicht hätte der Zauberer in seiner nicht unbeträchtlichen Tagesfreizeit – er sitzt seit Ewigkeiten in seinem mystischen Versteck, dem "Rock of Eternity", und bewacht die zu Stein erstarrten Todsünden – ein Buch von Jesper Juul lesen sollen. Dann hätte er seine Suche vielleicht anders angelegt und nicht auch noch ein menschliches Monster geschaffen: den hasserfüllten Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong).

Wenn er nicht rasch einen würdigen Nachfolger findet, fallen die sieben Todsünden in Form garstiger Monster über die Menschheit her. Für Perfektionismus ist keine Zeit mehr. Der Zauberer namens Shazam überträgt Billy seine Macht und zerfällt zu Staub. Das lässt den 14-jährigen in einem erwachsenen Superhelden-Körper und mit ziemlich großer Verantwortung zurück. Auch klar, dass sich Billy nicht dem Kampf gegen das Böse widmet. Gemeinsam mit Freddy erkundet er vielmehr seine neu gewonnenen Superkräfte und die Möglichkeiten, die sich ihm damit – aus der Sicht eines 14-Jährigen – bieten: Bier, Strip-Bars und keine Angst mehr vor Bullys. Shazam wird zum Youtube-Star. Doch als der Bösewicht auftaucht und seine neu gewonnene Familie bedroht, ist Schluss mit lustig.

 

Generischer Superhelden-Klamauk

"Shazam" ist eine Fantasykomödie, die sich an ein deutlich jüngeres Publikum als die bisherigen DCEU-Superheldenfilme richtet. Aus der Sicht der düsteren und (im Vergleich mit der Konkurrenz von Marvel) wenig erfolgreichen DCEU-Vorgänger ist "Shazam" ein Fortschritt in Richtung mehr Selbstironie und Humor. Nur bleibt es bei jugendlichem Klamauk, durchbrochen von deplatzierten Ausbrüchen brutaler Gewalt. Kids finden den Film sicherlich lustig und spannend, teilweise sogar erschreckend. Ältere Kids wohl bald auch wieder uncool. Was fehlt ist aber eine interessante Ebene für Erwachsene (beim Humor ebenso wie bei der Story), die den Film zum echten Familienfilm machen würde. Auch das zentrale Familienthema selbst wird letztlich sehr oberflächlich abgehandelt. Zudem nützt der Film auch die Möglichkeit des gemeinsamen Superhelden-Universums kaum.

Im Vergleich mit Fantasy-Abenteuern wie "Gänsehaut" oder demnächst "Wenn du König wärst", die eine ähnliche Zielgruppe anpeilen, hinterlässt das Kinoerlebnis bei "Shazam" daher wenig bleibende Eindrücke. Allerdings können wir uns den neu eingeführten DC-Helden sehr gut als Fun-Charakter in einem Superhelden-Team wie der "Justice League" vorstellen.

 

Der Teenager Billy Batson verwandelt sich in einen - voll ausgewachsenen - Superhelden, wenn er das magische Wort Shazam ausspricht.