Norsemen, Serie

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Serien-Tipps
03/27/2020

12 unterschätzte Serien-Juwelen auf Netflix

Im Streaming-Dschungel von Netflix verstecken sich neben populären Highlights auch weniger bekannte, aber sehenswerte Serien.

von Erwin Schotzger

Streaming ist das neue Kino, nicht erst seit der Coronavirus-Krise. Und TV-Serien machen dem Kino schon seit einigen Jahren den Titel der populärsten filmischen Erzählform streitig. US-Sender wie HBO und Streaming-Anbieter wie Netflix, Hulu und Amazon Prime überschütten uns jedes Jahr mit einer wahren Flut an neuen Serien. Nicht alle sind so populär wie "Game of Thrones", "Stranger Things", "The Walking Dead" und "The Big Bang Theory". Viele Serien gehen in dieser Serienflut unter und bekommen nicht die verdiente Aufmerksamkeit.

Wir haben uns bei Netflix umgesehen und diese zehn versteckten Serien-Juwelen gefunden, die wahrscheinlich noch nicht jeder kennt.

 

GODLESS (Miniserie, 2016)

Die großartige Miniserie dürfte zwar nicht gänzlich unbekannt sein, hat aber deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient als sie bekommt: Im Mittelpunkt der in sieben Episoden erzählten Geschichte steht das Städtchens La Belle, in dem bei einem Minenunglück im Jahr 1884 fast alle Männer getötet wurden. Die Frauen sind nun auf sich selbst gestellt und versuchen irgendwie Profit aus der ertragreichen Silbermine zu schlagen. Zu allem Unglück gerät die leidgeplagte Bevölkerung der Stadt auch noch ins Visier des gefürchteten Gesetzlosen Frank Griffin (Jeff Daniels) und seiner Bande. Doch die Frauen von La Belle denken nicht daran, klein beizugeben.

Die mit Michelle Dockery, Merritt Wever, Scoot McNairy, Jack O'Connell und Daniels großartig besetzte Netflix-Serie startet langsam und steigert sich dann zu einem fulminanten Western-Finale.

"Godless" ist bei Netflix zu sehen.

 

VERSAILLES (3 Staffeln, 2015 – 2018)

Der Bau von Schloss Versailles, dem Sitz der Könige von Frankreich, als opulentes Historiendrama: Im Jahr 1667 beschließt der 28-jährige König Ludwig XIV. (George Blagden) das Jagdschloss im Pariser Nachbarort Versailles zu einem prunkvollen Palast auszubauen. Doch das Prestigeprojekt, das vor allem die Macht des jungen Königs demonstrieren soll, trifft auf Widerstände bei Hofe und wird immer wieder durch finanzielle Engpässe bedroht. Ludwig muss erfinderisch sein, um das Bauprojekt mit eiserner Hand voranzutreiben. Dank der eindrucksvollen Inszenierung und der interessanten Charaktere mit guter Besetzung macht diese franko-kanadische Serie Lust auf mehr Historien- und Kostümfilme im Serienformat.

"Versailles" ist bei Netflix zu sehen.

 

BLOODLINE (3 Staffeln, 2015 – 2017)

Um eine traditionsreiche Familie und ein Gebäude geht es auch in "Bloodline". Wir springen aber in die Gegenwart und über den Atlantik: Die Rayburns sind in der kleinen Inselgemeinde Islamorada an der Südspitze Floridas eine angesehene Familie. Dort betreiben sie seit 45 Jahren ein kleines Hotel. Als jedoch das schwarze Schaf der Familie, der Sohn Danny (Ben Mendelsohn) nach langer Abwesenheit zurückkehrt, ist Schluss mit dem scheinheiligen Familienfrieden. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes reißt alte Wunden auf. Der erfolglose Danny will die Schuldgefühle seiner Familie nutzen, um für sich etwas herauszuholen.

Zwei Staffeln lang werden wir Zeugen eines spannenden Familiendramas mit Crime-Elementen und großartiger Besetzung (neben Mendelsohn vor allem Sam Shepard, Sissy Spacek und Kyle Chandler). Die dritte und letzte Staffel ist allerdings nicht mehr ganz so sehenswert wie die beiden vorhergehenden.

"Bloodline" ist bei Netflix zu sehen.

 

BRAUNSCHLAG (1 Staffel, 2012)

Vorbei ist es auch mit der heiligen Ruhe in der Marktgemeinde Braunschlag im nördlichen Niederösterreich, hart an der tschechischen Grenze. Bürgermeister Gerhard Tschach (Robert Palfrader) hat das Kaff mit seinen dubiosen Geschäftsideen in den Bankrott getrieben. Um davon abzulenken, braucht es schon ein Wunder. Daher inszenieren Tschach und sein bester Freund Richard (Nicholas Ofczarek), Betreiber der maroden Dorfdisco, eine Marien-Erscheinung. Gegen alle Erwartungen geht der Plan auf. Durch den aufkeimenden Wallfahrtstourismus geht es wieder aufwärts. Doch dann wollen sich immer mehr Leute ihren Teil vom lukrativen Kuchen sichern.

Die achtteilige ORF-Serie von David Schalko rund um Gier, Korruption, Katholizismus und die dunklen Abgründe der österreichischen Seele glänzt mit einer schrägen Geschichte, die – hierzulande keine Selbstverständlichkeit – auch großartig umgesetzt wird.

"Braunschlag" ist bei Netflix zu sehen.

 

NORSEMEN (2 Staffeln, 2016 – 2017)

Es bleibt kurios: Im Mittelpunkt dieser norwegischen Comedy-Serie stehen die Alltagsprobleme in einem Wikingerdorf des Jahres 790. Orm (Kåre Conradi), der Bruder des Dorf-Chefs, ist nicht gerade das Paradebeispiel eines Wikingers. Ständig plagen ihn Rückenschmerzen und er sieht sich selbst als Poeten. Keiner im Dorf nimmt ihn wirklich ernst, schon gar nicht seine Frau Froya (Silje Torp), eine echten Wikingerbraut. Als die Meute von einem Raubzug mit dem englischen Sklaven Rufus (Trond Fausa) heimkehrt, sieht Orm seine Zeit gekommen. Er will seinen Bruder als Chef ablösen und endlich Kultur ins Wikinger-Dorf bringen.

Der absurde und teilweise auch derb-makabre Humor von "Vikingane", so der Originaltitel, erinnert an die besten Zeiten von Monthy Python. Ein herrlicher Spaß mit zahlreichen Seitenhieben auf Ragnar Lodbrok aus der populären Serie "Vikings".

"Norsemen" ist bei Netflix zu sehen.

 

HAPPY! (2 Staffeln, 2017 – 2019)

Weiter geht's mit der durchgeknallten Actionserie "Happy": Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen imaginären Freund der kleinen Hailey. Das kleine Mädchen wurde von einem psychopathischen Weihnachtsmann entführt. Ihr imaginärer Freund Happy, ein kleines Cartoon-Einhorn mit Flügeln, holt Hilfe bei ihrem Vater Nick Sax (Christopher Meloni). Der drogenabhängige Ex-Cop und nunmehrige Auftragskiller für die Mafia hält das fliegende Einhorn zunächst für eine Halluzination im Drogenwahn. Wer kann es ihm verübeln? Doch der imaginäre Freund ist nicht nur äußerst penetrant, sondern kann auch ziemlich ausfällig werden. Irgendwann macht Nick einfach, was Happy sagt, nur damit das Einhorn endlich die Klappe hält.

Trotz dem niedlichen Fabeltierchen ist die Comic-Verfilmung nichts für Kids und Leute, die etwas gegen Gewalt und versaute Sprache haben.

"Happy" ist bei Netflix zu sehen.

 

CRASHING (1 Staffel, 2016)

Ziemlich versaut, aber weniger gewalttätig geht es weiter: Sechs recht unterschiedliche Mittzwanziger beziehen aufgrund unbezahlbarer Mietpreise in London ein ehemaliges Krankenhaus. Sie sollen das Gebäude vor Hausbesetzern schützen. Die seltsame Wohngemeinschaft akzeptiert für Gratis-Logis strenge Regeln, die sie aber irgendwie immer umgehen. Eines Tages steht plötzlich Lulu (Phoebe Waller-Bridge) auf der Matte und will auch einziehen. Sie ist die beste Freundin von Anthony (Damien Molony) aus Kindheitstagen, der mit seiner biederen Verlobten Kate (Louise Ford) im Krankenhaus wohnt. Lulu sorgt für Verwirrung in der schrägen WG wie auch in der Beziehung von Anthony und Kate.

Die Comedy-Serie stammt aus der Feder von Phoebe Waller-Bridge. Wer daher "Fleabag" mag (zu sehen bei Amazon Prime) und damit wohl auch eine gewisse Affinität zu TV-Unterhaltung mit derber Sprache, schmutzigen Witzen und melancholischer Romantik hat, wird auch "Crashing" lieben.

"Crashing" ist bei Netflix zu sehen.

 

BETTER THAN US (2 Staffel, seit 2018)

Im Mittelpunkt der russischen Science-Fiction-Serie steht die entflohene Androiden-Frau Arisa sowie die Roboterfirma Cronos, der sie gehört, und die Familie Safronow, bei der sie sich versteckt. Ähnlich wie bei "Humans" (bei Amazon Prime zu sehen) entwickelt sich eine spannende Geschichte rund um die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf die menschliche Gesellschaft im Jahr 2029. Bei Netflix wird nur eine Staffel mit 16 Episoden angezeigt. Tatsächlich sind dort jedoch beide Staffeln zu sehen, die im russischen Original nur jeweils acht Folgen hatten.

"Better Than Us" ist bei Netflix zu sehen.

 

BAD BANKS (2 Staffeln, seit 2018)

Die undurchsichtigen Machenschaften der Hochfinanz stehen im Mittelpunkt dieses preisgekrönten Crime-Thrillers aus Deutschland: Die junge Bankerin Jana Liekam (Paula Beer) will hoch hinaus. Als ihrer Karriere ein jähes Ende droht, ist ihre Chefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) unterstützend zur Stelle. Doch eine Hand wäscht die andere. Leblanc fordert im Gegenzug bedingungslose Loyalität, die moralisch und gesetzlich fragwürdige Handlungen nach sich zieht. Daraus entwickelt sich eine packende Geschichte über die Beziehung der beiden Frauen und ihre berufliche Rivalität.

"Bad Banks" überzeugt durch packende Charaktere, mit denen man mitfiebert, und die prägnante Darstellung der kühlen Welt der Hochfinanz, in der es weder Gut noch Böse gibt. Moral wird über Bord geworfen, auf dem Weg nach oben zählen nur die eigenen Beweggründe.

Zurzeit ist nur eine der bisher zwei Staffeln von "Bad Banks" bei Netflix zu sehen.

 

QUEEN OF THE SOUTH (4 Staffeln, seit 2016)

Teresa Mendoza (Alice Braga) muss Hals über Kopf aus ihrer Heimat Mexiko fliehen als ihr Freund, ein Drogenkurier, ermordet wird. Der Drogenboss, für den er gearbeitet hat, ist nun auch hinter Teresa her. Doch auch in Texas ist sie nicht sicher vor dem langen Arm des mexikanischen Drogenkartells. Bald wird ihr klar, dass die beste Lebensversicherung ist, wenn sie in Texas eine große Nummer wird. Getrieben von ihrem Überlebenswillen und Rachegedanken verbündet sie sich mit texanischen Drogenschmugglern und versucht in der Hierarchie aufzusteigen. Dabei kommt sie der erbarmungslosen Kartell-Chefin Camila Vargas (Veronica Falcón) in die Quere.

Wer mit "Narcos" durch ist und immer noch nicht genug vom mexikanischen Drogenkartell hat, ist bei "Queen of the South" richtig.

Drei der bisher vier Staffeln von " Queen of the South" sind bei Netflix zu sehen. Eine fünfte Staffel ist beim US-Sender USA Networks bereits in Produktion.

 

THE SPY (Miniserie, 2019)

Sacha Baron Cohen spielt in dieser packenden Miniserie den in Ägypten geborenen Eli Cohen: Er wird in den Jahren vor dem Sechstagekrieg vom israelischen Geheimdienst angeworben und für Auslandseinsätze ausgebildet. Seine jahrelange Aktivität als israelischer Spion und sein privates Leben werden fesselnd aus verschiedenen Perspektiven in Tel Aviv, Jerusalem und Damaskus erzählt. Seine Spionagetätigkeit gilt als wesentlicher Beitrag zum Sieg Israels im Sechstagekrieg des Jahres 1967. Die sechsteilige Agentenserie basiert auf dem Buch des israelischen Journalisten Uri Dan über die wahre Geschichte des Spions, der in Israel als Held gilt.

"The Spy" ist bei Netflix zu sehen.

 

MESSIAH (1 Staffel, 2020)

Wir bleiben im Nahen Osten: In der Mystery-Serie taucht im kriegsgeplagten Syrien ein mysteriöser Mann (Mehdi Dehbi) auf, der nicht nur aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes an Jesus Christus erinnert. Er führt eine Gruppe von Flüchtlingen aus dem belagerten Damaskus durch die Wüste zur Grenze Israels. Seine Anhänger sprechen davon, dass er Wunder vollbringt. Durch seine Popularität und die mediale Aufmerksamkeit gerät er ins Visier der CIA-Agentin Eva Geller (Michelle Monaghan). Sie will beweisen, dass der charismatische Mann nur ein Strohmann ist, der das geopolitische Gefüge der Welt destabilisieren soll. Die Zeit drängt als der Mann auch in den USA auftaucht.

"Messiah" besticht durch den interessanten Mix aus Mystery und Agententhriller im Stil von "Homeland". Geschickt wird bis zuletzt die Frage offen gelassen: Ist der Mann, der Al-Masih genannt wird, nur ein geschickter Scharlatan oder doch der neue Messias?

"Messiah" ist bei Netflix zu sehen.